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Interview

30.01.2019

Schauspielerin Gisela Schneeberger mag kein „nettes Muttchen“ sein

Gisela Schneeberger spielt in „Bier Royal“ eine Intrigantin. Sie mag die Rolle. Weil ihr kein Drehbuch böse genug sein kann.
Bild: J. Krause-Burberg, ZDF, dpa

Exklusiv Gisela Schneeberger spielt im Zweiteiler „Bier Royal“ eine Brauerei-Patriarchin. Sie wünscht sich mehr Mut von Regisseuren. Und lacht gerne über sich selbst.

„Bier Royal“ heißt der neue Zweiteiler, in dem Sie eine der Hauptrollen spielen. Das klingt stark nach „Kir Royal“, der Kult-Serie von Helmut Dietl. Ist das bewusst oder zufällig?

Gisela Schneeberger: Ich habe das, als ich das Drehbuch bekommen habe, zunächst gar nicht so empfunden. Erst später haben mich die Kollegen darauf aufmerksam gemacht. Wenn man es dann mal weiß, ist es fast gewagt, so eine Ähnlichkeit herzustellen. Denn an Dietl kann sich ja keiner messen. Da beleidigt man auch niemand anderen. Insofern bin ich mir nicht ganz sicher, ob der Titel so glücklich ist. Aber er ist nun mal da.

Der zweite Teil läuft am Mittwoch im ZDF, Sie spielen die etwas intrigante Stiefmutter.

Schneeberger: Ich finde, das hört sich zu klischeehaft an. Eigentlich ist sie ja die Patriarchin des Brauereiimperiums.

Wie empfanden Sie diese Rolle?

Schneeberger: Ich fand sie durchaus ansprechend. Ich spiele ja gerne Rollen, die nicht so eindimensional sind. Es gibt nichts Öderes, als ein nettes Muttchen zu spielen. Insofern bin ich sehr zufrieden. Wobei: Mir kann kein Drehbuch böse und satirisch genug sein. Ich finde, die Sender könnten sich manchmal mehr trauen.

Der Sohn dieser Brauereidynastie ist so eine Art Grufti, die Stieftochter auch mit vielen Wassern gewaschen. Geht es in diesen Kreisen Münchens wirklich so verrückt zu?

Schneeberger: Ich weiß es nicht, denn ich kenne diese Kreise, ehrlich gesagt, nicht. Manches ist sicherlich Fiktion, aber anderes dürfte auch stimmen. Es gibt doch oft Schlagzeilen von Dynastien, in denen ein Streit ums Erbe auftritt.

Schneeberger: Komödien sind das Schwerste

Haben Sie sich persönlich früher mal gewünscht, in solch einer Geldadelsfamilie zu leben?

Schneeberger: Na vielleicht als Kind, weil man da noch unkritisch war. Heute sicher nicht mehr. Ich habe übrigens mal eine Geschichte darüber gelesen, wie Prinz Charles aufgewachsen ist. Der Kammerdiener hat erzählt, dass Charles als Kind ein Blatt Papier zu Boden gefallen war. Da hat er dem Kammerdiener schriftlich mitgeteilt: Mir ist ein Blatt runtergefallen. Bitte heben Sie es auf!

Echt?

Schneeberger: Ja, wirklich. Ich weiß aber nicht, ob es wirklich stimmt, oder ob sich der Kammerdiener nur wichtig machen wollte. Aber wenn es tatsächlich so gewesen sein sollte, hielte ich das schon für ganz schön dekadent.

Warum sind denn gute Komödien so selten im deutschen Fernsehen?

Schneeberger: Komödien sind nun mal das Schwerste überhaupt. Darum gibt es wohl auch nicht so viele gute. Und wenn es solche Stoffe gibt, wird manchmal zu mutlos damit umgegangen. Ein Beispiel: 2016 habe ich mit Axel Ranisch als Regisseur eine sehr schräge Komödie für die ARD gedreht. Der Film wurde im selben Jahr zu den Hofer Filmtagen eingeladen, das Publikum war begeistert. Wir alle dachten, der Sender ist ganz heiß drauf, den Film entsprechend im Programm zu präsentieren. Nach über zwei Jahren lief er dann tatsächlich, im Urlaubsmonat August, versteckt im Nachtprogramm, an einem Dienstag um 22.45 Uhr. Mein Sohn meinte, das hätte wohl damit zu tun, dass im Film ein Wellensittich in den Staubsauger gerät. Dabei war im Abspann deutlich zu lesen, dass kein Tier zu Schaden kam. Trotzdem: So was macht mich ratlos. Und da wundert man sich, wenn Drehbuchautoren schon die Schere im Kopf haben.

