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Germanwings-Absturz

01.04.2015

Rätsel um angebliches Handy-Video zum Absturz von Flug U49525

Lufthansa-Chef Carsten Spohr (links) und Germanwings-Geschäftsführer Thomas Winkelmann legten in den französischen Alpen am Gedenkstein einen Kranz für die Absturzopfer nieder.
Bild: Jean-Pierre Clatot, afp

Verschiedene Medien berichten über ein Handy-Video, das die letzten Minuten an Bord des Germanwings-Fluges zeigen soll. Die Ermittler verneinen, die Fluggesellschaft schweigt.

Bei den Ermittlungen zum Germanwings-Absturz sorgt ein angebliches Handy-Video mit den letzten Augenblicken an Bord für Ärger: Die Staatsanwaltschaft in Marseille forderte am Mittwoch die sofortige Herausgabe des Videos, das auf einem Speicherchip am Absturzort gefunden worden sein soll.

Angebliches Augenzeugen-Video sorgt für Ärger

Die Bild-Zeitung und das französische Magazin Paris Match berichteten über das Video, das im hinteren Teil des Airbus A320 kurz vor dem Unglück aufgenommen worden sein soll. Einzelne Menschen seien nicht zu erkennen, es seien aber „Oh, mein Gott“-Rufe in mehreren Sprachen zu hören, berichtete Paris Match. Die Aufnahmen seien stark verwackelt. Gefunden wurde das Speichermedium laut Bild von jemandem aus dem „Kreis der Ermittler“.

Der Sprecher der Gendarmerie, Jean-Marc Méninchini, nannte die Berichte gegenüber dem US-Nachrichtensender CNN „vollkommen falsch“. Die Ermittler hätten die am Absturzort gefundenen Handys noch nicht ausgewertet. Der Staatsanwalt von Marseille, Brice Robin, erklärte seinerseits: „Wenn eine Person ein solches Video besitzen sollte, muss sie es umgehend den Ermittlern übergeben.“ Derzeit liege den Ermittlern kein Video vor, das den Absturz zeige. Ein Journalist von Paris Match erklärte, das Video nicht zu besitzen, es aber gesehen zu haben.

Lufthansa und Germanwings sichern langfristige Unterstützung zu

Unterdessen besuchten Lufthansa-Chef Carsten Spohr und Germanwings-Geschäftsführer Thomas Winkelmann die Unglücksstelle, wo vor gut einer Woche eine Maschine der Lufthansa-Tochter Germanwings auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf mit 150 Menschen an Bord abgestürzt ist. Sie könnten nur noch Schadensbegrenzung leisten und versuchen auszudrücken, wie sehr auch sie und ihre Unternehmen getroffen sind. Sie ließen Fragen der Journalisten zu Ermittlungen allerdings unbeantwortet. Der 27-jährige Co-Pilot Andreas Lubitz steht im Verdacht, das Unglück bewusst ausgelöst zu haben.

Nachdem Spohr gemeinsam mit Winkelmann an einer Gedenktafel im Ort Le Vernet einen Kranz für die Opfer niedergelegt hatte, dankte er den Helfern für ihren Einsatz bei den Bergungsarbeiten und die Begleitung der Hinterbliebenen. Diesen versprach der Lufthansa-Chef langfristige Unterstützung: „Wir möchten so lange helfen, wie Hilfe benötigt wird.“

Bislang zahlt der Konzern bis zu 50000 Euro je Opfer als Soforthilfe. Medienberichten zufolge könnten auf die Versicherer Kosten bis zu 300 Millionen Dollar zukommen. Jeden Tag erfahre man mehr über die Ursachen des Unglücks, so Spohr. „Es wird noch lange dauern, um wirklich zu begreifen, wie dies geschehen konnte.“

Aufklärung des Airbus-Absturzes kann noch Monate dauern

Die Fluggesellschaft hat bestätigt, dass Lubitz die Lufthansa-Pilotenschule 2009 über eine abgeklungene schwere depressive Phase informiert hatte, nachdem er seine Ausbildung mehrere Monate lang aussetzen musste. Anschließend wurde seine Flugtauglichkeit ärztlich bestätigt.

Vor Ort sind weiterhin rund 300 Gendarmen, Gerichtsmediziner und Feuerwehrleute vor Ort im Einsatz. Méninchini zufolge werden die Bergungsarbeiten noch Monate dauern. Manche Teile seien mehrere Meter tief vergraben, da der Airbus A320 mit fast 800 Stundenkilometern auf den bröckeligen Boden aufprallte. Die Bergung der Körper gilt allerdings als abgeschlossen. Rund 400 DNA-Proben wurden in ein spezialisiertes Kriminalinstitut bei Paris geschickt. Präsident François Hollande hat versprochen, bis Ende der Woche seien die Toten identifiziert.

Gestern suchten Gebirgsjäger nach deren persönlichen Gegenständen, auch erhofft man sich weitere Erkenntnisse vom Flugdatenschreiber, der noch immer nicht gefunden wurde. Konnte die Absturzstelle im unzugänglichen Berggebiet bislang nur aus der Luft erreicht werden, so gibt es seit Dienstagabend einen Straßenzugang. (mit afp)

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