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Schauspieler: Fritz Karl: Man muss kein Mörder sein, um einen zu spielen

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Fritz Karl: Man muss kein Mörder sein, um einen zu spielen

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    Die Schauspieler Fritz Karl (links) und Matti Schmidt-Schaller in „Nie mehr wie es war”.
    Die Schauspieler Fritz Karl (links) und Matti Schmidt-Schaller in „Nie mehr wie es war”. Foto: Erika Hauri, ZDF

    Herr Karl, in Ihrem neuen Film erfahren Sie durch Zufall, dass Ihr Kind nicht von Ihnen ist. Eine dramatische Nachricht, oder?

    Fritz Karl: Der Thomas, also der betroffene Vater, fühlt sich total hintergangen. Er fällt aus allen Wolken. Dann beginnt er, fast paranoid Ähnlichkeiten zwischen ihm und dem Kind zu suchen, und fragt sich: Wie oft hat mich meine Frau betrogen?

    Man könnte sagen, er dreht durch.

    Karl: Einerseits gibt es Männer, die sagen: Völlig klar, dass der so reagiert, einen Rachefeldzug startet und so unverzeihlich ist. Viele Frauen haben dagegen eher gesagt: Ja, das ist eine Kränkung. Dass einer aber gleich so ausrastet, das ist nicht nachvollziehbar. Das ist übrigens ganz interessant, wenn bei Trennungen Frauen verletzt werden, dann können sie auch ganz rigoros vorgehen. Aber das ist eben auch das Spannende an dem Film.

    Man muss kein Mörder sein, um einen zu spielen

    Wie geht es einem als Schauspieler, der selbst sechsfacher Vater ist, wenn er sich in die Rolle eines solchen Scheinvaters vertiefen muss?

    Karl: Die Figur hat, in der Form, wie sie reagiert, relativ wenig mit mir zu tun. So würde ich nicht reagieren.

    Sicher?

    Karl: Wahrscheinlich wäre ich anfangs verletzt und gekränkt, aber so wie der Thomas die Ehe gegen die Wand fahren lässt – das würde ich nicht tun. Für mich als Schauspieler war es allerdings kein Problem, mich in diese Person zu versetzen. Das gehört schließlich zu meinem Beruf. Man kann einen Mörder spielen, muss aber deswegen noch lange keiner sein.

    Mütter von Kuckuckskindern müssen in Deutschland die Identität des echten Vaters preisgeben. Ist das hilfreich in so einer Situation?

    Karl: Ja, denn ich glaube, dass die meisten Kinder das wissen wollen. Die können sich dann ja entscheiden. Ich glaube aber auch, dass dies für Kinder erst ab einem gewissen Zeitpunkt wichtig ist. Es ganz kleinen Kindern zu sagen, macht wahrscheinlich keinen Sinn. Aber irgendwann taucht dann die Frage auf, wenn es rauskommt.

    In Österreich ist das Unterschieben von Kuckuckskindern sogar strafbar.

    Karl: Schauen’s her, das habe ich gar nicht gewusst.

    Allerdings nur, bis das Kind drei Jahre alt ist. Dann gilt die Tat als verjährt.

    Karl: Das ist interessant. Die österreichische Gesetzgebung geht ja manchmal eigenartige Wege. Dass das Unterschieben eines Kuckuckskindes eine Straftat ist, aber nach drei Jahren verjährt, erscheint mir schon als ein bisserl hanebüchen. Wahrscheinlich hat das damit zu tun, dass es wahrscheinlich irgendeinen vertrottelten Adeligen gab, der irgendwelche Kinder irgendwo angebaut hat und sich danach im wahrsten Sinne des Wortes nach drei Jahren aus der Affäre ziehen wollte. Oder vielleicht sagt man: Wenn man drei Jahre nicht drauf kommt, dann muss man es akzeptieren.

    Spielwut und Abwechslung hält frisch und hungrig

    Seit über 20 Jahren gehören Sie zu den gefragtesten Schauspielern im deutschsprachigen Raum. Was ist Ihr Geheimnis, dass Sie so nachhaltig beschäftigt sind?

    Karl: Erstens habe ich wahnsinnig Spaß an meinem Beruf, eine richtiggehende Spielwut. Und ich habe mich nie in eine Schublade stecken lassen. Ich war nicht nur der Arzt oder der Liebhaber. Ich versuche, mich immer wieder neu zu erfinden und die Figuren neu zu erfinden. Das hält einen frisch und hungrig.

    Woher kommt denn diese Spielwut?

    Karl: Das kann ich so nicht sagen. Aber ich habe sie schon sehr früh gehabt. Das hat mit einem Spieltrieb zu tun, mit Neugierde. Das hat mir der liebe Gott mitgegeben.

    Nach welchen Kriterien unterscheiden Sie bei den Angeboten?

    Karl: Da muss irgendein Aspekt dabei sein, bei dem ich mich neu ausprobieren kann. Wichtig ist auch das Ensemble, der Regisseur. Wenn das alles zusammenpasst, dann mache ich das. Das ist wirklich ein großer Luxus, wenn man sich Sachen aussuchen kann. Und ich bin mir durchaus bewusst, dass das jederzeit auch wieder anders sein kann.

    Wenn ich richtig informiert bin, heißen Sie mit bürgerlichem Namen Karl Friedrich…

    Karl: Nein, da sind Sie falsch informiert. Es gibt zwar einen Schauspielkollegen, der heißt Karl Friedrich und lebt in München. Ich heiße Karl mit Familiennamen. Aber ich weiß, dass diese Information mit dem Künstlernamen kursiert. Nur leider ist sie falsch.

    Aber richtig ist, dass Sie mit Ihrer Familie am Traunsee in Österreich leben?

    Karl: Wir pendeln zwischen Österreich und Deutschland hin und her. Wir führen eigentlich eher ein Nomadenleben.

    Heute hier, morgen da? Ist das nicht anstrengend?

    Karl: Tja, mein Gott. Das muss man mögen. Aber es ist halt ein Teil dieses Berufes. Gerade mit Familie ist es logistisch oft schwierig.

    Warum leben Sie nicht in Wien oder Berlin, näher an der Filmindustrie?

    Karl: Weil es ein eisernes Gesetz ist, dass die Aufträge gerade nicht dort her kommen, wo man wohnt.

    Zur Person: Fritz Karl wurde 1967 geboren. Er spielte in einer Vielzahl von Filmen (unter anderem „Wer früher stirbt ist länger tot”) und erhielt mehrere Auszeichnungen. Der Österreicher ist mit der deutschen Schauspielerin Elena Uhlig verheiratet. Sein neuer Film „Nie mehr wie es war” läuft am Montag, 18. September, um 20.15 Uhr im ZDF.

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