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TV-Kritik zu "Hardcore"

10.10.2017

Pressestimmen zum München-Tatort: "tritt nie in die Ironiefalle"

Kommissar Franz Leitmayr im Gespräch mit zwei Pornodarstellern.
Bild: Hagen Keller/BR/Bildarchiv/dpa

Batic und Leitmayr ermitteln im "Tatort" aus München in "Hardcore" im Pornogewerbe. Kritiker finden das Ergebnis größtenteils gut. Die Pressestimmen.

Pressestimmen zum "Porno-Tatort" aus München: Der "Tatort" blickt am Sonntag in die Welt der Sex-Darsteller. Und das zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr. Gelungen? Oder über die Grenze? Das sagen die Kritiker.

TV-Kritik zu "Hardcore": Pressestimmen zum Münchener Porno-Tatort

Unterm Strich ist "Hardcore" nicht mehr, aber auch nicht weniger, als ein netter, halbspannender Whodunit, in dem die Buddy-Kommissare auf eine für sie typisch humoristische Weise Bekanntschaft mit der Erotikwelt schließen und Assi Kalli seine erste Festnahme feiern darf.  Nordbayern.de

Für einen "Tatort" bietet "Hardcore" tatsächlich sehr viel Sex und derbe Dialoge - wem das am Sonntagabend zu viel ist, der sollte ausschalten. Alle anderen können sich auf einen kurzweiligen und humorvollen Krimi freuen. Stern.de

Im neuen Münchner "Tatort" rückt das eigentliche Verbrechen eher in den Hintergrund. Das unbequeme Thema Porno ist der alles bestimmende Grundtenor. Wer interessante und direkte Geschichten mag und den Blick in den Spiegel nicht scheut, sollte am Sonntagabend einschalten. T-Online

Dieser "Tatort" hat über Strecken einen angenehm leichten, gelegentlich sogar amüsierten Tonfall. Er tritt aber nie in die Ironiefalle. Pornografie ist kein Witz, sie ist allgegenwärtig und hat möglicherweise mehr Einfluss auf Teile der Bevölkerung als Streamingdienste und das öffentlich-rechtliches Fernsehen zusammen. Spiegel Online

Regisseur und Drehbuchautor Philip Koch hat nicht nur einen Film über eine schmutzige Branche, schmierige Typen und sonderbare Frauen gedreht. Er entwickelt auch ein Sittengemälde, das von doppelter Moral, kaputten Familien und gescheiterten Existenzen handelt. Und er offenbart einen schrägen Humor, der sich auf wundersame Weise mit dem leisen Entsetzen des Betrachters verwebt. Schon speziell. Neue Osnabrücker Zeitung

Deutschland ist (...) Weltmeister im Porno-Produzieren. Gut 50.000 Menschen drehen als Amateure hierzulande mehr oder weniger regelmäßig Pornos und stellen sie ins Netz - wohlgemerkt meist kleine Clips, das sind keine Spielfilme mehr wie früher. faz.net

Der Tatort lockt Sonntag für Sonntag Millionen vor den Fernseher. Aber wer ermittelt eigentlich wo? Diese  Kommissare bzw. Teams sind derzeit im TV-Einsatz.
22 Bilder
Tatort-Kommissare: Wer ermittelt wo?
Bild: Bettina Müller, HR

Macht aber fast nix, denn Batic und Leitmayr bewegen sich ausgesprochen würdevoll zwischen all den entblößten primären Geschlechtsmerkmalen hindurch. München von seiner nackten Seite. Süddeutsche Zeitung

Aus diesem "Tatort" kann man echt was lernen: dass man auch im Pornomilieu zur Pause gern belegte Brötchen isst. Und dass Socken beim Sex nun wirklich niemanden kleiden! Zeit Online

Oh Gott, die drehen ja Pornos! Zwei weißhaarige Münchner Kommissare ermitteln in der Pornobranche. Da ist unfreiwillige Komik progammiert. Zur Sache geht es in diesem Tatort natürlich auch – vor allem verbal. Welt.de

Auch wenn die schlimmsten Zoten ausbleiben, wirken die Porno-Pointen an manchen Stellen schon sehr gewollt. Etwa, wenn Leitmayr im Haus des Pornoproduzenten bei weiblichem Stöhnen trocken feststellt: "Ah, heut ist Arbeitstag" oder Kripo-Mitarbeiter Semmler angesichts eines Verdächtigen anmerkt, ein unterdurchschnittliches Glied treffe ja "auf halb München" zu. Ohne Altherrenhumor geht es in "Hardcore" eben doch nicht. Süddeutsche.de

Mehr zum Münchner "Tatort": Tatort "Hardcore": Das Bayerische Fernsehen und das Pornogeschäft

AZ/goro

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Die Diskussion ist geschlossen.

