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19.06.2009

Popkomm-Absage als Protest gegen Internetpiraterie

Popkomm-Absage als Protest gegen Internetpiraterie
Bild: DPA

Berlin (dpa) - Die Musikbranche hat eine ihrer wichtigsten Messen abgesagt: Die für September geplante Popkomm in Berlin fällt wegen zu geringer Anmeldezahlen aus.

Der Messegründer und Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Musikindustrie, Dieter Gorny, macht den Diebstahl geistigen Eigentums im Internet dafür verantwortlich. Dadurch könnten sich immer weniger Firmen die Teilnahme leisten, sagte er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Berlin. Die Absage soll auch eine Aufforderung an die Politik sein, mehr gegen Internetpiraterie zu tun.

Warum hat die Musikbranche die Popkomm abgesagt?

Gorny: "Wir hätten aufgrund der Anmeldezahlen keine gute Popkomm hinbekommen. Die digitale Krise schlägt voll auf die Musikwirtschaft durch. Viele Unternehmen können es sich wegen des Diebstahls im Internet nicht mehr leisten, an der Popkomm teilzunehmen. Die Großen können das noch wegstecken, die Kleinen aber nicht - und die sind mit 95 Prozent auf der Popkomm in der Mehrzahl."

Popkomm-Absage als Protest gegen Internetpiraterie

Ist denn nicht die Wirtschaftskrise dafür verantwortlich?

Gorny: "Das wäre zu kurz gegriffen. Wir wollen ein Zeichen setzen, dass die Politik nun endlich handeln muss, um den Diebstahl geistigen Eigentums im Netz zu stoppen. Die Absage ist auch als Protest zu sehen."

Gerade haben sich der Bundespräsident und der Kulturstaatsminister deutlich für einen besseren Schutz gegen Internetpiraterie ausgesprochen. Wäre dann nicht gerade im Herbst vor den Bundestagswahlen der beste Zeitpunkt für eine solche Messe?

Gorny: "Wir müssen Tempo machen. Unsere Entscheidung wird noch einmal die Diskussion ankurbeln. Wir brauchen jetzt eine klare Regelung gegen den Daten- und Musikklau im Netz. Wenn wir noch länger warten, stehen Arbeitsplätze auf dem Spiel und die kulturelle Vielfalt geht verloren."

Man sagt ja, dass Messen die wirtschaftliche Lage widerspiegeln. Liegt die Branche in Deutschland am Boden?

Gorny: "Nein, die Lage hat sich relativ stabilisiert..."

...Warum dann die Absage? Hätte es nicht andere Möglichkeiten gegeben, ein Zeichen zu setzen...?

Gorny: "...Die Lage stabilisiert sich in Deutschland, weil wir stark auf die CD setzen. Es gibt aber eine weltweite Musikkrise wegen der ungeklärten Situation im Internet. Da der Anteil internationaler Firmen an der Popkomm bei rund 65 Prozent liegt, schlägt das voll auf die Popkomm durch."

Wie geht es weiter? Steht der Standort Berlin zur Disposition?

Gorny: "Es hat gar nichts mit Berlin zu tun, und auch nicht mit der Messe selbst. Wir wollen 2010 mit einer neuen und guten Popkomm in Berlin auftauchen."

Gespräch: Rolf Westermann, dpa

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