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Porträt
09.10.2018

Wie sich Jan Ullrich zurück ins Leben kämpfen will

Jan Ullrich hat einen harten Weg vor sich.
Foto: Guido Kirchner, dpa

Jan Ullrich war ein deutsches Idol. Dann stürzte er tiefer und tiefer. Nach zwei Festnahmen und einer Therapie gelobt „Ulle“ nun Besserung.

Ein Nicken – und der Weg war frei: Bjarne Riis, 1996 noch Sieger der Tour de France, ließ seinen Teamkollegen Jan Ullrich, der eigentlich als Wasserträger gestartet war, an jenem 15. Juli 1997 von der Leine. Mehrmals hatte sich Ullrich auf der zehnten Etappe hinauf nach Andorra-Arcalis umgeblickt in der Hoffnung, dass sein Kapitän Riis ihm die Erlaubnis zum Gipfelsturm erteile. Sie erfolgte durch ein erschöpftes Nicken – und Jan Ullrich, der Rostocker Rotschopf, machte sich auf, Etappe, Tour und nicht zuletzt viele Deutsche für den Radsport zu gewinnen.

Alkohol, Drogen, Doping: Jan Ullrich und die Sucht

Zwar gelang ihm trotz fortwährend hoher Erwartungen kein weiterer Toursieg, doch die deutsche Öffentlichkeit, die Juli für Juli gebannt ins Nachbarland blickte, hatte in Ullrich einen Sympathieträger gefunden. Einen, der gerne Torte aß, Rotwein trank und immer wieder mal ein paar Kilo zu viel auf den Rippen hatte. Dies galt umso mehr, als auch Kollegen von Ullrich schwärmten. Bodenständig, freundlich und korrekt sei er, der „Ulle“.

Der steht aber auch früh schon im Ruf, ein Lebemann zu sein, der lieber genießt als sich im Training zu quälen. Es kommt zu ersten kleineren Alkoholdelikten. Das größte Verbrechen aber begeht Ullrich während seiner aktiven Karriere am Radsport selbst. Es besteht darin, einem kranken System entsprochen zu haben, in dem Doping kein Wettbewerbsvorteil, sondern eine Grundvoraussetzung für Leistungssport auf höchstem Niveau ist. Wenn alle dopen, warum dann nicht auch er?

Nach neuen Skandalen begibt sich Jan Ullrich in Therapie

Jahrelang weist Jan Ullrich den Betrugsvorwurf zurück, 2013 formuliert er sein Geständnis dann so: „Betrug fängt für mich dann an, wenn ich mir einen Vorteil verschaffe. Dem war nicht so. Ich wollte für Chancengleichheit sorgen.“ Ullrich fühlt sich unschuldig, missverstanden. Bis heute ist unklar, ob er auch seinen spektakulären Toursieg 1997 illegalen Substanzen verdankt.

Nach dem Rücktritt im Jahr 2007 zieht sich der Vater von drei Söhnen und einer Tochter zunächst in sein Schweizer Domizil zurück, 2016 lässt er sich in Mallorca nieder. Dort vollzieht sich, von den Boulevard-Medien penibel verfolgt und ausgeleuchtet, der endgültige Fall des einstigen Nationalhelden, als er im Garten von Til Schweiger unter Drogeneinfluss randaliert und festgenommen wird. Der 44-Jährige kehrt nach Deutschland zurück und wird knapp eine Woche später erneut festgenommen, nachdem er eine Escort-Dame gewürgt haben soll. Der Aufschrei ist groß, die öffentliche Selbst-Destruktion des einstigen Idols wird mit ungläubigem Bedauern verfolgt.

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Doch Ullrich reagiert und begibt sich endlich in Behandlung, die er jetzt nach seiner Rückkehr aus den USA in Deutschland fortsetzen wird. In einem Statement erklärt der Ausreißer: „Ich werde der alte, neue Jan. Mein Ziel ist es, ins Leben zurückzufinden.“

Bilder aus besseren Zeiten: Der Radsportler Jan Ullrich (Mitte) mit seinen Kollegen aus dem Team Telekom auf der zehnten Etappe der 88. Tour de France im Jahr 1996. Ein Jahr später holt sich Ullrich den ganz großen Sieg.
12 Bilder
Aufstieg und Fall der Radsport-Legende Jan Ullrich
Foto: Gero Breloer, dpa
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