13.10.2017
Bitte endlich mal was neues. SPON kommentiert schon jeden Tatort und hier das gleiche. Sind wir deutsche so simple und berechenbar ? Können wir eigentlich nur immer zu Millionen in eine Richtung laufen? Ich sag nur Dschungelcamp 2006 (53% Einschaltquote), Stefan Raab, Lindenstraße und „die Höhle der Löwen“... Armes einfaches Deutschland... Aber v.a. In Bayern spiegelt sich das wenigstens schön Transporten am CSU-Wahlergebnis wieder.
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09.10.2017

Wir sollten nur aufpassen, dass Männern im Zuge der Debatte nicht endgültig der Stempel des gesellschaftlichen Problembären aufgedrückt wird. Lange Zeit über galt es als Aufgabe der Mädchen und Frauen, die Emotionen und Bedürfnisse der Jungen und Männer zu regulieren und zu befriedigen. Auch in sexueller Hinsicht.

Heute sind weibliche Personen viel eigenständiger als früher. Ökonomisch, sozial und auch, was den Umgang mit ihrer Sexualität angeht. Männer halten in ihrem (Sexual-)Rollenverständnis da nicht Schritt. Es ist erschreckend, wie wenig Jungen und Männer über Sex wissen und wie irritierbar sie in diesem Bereich sind. Bleibt ihnen nur das Internet und damit "Porno" als Informationsquelle und sind sie gleichzeitig nicht in der Lage, zu verstehen, dass auch im scheinbar privaten Bereich das gedreht wird, wofür es je nach Klicks Provisionen von Werbeanbietern gibt, nämlich Phantasmen, dann könnte das dazu beitragen, dass diese jungen Männer im realen Leben von den jungen Frauen abgelehnt werden.

Wer als Mann dann seine mangelhafte Kompetenz und Attraktivität im sexuellen Bereich nicht durch Anderes wett machen kann, wird keine feste Partnerin finden. Früher hatten die Frauen oft keine Wahl. Einmal verheiratet, mussten sie den Ehemann auch in sexueller Hinsicht ertragen und befriedigen. Geheiratet wurde meist in sehr jungen Jahren. Heute sind Mädchen und Frauen unabhängiger und souveräner. Manche lassen sich vom romantischen Beziehungshype ggf. noch irritieren. Viele konzentrieren sich lieber auf ihr persönliches Fortkommen und die wirklich wichtigen Dinge im Leben.

Für einen jungen heterosexuellen Mann ist es dagegen viel zentraler, von Frauen auch als Sexualpartner akzeptiert zu werden. Später, wenn er älter wird, mag ihm Pornogucken und ab und an mal Realsex reichen.

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09.10.2017

Die Renner auf den X-Pseudoprivatpornoseiten: Gewalt, Demütigung, Sex mit Tieren, Inzest unter Erwachsenen, (nachgestellter) oder realer Kindesmissbrauch. Alles, was in unserer Sexualkultur seit Urzeiten genauso präsent ist, wie es tabuisiert wird, das wahrzunehmen oder darüber zu sprechen. Den Menschen des Mittelalters war die Ambivalenz des Sexuellen, das Gleichzeitige von Schönem und grausamer Widerwärtigkeit höchst bewusst. Sie ordneten den Bereich der Sexualität deshalb dem Teufel zu. Wir Modernen dagegen neigen dazu, Sexualität im öffentlichen Leben zu romantisieren. Bezeichnen sie als "schönste Nebensache der Welt", gar als "körperliche Liebe". Und blenden das Böse, Aggressive, Hasserfüllte, was Sex mindestens genauso kennzeichnet wie das Gute und Positive dabei aus. Dies ist meiner Ansicht nach eines der größten Hindernisse auf dem Weg zum Schutz von Kindern, Frauen und Männern vor sexueller Gewalt, Missbrauch, Ausbeutung und Erkrankungen, die sich aus einer destruktiven Sexualkultur ergeben.

Die Heranwachsenden werden mit zwei vollkommen konträren Botschaften überfordert: einmal das Versprechen lustvoll-angenehmer Einvernehmlichkeit, in der Pornowelt der Foren und Apps die grotesken Überzeichnungen tradierter Geschlechterrollenklischees.

Dr. Ruth äußerte deshalb aus gutem Grund vor Kurzem gegenüber den Medien Besorgnis http://www.deutschlandfunkkultur.de/sex-therapeutin-ruth-westheimer-es-gibt-grenzen-fuer-die.970.de.html?dram:article_id=397451

Ich hoffe, dieser Tatort trägt dazu bei, dass sachlicher, offener, pragmatischer und menschenfreundlicher über die Realitäten des Sexuellen gesprochen wird. Und wir uns als Gesellschaft überlegen, wie wir uns gegenüber diesem sehr intimen Bereich, der in unserem Alltag so viel negatives Potential entfaltet verhalten wollen.

Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, eine von 9 Millionen erwachsenen Menschen in Deutschland, die in ihrer Kindheit und/oder Jugend Opfer schweren sexuellen Missbrauchs wurden

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