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Vatikan

15.06.2013

Orgien, Erpressung, Korruption: Die dunklen Seiten des Kirchenstaats

Vatikan
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Für Vatikan-Kenner steht fest: Im Kirchenstaat geht es sehr weltlich zu. Es gebe Homosexuelle, Rivalitäten und Erpressung.
Bild: Massimo Sestini, dpa

Korruption und Erpressung im Vatikan. Ein homosexuelles Netzwerk. Nächtliche Orgien. All das soll es geben oder gegeben haben. Was hinter der dunklen Seite steckt.

Italiens Print- und Fernsehmedien beschäftigen sich derzeit wieder eifrig mit den neuesten Skandalmeldungen rund um den Kirchenstaat. Schließlich soll Papst Franziskus höchstpersönlich nach Angaben einer chilenischen Webseite vor Mitgliedern der Lateinamerikanischen Religiösen-Konföderation (CLAR) Korruption im Vatikan und die Existenz eines Schwulen-Netzwerks eingeräumt haben.

Korruption gibt es in der Kirche seit eh und je

Er tat es angeblich bei einem Treffen, über das allerdings nur ein ins Internet gestelltes Gedächtnisprotokoll existiert. Deshalb werden Papstzitate wie, „man spricht von einer Gay-Lobby, und das stimmt, die ist da. Man muss sehen, was wir machen können“, auch nicht bestätigt. Den Inhalt der Unterredung hat bisher niemand dementiert.

Dazu befragte Kardinäle und Bischöfe äußern sich vorsichtig und ganz allgemein in italienischen Medien. „Korruption in der Kirche gibt es seit eh und je“, erklärte etwa der philippinische Kardinal Luis Antonio Tagle dem Corriere della sera. Er war auch vor dem Märzkonklave als Papstkandidat im Gespräch. Von einer „Schwulen-Lobby“ soll der neue Papst im Mai bereits vor sizilianischen Bischöfen gesprochen haben. Befragt von der römischen Zeitung La Repubblica, dementierten diese das nicht. „Leider nisten sich in verschiedenen Bereichen der Kirche Gruppen ein, die fürs Gute arbeitende Menschen erpressen können“, sagte Bischof Domenico Mogavero. Sein Amtsbruder Michele Pennisi meinte: „Der Papst wird handeln.“

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Homosexualität Thema in Geheimreport

Dafür, dass Homosexualität und Karrieresprünge in der römischen Kurie, dem Verwaltungsapparat der katholischen Kirche, miteinander verbunden sind, nennt der renommierte Vatikanjournalist Andrea Tornielli in der Turiner Zeitung La Stampa Beispiele: So sei ein hoher Vatikandiplomat in einer Nuntiatur mit einem Mann im Bett gefunden worden. Erst habe er deshalb seinen Posten verloren, doch Jahre später sei er trotzdem zum Bischof befördert worden. Tornielli erklärt zudem, dass anonyme Briefe im Kirchenstaat an der Tagesordnung seien. In denen würden Rivalen als schwul denunziert, um ihnen zu schaden. Anderen Vatikan-Insidern zufolge gebe es in der Kurie Homosexuelle, eine Homosexuellen-Seilschaft aber wohl nicht.

Die Mehrzahl der Beobachter hält es für sicher, dass schon die vom inzwischen emeritierten Papst Benedikt XVI. ernannte Kardinalskommission zum Vatileaks-Skandal in ihrem Geheimreport das Thema Homosexualität im Vatikan und die damit verbundenen Probleme behandelte. Sie sollen ein Mitgrund für Benedikts Rücktritt gewesen sein. Denn der habe sich aus Altersgründen nicht mehr in der Lage gesehen, diese Probleme zu lösen.

Die Kurie säubern

„Die römische Kurie zu säubern“: Das hatte Papst Franziskus als vordringliche Aufgabe des nächsten Pontifex genannt, noch ehe er am 13. März selbst zum Papst gewählt wurde. Wie nun aus der Internet-Veröffentlichung hervorgeht, will sich Franziskus von dem von ihm ernannten Beratergremium für eine Kurienreform helfen lassen. Denn er sei dazu zu unorganisiert, soll er gesagt und sich auch direkt zu dem einzigen Deutschen in dem Gremium, den Münchner Kardinal Reinhard Marx, geäußert haben: „Der aus München ist auch sehr strukturiert. Die werden es machen.“ So heißt es zumindest.

Franziskus werde auch das Problem Vatikanbank (IOR) angehen, will der Corriere della sera erfahren haben. So wolle er eine Sonderkommission ernennen und das skandalträchtige Institut vielleicht sogar unter Zwangsverwaltung stellen. Der noch von Benedikt nach seiner Rücktrittsankündigung ernannte deutsche IOR-Präsident Ernst von Freyberg werde wohl abgesetzt.

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