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Brenner-Route in Österreich

22.06.2019

Polizei setzt Fahrverbote in Tirol durch

Österreichische Polizisten kontrollieren Fahrzeuge am Brennerpass. Foto: Angelika Warmuth
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Österreichische Polizisten kontrollieren Fahrzeuge am Brennerpass.
Bild: Angelika Warmuth (dpa)

Die neuen Tiroler Fahrverbote sind zwischen Bayern und Österreich politisch umstritten. Doch Einheimische freuen und Urlauber beugen sich.

Stopp and Go rollte der Verkehr mitten durch den Ort - stundenlang. So war es an Himmelfahrt und auch am Pfingstwochenende. Jetzt können die Einheimischen wieder durchatmen: Am Samstag rollte weniger Verkehr durch die Dörfer.

Die regionalen Fahrverbote des Landes Tirol zeigen Wirkung. "Heute ist es extrem ruhig. Fast schon zu ruhig", sagt Eva-Maria Wenter, Mitarbeiterin in einer Tankstelle an der Autobahnausfahrt Zirl-Ost bei Innsbruck, wo sonst der Ausweichverkehr Richtung Natters fährt. "Für unser Geschäft ist es eher weniger gut. Aber für unsere Ortschaften ist es besser."

Von Samstagmorgen an kontrollierten 40 Beamte an zehn Kontrollstellen rund um Innsbruck Autofahrer, die von der Autobahn abfahren wollten und ließen nur Anwohner oder Touristen mit einem Ziel in der Umgebung durch. Damit will das Land Tirol verhindern, dass Autofahrer bei Stau oder um die Maut zu sparen auf Nebenstrecken durch die immer stärker belasteten Dörfer ausweichen. Bis zum Ende der Urlaubszeit Mitte September soll das nun an jedem Wochenende gelten.

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Die meisten Urlauber reagierten einsichtig, hieß es bei der Landesverkehrsabteilung Tirol. "Es läuft alles gut. Nur der eine oder andere braucht ein Gespräch", sagte ein Sprecher. Dem Vernehmen nach gab es etwa Debatten mit Motorradfahrern, die sich um beliebte Kurvenstrecken gebracht fühlten. Viele Reisende blieben aber gelassen. "Wir fahren in den Urlaub", sagte eine Touristin auf dem Weg nach Italien, als die Beamten sie und ihren Begleiter auf die Autobahn zurückschickten. "Wir haben keinen Stress."

Immer öfter nutzten Urlauber seit einigen Jahren bei Stau auf der Autobahn die Landstraße. Navis leiten über Schleichwege, die früher nur die Einheimischen kannten. In diesem Frühjahr sei es besonders schlimm gewesen, berichten Einheimische. Als Grund vermuten sie Autobahnbaustellen bei Innsbruck.

"Es war tagelang nicht möglich, mit einem Kind die Straße zu überqueren", sagt Alexandra Virabisi, die an der Dorfstraße in dem Ort Kematen wohnt, über die Lage an Himmelfahrt und Pfingsten. Sie sei froh, dass der Verkehr nun nicht mehr am Autobahnstau vorbei durchs Dorf rolle. "Als Mutter von einem Sieben- und einem Vierjährigen finde ich schon, dass jeder, der von Norden nach Süden will, auch in Kauf nehmen muss, im Stau zu stehen - und dass die Anwohner sagen: Jetzt ist die Belastungsgrenze erreicht." Wer staufrei in den Urlaub wolle, könne ja Bahn oder Flugzeug nutzen.

"Alles ruhig, freie Fahrt", heißt auch in der Bio-Gärtnerei Blumenpark Seidemann bei Kematen. Die Wagen hätten oft stundenlang die Straße vor der Gärtnerei blockiert. "Wir sind als Mitarbeiter kaum rausgekommen aus dem Parkplatz", sagt Sandra Stieler. Für den Heimweg habe mancher dreimal so lang gebraucht wie ohne Stau.

Politisch sind Tirols Maßnahmen umstritten. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) fordert sogar eine Klage gegen das Nachbarland. "Das Verhalten von Tirol ist diskriminierend und europarechtswidrig", sagte Söder dem "Münchner Merkur". "Damit wird die Reisefreiheit in der EU massiv erschwert."

Tirols Landeshauptmann Günther Platter blieb ungerührt - und kündigte Einschränkungen des Transitverkehrs auch in den Bezirken Kufstein und Reutte an. "Es ist eine Notmaßnahme, die wir ergreifen müssen, um zu verhindern, dass durch Ausweichverkehr die Verkehrs- und Versorgungssicherheit in den Tiroler Gemeinden rund um die Autobahn zusammenbricht", sagte er der Nachrichtenagentur APA. "Es fällt mir auf, dass die Tiroler Maßnahmen in Bayern immer wieder als Majestätsbeleidigung aufgefasst werden."

Verkehrspolitisch sind Deutschland und Österreich in vielen Fragen überkreuz: Der Maut-Streit, den Österreich nun für sich entschieden hat, die Debatte um den Bau einer neuen Bahntrasse im bayerischen Inntal als Zulauf zum Brenner Basistunnel, an dem Österreich und Italien derzeit bauen, und die Frage, wie der Lastwagenverkehr über den Brenner eingedämmt werden könnte, sind Konfliktthemen.

Auch Stau bleibt Dauerthema zwischen den Nachbarn: Die deutschen Grenzkontrollen bei Kiefersfelden schaffen an verkehrsreichen Tagen kilometerlange Autoschlangen auf österreichischer Seite. Die Tiroler Blockabfertigung von Lastwagen wiederum belastet den Verkehr auf bayerischer Seite. Keine Seite will derzeit die jeweilige Maßnahme beenden, wenngleich aus völlig unterschiedlichen Gründen. (dpa)

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