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Interview

12.03.2021

Ralf Moeller: "Ich habe nie auf die Dinge gewartet"

Schauspieler Ralf Moeller hat während der Corona-Pandemie ein Buch geschrieben.
Foto: Bernd Thissen, dpa

Plus Ralf Moeller ist ein Junge aus Recklinghausen und wurde vom Schwimmmeister zum Star in Hollywood. Was ihn mit Arnold Schwarzenegger und Goetz George verbindet.

Herr Moeller, was passiert eigentlich, wenn man Ihnen die Hand gibt? Zerquetschen Sie die dann?

Ralf Moeller: Nein, das mache ich natürlich nicht. Ich weiß zwar, dass es Männer gibt, die mit einem eisernen Händedruck unter Beweis stellen wollen, dass sie stark sind. Das habe ich aber nie gemacht. Mein Händedruck ist kräftig, er schmerzt aber definitiv nicht.

Ist es richtig, dass Sie mit 17 Jahren für die Polizeischule noch zu schmächtig waren?

Moeller: Das stimmt nicht. Ich war immer gut trainiert als Schwimmer. Bei der Polizei bin ich durchgefallen, weil ich zu viele Pickel hatte, Akne. Da haben sie mir gesagt, warte noch mal ein halbes Jahr und bewirb dich dann noch mal. Da habe ich aber schon eine Lehre als Schwimmmeister in Recklinghausen angefangen.

Recklinghausen: Ralf Moeller trainierte zu den Bee Gees

Ihr Vater soll Ihnen Ihre ersten Hanteln zusammengeschweißt haben. Gab es damals noch keine Fitnessstudios?

Moeller: Mein Vater war Schlosser, und der hat mir tatsächlich die ersten Hanteln gebaut. Und dann habe ich mich zu den Hits der Bee Gees 1978 auf eine Musiktruhe gelegt. Das war meine Bank. Da habe ich dann die Hanteln gestemmt. Auch die Bruce-Lee-Filme haben mich angespornt. Zu dieser Zeit bin ich zudem das erste Mal auf Arnold Schwarzenegger aufmerksam geworden. Man konnte sich das damals gar nicht vorstellen, dass einer solche Muskeln hatte.

Ralf Moeller hat es von Recklinghausen bis nach Hollywood geschafft. Bekannt wurde er unter anderem durch den Film "Gladiator".
Foto: Bernd Thissen, dpa

Haben Sie – abgesehen vom Training – noch andere Dinge gemacht, um sich so einen Körper zu modellieren?

Moeller: Wenn Doping alles wäre, müsste man nicht trainieren. Klar hat man mal das eine oder andere ausprobiert, aber 95 Prozent musst du selbst mitbringen. Darum war ich auch froh, dass ich 1986 in Tokio der erste Mister Universum war, der unter den Voraussetzungen des IOC gewonnen hat.

Was bedeutet das?

Moeller: Das heißt, wir hatten Professor Manfred Donike, den Pionier der Dopinganalytik, an unserer Seite. Denn Bodybuilding wollte olympisch werden, und es musste überprüft werden, ob der Sport sauber ist. Ich meine, die Qualifikation fand damals sogar in Augsburg statt. Da wurden wir getestet, und in Tokio auch. Damit habe ich damals bewiesen, dass ein Körper von 129 Kilo bei 1,96 Meter Größe auch ohne Doping möglich ist. Was heute die Profis so reinhauen, weiß ich allerdings nicht. Weil ich sauber war, habe ich auch viele Werbeverträge bekommen. Es ist gut, dass getestet wird, denn wer länger dopt, riskiert auch seine Gesundheit.

Moeller lebt seit Jahren in den USA und in Deutschland

Warum haben Sie Recklinghausen mit Hollywood getauscht?

