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Razzien
13.09.2016

Drei festgenommene Syrer stehen in Bezug zu Pariser IS-Attentätern

Beamte der Eliteeinheit GSG 9 der Bundespolizei. Spezialkräfte haben drei Flüchtlingsunterkünfte in Schleswig-Holstein und Niedersachsen wegen Terrorverdachts durchsucht.
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Beamte der Eliteeinheit GSG 9 der Bundespolizei. Spezialkräfte haben drei Flüchtlingsunterkünfte in Schleswig-Holstein und Niedersachsen wegen Terrorverdachts durchsucht.
Foto: Boris Roessler/Archiv (dpa)

Bei Anti-Terror-Razzien heute in Norddeutschland wurden drei Syrer festgenommen. Sie sollen im Auftrag des IS in die BRD gekommen sein und einen Bezug zu den Pariser Attentaten haben.

Die drei wegen Terrorverdachts festgenommenen Syrer hatten nach bisherigen Ermittlungen einen Bezug zu den Attentaten in Paris im November 2015. Das sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Dienstag in Berlin. Es spreche alles dafür, dass dieselbe Schlepperorganisation, die bei den Attentätern von Paris aktiv gewesen sei, auch diese drei Festgenommenen nach Deutschland gebracht habe. Auch spreche alles dafür, dass die Reisedokumente aus der gleichen Werkstatt in der entsprechenden Region stammten. 

Nach den Worten de Maizières könnte es sich um eine "Schläferzelle" handeln. Die Ermittlungen dauerten über Monate an. Dabei seien die Männer in einem großem Umfang persönlich observiert worden. Zu keinem Zeitpunkt sei von diesen drei Personen eine Gefahr ausgegangen, betonte der Bundesinnenminister weiter. "Es musste nur der richtige Zeitpunkt ermittelt werden, damit auch ein Haftbefehl trägt."

Am 13. November 2015 hatten Extremisten mit Verbindungen zur Terrormiliz Islamischer Staat in Paris die Konzerthalle "Bataclan" und andere Ziele in der französischen Hauptstadt angegriffen. 130 Menschen starben damals.

Die Bundesanwaltschaft wirft den in Schleswig-Holstein und Niedersachsen festgenommenen Männern im Alter zwischen 17 und 26 Jahren vor, im Auftrag der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) nach Deutschland gekommen zu sein, "um entweder einen bereits erhaltenen Auftrag auszuführen oder sich für weitere Instruktionen bereitzuhalten".

Der Bundesanwaltschaft zufolge wurden fünf Objekte in Schleswig-Holstein und eines in Niedersachsen durchsucht. Wie die "Welt" (Online) berichtete, handelt es sich neben Wohnungen um drei Flüchtlingsheime. Demnach schlugen Beamte von BKA und GSG9 im Morgengrauen zu. Sie beschlagnahmten Handys, Datenträger und Dokumente. Mehr als 200 Kräfte von Bundeskriminalamt (BKA), Bundespolizei und den Landespolizeien waren im Einsatz.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wurden die Verdächtigen in Ahrensburg und Großhansdorf östlich von Hamburg sowie in Reinfeld nahe Lübeck festgenommen, wo sie in kommunalen Flüchtlingsunterkünften lebten. Die Bundesanwaltschaft äußerte sich zu den Orten zunächst nicht.

Drei Terrorverdächtige reisten Mitte November nach Deutschland ein

Der 17-Jährige soll sich vor einem Jahr im syrischen al-Rakka dem IS angeschlossen haben und dort im Umgang mit Waffen und Sprengstoff ausgebildet worden sein. Mit den beiden anderen Beschuldigten reiste er mit falschen Pässen über die Türkei und Griechenland Mitte November 2015 nach Deutschland ein. Die Männer wurden den Angaben zufolge vom IS mit "höheren vierstelligen Bargeldbeträgen in amerikanischer Währung" sowie Mobiltelefonen mit vorinstalliertem Kommunikationsprogramm ausgerüstet.

Die drei Syrer sollten noch am Dienstag und Mittwochfrüh dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden, der über den Vollzug der Untersuchungshaft entscheidet. Der Vorwurf lautet: Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung.

Einen ähnlichen Fall hatte es vor wenigen Monaten gegeben. Anfang Juni hatte die Bundesanwaltschaft mehrere Syrer festnehmen lassen, die im Auftrag der IS-Führungsebene einen Anschlag auf die Düsseldorfer Altstadt geplant haben sollen.

Wie die "Welt" berichtete, ermittelte das BKA bereits seit mehreren Monaten gegen die drei Männer. Ausgangspunkt soll ein Hinweis des Bundesamtes für Verfassungsschutz auf mögliche Dschihadisten gewesen sein. Daraufhin sei beim BKA in Berlin-Treptow eine Ermittlungsgruppe gegründet worden, die wochenlang Telefone abgehört und die Männer observiert habe.

Aktuell liegen dem BKA laut "Welt" mehr als 400 Hinweise auf terrorverdächtige Flüchtlinge vor. Mehrheitlich soll es sich dabei allerdings um Falschbeschuldigungen oder schlichtweg um Verwechslungen handeln. In 60 Fällen sei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. dpa/AZ

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