Wovor haben die Autoren denn solche Angst?

Schneeberger: Tja, darüber müsste man tatsächlich mal eine öffentliche Diskussion führen.

Gisela Schneeberger ist zur Selbstironie fähig

Sie haben gesagt: Komisch ist für mich die Differenz zwischen Schein und Sein. Können Sie das kurz erklären?

Schneeberger: Wenn zum Beispiel auf der Automobilmesse sich blutjunge Damen auf den Limousinen rekeln und Herr Zetsche in Jeans und bunten Sneakers dynamisch vor die Presse springt, auf dem Kopf der graue Haarkranz, dann hat das für mich eine gewisse Komik. Weil Sein und Schein da offensichtlich auseinanderklaffen.

Ist das so wie bei Dietl der Kleberfabrikant Haffenloher, der gerne zur Münchner Society gehören würde?

Schneeberger: Ja, genau. Der ist so ein Beispiel. Für den wäre es das größte Glück gewesen, wenn er in der Klatschpresse vorkommt. Dabei ist der Haffenloher ja als Person ein ganz armes Würstel. Ich würde dabei aber gar nicht nur mit dem Finger auf andere Leute zeigen. Das erleben wir dann und wann alle. Manchmal kommt man in solche Situationen. Und dann kann ich auch über mich selbst lachen.

Sind Sie also ein zur Selbstironie fähiger Mensch?

Schneeberger: Ich glaube, ich bin schon zur Selbstironie fähig, manchmal bis zum Masochismus. Aber meist nur in einem geschlossenen Freundeskreis. Wenn ich weiß, die Umgebung ist mir nicht wohl gesonnen, ist es schwieriger. Am häufigsten lache ich über mich selbst, wenn ich alleine bin und mich bei irgendeinem Blödsinn ertappe.

Sind Sie privat eher ein ernster oder eher ein lustiger Typ?

Schneeberger: Ach, ich bin beides. Ich kann schon sehr ernst sein und bin bei ernsten Themen durchaus engagiert, weil ich finde, dass wir heute Vieles zu leicht nehmen.

Was ist für Sie so ein ernstes Thema?

Schneeberger: Unsere Umwelt. Es ist so etwas von existenziell, wie wir unsere Welt kaputtmachen. Das sieht man jetzt im Januar an der Isar. Die hat so wenig Wasser, dass man sie fast trockenen Fußes durchqueren kann. Ich glaube, wir können uns noch gar nicht vorstellen, was passiert, wenn die Sommer künftig alle so sind wie der letzte. Also ich glaube, wir müssen kapieren, dass wir mit der Ausbeutung der Erde aufhören müssen. Was mich erstaunt, ist, dass sich die Jugend, die ja noch viel länger als ich lebt, da nicht mehrheitlich stärker engagiert. In den 80er Jahren gab es ja schon mal ein viel stärkeres Umweltbewusstsein. Da benutzten wir schon Recyclingpapier. Heute schreibt nur mehr das Finanzamt darauf.

Wieder mal mit Gerhard Polt drehen, wäre das ein Wunsch von Ihnen?

Schneeberger: Na, wir haben ja erst vor einigen Jahren einen gemeinsamen Film gedreht, der ziemlich gefloppt ist. Wir machen vielleicht demnächst einen kleinen Theaterauftritt miteinander. Aber einen Film kann ich nicht versprechen.

Ein Kritiker hat gesagt, Sie seien für Gerhard Polt sozusagen das, was die Liesl Karlstadt für den Valentin war. Wie sehen Sie das?

Schneeberger: Also früher hätt’ mich das geärgert, heute sehe ich es als Kompliment an, weil ich nun weiß, welchen Anteil die Liesl Karstadt an Valentins Texten hatte.

Zur Person: Gisela Schneeberger, 70, gehört zu den renommiertesten bayerischen Schauspielerinnen. Bekannt wurde sie unter anderem durch ihre Filme mit Gerhard Polt.

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