Moeller: Nach meinem Sieg in Tokio bin ich ja bei den Bavaria-Studios in München ins Castingstudio und habe gesagt: Wenn ihr mal einen großen Starken braucht, dann wisst ihr Bescheid. Ich habe nie auf die Dinge gewartet, sondern habe sie immer in die Hand genommen. Und ein paar Monate später kam ein Anruf, ob ich nicht zwei, drei Tage Zeit hätte, um in Duisburg zu drehen.

Und schon waren Sie im „Tatort“!

Moeller: Ja, mit Goetz George damals. Da kam dann die kurze, aber inzwischen berühmte Szene, in der ich George hochhebe, ihn auf einen Waggon setze und ihm eine runterhaue. Während ich ihn hochhob, habe ich einen Apfel in den Mund genommen und hinterher habe ich in den Apfel gebissen und bin weitergegangen. Diese Szene wurde immer wieder benutzt, um für den „Tatort“ zu werben.

Schauspieler Ralf Moeller schwört auf vegane Ernährung.
Foto: Julian Stratenschulte, dpa

Bekannt wurden Sie mit „Gladiator“.

Moeller: Nein, das würde ich nicht sagen. Ich hatte ja bereits durchs Bodybuilding Millionen Fans. Das hat mir übrigens auch die Türen in Hollywood geöffnet. Die Produzenten sahen die Bodybuilding-Magazine und dachten sich wohl: Die haben wir schon mal im Kino, wenn wir den einsetzen. Als ich 1999 „Gladiator“ machte, hatte ich schon einige Filme abgedreht. Aber „Gladiator“ war halt der erfolgreichste von allen.

Darf man erfahren, wie viel Gage Sie bekommen haben?

Moeller: Das waren damals 250.000 Dollar. Das klingt nach viel, ist es aber nicht, wenn du Steuern und die Gage des Agenten abziehst. Aber um Geld ging es mir gar nicht, denn es war Wahnsinn, mit all diesen bekannten Leuten zu drehen. An Geld mangelte es mir durch Bodybuilding, Werbung und Seminare nie. Ich war 26, als ich schon einen Porsche gefahren bin.

Arnold Schwarzenegger, sagt man, sei Ihr Mentor gewesen.

Moeller: Arnold war erst einmal für mich immer ein Vorbild. Inzwischen sind wir Freunde. Arnold war immer ein toller Ratgeber. Aber meine Leistung in den Filmen musste ich schon selbst bringen. Arnolds Credo lautet: Bereite dich bestens vor! Aber er hat nie gesagt, dass man den Moeller in der einen oder anderen Rolle besetzen muss.

Moeller will mit seinem neuen Buch nicht prahlen

Sie trainieren mit Arnie und frühstücken dann gemeinsam, heißt es?

Moeller: Wir haben auch bald wieder einen gemeinsamen Film, „Kung Fury 2“. Die Dreharbeiten werden demnächst in den Bavaria-Studios in München abgeschlossen. Er spielt den US-Präsidenten, ich den Gott Thor. Das wird ein großer Kinofilm. Ab und zu fahren wir aber auch gemeinsam Harley. Und wir trainieren tatsächlich zusammen. Da schwingen wir uns in L.A. aufs Fahrrad und dann geht es 15 bis 20 Kilometer ins Gym. Anschließend, wenn wir nach eineinhalb Stunden durch sind, essen wir zusammen Porridge.

Ihr neues Buch trägt den Titel „Erstma’ machen!“ Es ist Ihr Lebensmotto. Wie stolz sind Sie auf Ihre Karriere?

Moeller: Mein letztes Buch erschien vor 33 Jahren, da ging es um Trainingsübungen. Wenn die Leute mir sagten, ich solle mal wieder ein Buch machen, sagte ich immer: Das braucht es nicht, die Übungen haben sich nicht verändert. Bis dann irgendwann mein Berater gesagt hat: Du hast so viele gute Geschichten. Schreib die doch mal auf. Dann kam Corona und das bot sich an. Mir geht es eben nicht, darum zu zeigen, was ich für ein toller Hecht bin.

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