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Mittelitalien

19.01.2017

Schon wieder bebt die Erde in Amatrice

Schneemassen behindern die Hilfsarbeiten im Erdbebengebiet. In Amatrice und Umgebung – wie hier in L’Aquila – hat es in den vergangenen Tagen heftig geschneit.
Bild: Claudio Lattanzio, dpa

Wieder werden die Menschen in der Erdbebenregion in Mittelitalien von einer Katastrophe heimgesucht: Mehrere Erdstöße treffen die Gegend, die bereits unter Schneemassen ächzt.

Man hört den Wind durchs Telefon pfeifen. Maria Simonetta D’Angelo ist niedergeschlagen. Seit den Erdstößen im vergangenen August lebt sie mit ihrem Bruder Pietro vor ihrem beschädigten Haus in Moletano bei Amatrice. Im Wohnwagen, der den Landwirten zur Verfügung gestellt wurde, ist wegen der eisigen Temperaturen die Toilette kaputtgegangen.

„Wir haben zwei Meter Schnee hier, einen Sturm und jetzt auch noch das neue Erdbeben“, sagt die Frau. Sie ist am Rande ihrer Kräfte. Denn die Erde in Mittelitalien kommt nicht zur Ruhe. Am Mittwoch erschütterten ab 10.25 Uhr vier schwere Erdstöße die Gegend um Amatrice, der heftigste mit Stärke 5,5. „Wie Bomben“ hätten sie sich angefühlt, berichtet D’Angelo.

Bereits im August und Ende Oktober bebte die Erde in der Gegend, mehr als 300 Menschen kamen ums Leben. Bis Mittwochnachmittag gab es keine Meldungen über neue Todesopfer, es wurden allerdings drei Tierzüchter vermisst. Ihr Bruder Pietro kontrolliere gerade, ob ihre 700 Schafe am Leben geblieben seien, sagt D’Angelo noch. Für die Tiere stellten die Behörden ein Zelt zur Verfügung, das den Erdstößen, aber auch den Schneemassen nicht gewachsen sein könnte.

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Laut Erdbebenforschern befand sich das Epizentrum der Erdstöße vom Mittwoch etwa zehn Kilometer südlich von Amatrice und in neun Kilometern Tiefe. Aus der Gemeinde und aus anderen Ortschaften im Gebiet zwischen den Regionen Latium, Abruzzen und Umbrien wurden kleinere Schäden an Gebäuden gemeldet. Ein Kind und dessen Mutter wurden aus den Trümmern gerettet. Dass die Erdstöße wieder überaus stark gewesen sein müssen, war sogar in Neapel, Florenz sowie im über hundert Kilometer entfernten Rom zu merken. Dort wurde der Betrieb der U-Bahn für einige Stunden vorsorglich eingestellt. Eltern holten ihre Kinder vorzeitig aus Schule und Kindergarten ab. Die Telefonnetze brachen zusammen.

Amatrice: Schneemassen behindern Hilfsarbeiten

In der Erdbebenregion wurden die Hilfsarbeiten vor allem durch die Schneemassen behindert. Sergio Pirozzi, Bürgermeister von Amatrice, wies darauf hin, dass wegen des Schnees Personen ihre Häuser nicht verlassen könnten. „Viele Straßen sind vom Schnee versperrt, wir haben nicht genügend Schneepflüge“, sagte er. „Was haben wir getan? Der Schnee, die Erdstöße, das ist wie der biblische Überfall der Heuschrecken in Ägypten.“ Ihm zufolge handelte sich um die schwersten Schneefälle seit 1958 in der Gegend.

Seit Montag schneit es heftig in Mittelitalien. Viele Haushalte haben keinen Strom. In den Abruzzen wurde der Zugverkehr eingestellt. Auch die Autobahn zwischen Rom und L’Aquila wurde gesperrt.

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Diese Schäden hat das Erdbeben in Mittelitalien angerichtet
Bild: Tiziani Fabi/afp
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