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Ostsee
22.06.2016

Das Problem mit den Geisternetzen in der Ostsee

Weil immer öfter Fischernetze in der Ostsee verloren gehen, sollen testweise Egge eingesetzt werden, die die Geisternetze vom Meeresboden holen. (Symbolbild)
Foto: Wolf Wichmann/archaeomare/dpa

Weil immer öfter Fischernetze in der Ostsee verloren gehen, wird nun ein Projekt von mehreren Ländern gestartet. Was es damit auf sich hat und wie damit der Umwelt geholfen wird.

Geisternetze sollen effektiver und in internationaler Zusammenarbeit aus der Ostsee geborgen werden. Umweltverbände aus Deutschland, Schweden, Estland, Finnland und Polen haben zusammen mit Fischern ein Projekt zur Beseitigung der verloren gegangenen Netze gestartet. Es sieht vor, eine neue Bergungsmethode zu testen und eine Hotspot-Karte mit Feldern der Netze zu erarbeiten, wie Projektleiterin Gabriele Dederer von der Umweltorganisation WWF sagte. Schätzungen zufolge gehen in der Ostsee jährlich bis zu 10 000 Kunststoffnetze oder Teile davon verloren. Sie treiben als Plastikmüll umher, landen auf dem Meeresboden und können zur tödlichen Falle für Meeresbewohner werden.

Bislang hatten Taucher vor der deutschen Ostseeküste die nicht verrottbaren Kunststoffnetze von alten Wracks gelöst - insgesamt zwei Tonnen. In diesem Jahr soll nun testweise eine 200 Kilogramm schwere Egge eingesetzt werden, die über den Meeresboden gezogen wird. Das Nachbarland Polen habe mit dem Einsatz dieses einen Meter breiten Gerätes gute Erfahrungen gemacht, sagte Dederer. So seien dort im Jahr 2015 rund 270 Tonnen Netze geborgen worden.

Der Einsatz von Tauchern sei zwar sehr gezielt, aber auch kosten- und zeitintensiv. Mit der Egge könnten größere Areale abgesucht werden, sagte Dederer zum testweisen Einsatz vor Rügen und Usedom. Dort wird ab Juli ein Fischer auf Suche nach den Geisternetzen gehen.

Ostsee: Geisternetze der Fischer als Gefahr für die Umwelt

Das Projekt namens "MareLitt Baltic" wird auch untersuchen, wie umweltverträglich der Einsatz der Egge ist und ob Habitate geschädigt werden. Ergebnisse sollen im Frühjahr 2017 vorliegen. Die schwedischen Projektpartner untersuchen laut Dederer, wie Netze möglicherweise durch Signalgeber markiert werden können, um sie bei Verlust schneller zu finden. Zudem soll an Materialien geforscht werden, die sich früher als das bislang bei Netzen genutzte Nylon oder PET im Wasser abbauen und die Umwelt nicht so belasten. Polen arbeitet zudem an der Erstellung einer Karte mit Hotspots, in denen sich besonders viele Geisternetze befinden.

Plastik zersetzt sich sehr langsam über Hunderte von Jahren. Zudem belasteten winzige Stücke weiter das Meer als Mikroplastik, sagte Dederer. Die Teile gelangten über Tiere in die Nahrungskette.

Nach Angaben von Greenpeace landen in den europäischen Meeren bis zu 25 000 Fischernetze jährlich. Die Umweltorganisation hatte im Frühjahr rund eine Tonne Netze in der Nordsee bei Sylt geborgen. Deutschland ignoriere die EU-Fischereikontrollverordnung, die die Bergung und Entsorgung verloren gegangener Netze regele, kritisierte Greenpeace. dpa

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