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Samuel Koch

10.09.2015

Samuel Koch im Interview: Alles kann sich so schnell ändern

Samuel Koch sitzt seit einem Sprung mit Sprungstelzen über ein fahrendes Auto im Rollstuhl. Dennoch hat er seinen Lebensmut nicht verloren.
Bild: Christoph Schmidt, dpa

Samuel Koch wurde durch einen tragischen Unfall vor laufenden Kameras bekannt. Inzwischen arbeitet der 27-Jährige als Schauspieler. Und hat die Liebe seines Lebens gefunden.

Herr Koch, vor fast fünf Jahren hatten Sie einen schweren Unfall – vor laufenden Kameras in der ZDF-Show „Wetten, dass...?“ Seither sind Sie vom Hals abwärts gelähmt. Viele Menschen, die einen ähnlichen Unfall hatten, würden sich eher verkriechen, als sich einer breiten Masse mit diesem Thema zu stellen, wie Sie es tun.

Koch: Ich habe für mich festgestellt, es lohnt sich, seinen Wohlfühlbereich und seine barrierefreien vier Wände zu verlassen! Auch wenn es Überwindung kostet und demütigend sein kann. Ich habe sehr viel Anteilnahme nach meinem Unfall erlebt. Bei meiner Musiklesung „Zwei Leben“ zum Beispiel kann ich etwas zurückgeben.

Sehen Sie sich als „Mutmacher“ für Menschen, die mit Schicksalsschlägen umgehen müssen, oder ist eine solche Interpretation überhöht?

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Koch: Wenn meine Art, wie ich versuche aktiv zu bleiben und das Beste aus allen Situationen zu machen, andere inspiriert, freut mich das. Nach den Veranstaltungen kommen Menschen auf mich zu und bedanken sich unter anderem für den Abend. Allerdings fühle ich mich manchmal mystisch überhöht.

Samuel Koch stört es, auf "Wetten, dass...?"-Unfall angesprochen zu werden

Das Medieninteresse an Ihrer Person war nach dem Unfall riesig. Wie möchten Sie erreichen, nicht lebenslang als „der Typ mit dem ,Wetten, dass...?‘-Unfall“ erkannt zu werden?

Koch: Das stört mich auch – mal mehr, mal weniger. Zunehmend werde ich auf der Straße mit den Worten „Sie sind doch Samuel Koch, der Schauspieler“ angesprochen, was mich freut. Im Gegensatz zu denen, die mich auf meine Wette ansprechen.

Warum genau?

Koch: Das verbinde ich mit meinem Scheitern und mit dem Gedanken, dass ich bekannt bin, weil ich es dort verkackt habe. Aber neulich sprach mich ein Ehepaar an, das mich aus einer ARD-Serie kennt, in der ich auch im Rollstuhl sitze. Und sie waren ganz verdutzt darüber, dass ich wirklich nicht laufen kann. Das hat mich gefreut, so sehr, dass ich mir ihre Worte aufgeschrieben habe. Ich wurde nicht mit dem Unfall und dem Rollstuhl als klares Indiz dafür identifiziert, sondern mit meiner Leistung.

Der Glaube wurde zur lebenserhaltenden Maßnahme

Ihr Glauben spielte schon immer eine wichtige Rolle in Ihrem Leben. Wie hat sich Ihre Beziehung zu Gott in den vergangenen Jahren entwickelt?

Koch: Der Glaube ist für mich nicht nur ein psychologisches Konstrukt, das einem in schwierigen Zeiten hilft, sondern vor allem eine lebenserhaltende Maßnahme geworden.

Sie haben sich kürzlich verlobt. Was entgegnen Sie Kritikern, die die Veröffentlichung Ihres „Antrags-Videos“ als PR-Gag bezeichnen?

Koch: Nichts. Wir würden es schätzen, wenn Privates, wie der Name sagt, privat bleibt.

Live-Auftritte, Schauspielerei, Hochzeit – Ihr Terminkalender scheint voll zu sein. Was wollen Sie in den nächsten Jahren auf alle Fälle noch ausprobieren und erreichen?

Koch: Es gibt noch so viel zu entdecken, aber in langen Zeiträumen plane ich nicht mehr. Alles kann sich so schnell ändern. In der Tat wäre ein langweiliger Tag mal spannend. Das einzig konkrete Vorhaben ist eine gemeinnützige Stiftung, die wir zur Zeit planen.

Samuel Koch verunglückte bei „Wetten, dass...?“, als er mit Sprungstelzen über ein fahrendes Auto sprang. Nach Klinikaufenthalten arbeitete er als Regieassistent und übernahm kleine TV-Rollen. 2014 legte er in Hannover die Schauspielprüfung ab. Der 27-Jährige ist festes Ensemblemitglied am Staatstheater Darmstadt – und seit wenigen Wochen mit der Schauspielerin Sarah Elena Timpe verlobt. Mit dem Sänger Samuel Harfst gestaltet er „Konzertlesungen“. Dabei geht es um seinen Unfall – und sein Leben danach.

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