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Schule
22.10.2018

Frankreich: Schüler bedroht Lehrerin mit Softair-Waffe

Ein Schüler filmte den Vorfall, das Video verbreitete sich schnell im Internet. Frankreichs Erziehungsminister sagte deshalb, das neue Handyverbot in Schulen sei richtig.
Foto: Kay Nietfeld, dpa

Der Vorfall nahe Paris löst in Frankreich Empörung aus, die bis in die Staatsspitze reicht. Präsident Macron zeigt sich entrüstet

Die Szene könnte aus einem Film stammen: Ein Schüler zielt in einem Klassenzimmer mit einer Pistole auf seine Lehrerin, die an einem Tisch vor einem Laptop sitzt. „Du schreibst bei mir: anwesend, nicht abwesend!“, wiederholt der Jugendliche, der zu spät gekommen ist, und stellt sich hinter sie. „Drehen Sie den Kopf nach vorne!“, ruft er, als sie sich zu ihm wendet, um mit ihm zu sprechen. Die Szene stammt aber nicht aus einem Film, sie hat sich am vergangenen Donnerstag in einem Gymnasium im Pariser Vorort Créteil abgespielt. Ein sichtlich vergnügter Schüler filmte sie mit seiner Handykamera; ein weiterer Schüler zeigte den Stinkefinger. Das Video verbreitete sich schnell im Internet.

Auch wenn inzwischen bekannt ist, dass der Schüler mit einer Softair-Waffe hantierte, also dem Nachbau einer echten Pistole: Das Video hat in Frankreich empörte Reaktionen ausgelöst, die bis in die Staatsspitze reichen. Er habe die Minister für Erziehung und für Inneres dazu aufgefordert, „alle Maßnahmen zu treffen, damit diese Ereignisse bestraft und definitiv aus den Schulen verbannt werden“, erklärte Präsident Emmanuel Macron auf Twitter. Noch in dieser Woche wird ein Komitee für einen Aktionsplan zusammengerufen, um Gewalt gegen Lehrer zu bekämpfen. Dem Vorsitzenden der Gewerkschaft für Gymnasien und Mittelschulen, Jean-Rémi Girard, zufolge offenbart der Vorfall, welche Zustände in manchen französischen Klassenräumen herrschen: „Es handelt sich zum Glück nicht um den Alltag, aber um Dinge, die in fast jeder Einrichtung passieren können.“

Die betroffene Lehrerin hatte am Freitag Klage eingereicht, woraufhin der Schüler in Begleitung seines Vaters im Polizei-Kommissariat erschien. Er habe nur Spaß gemacht, sagte er nach Medien-Informationen. Der fast 16-Jährige wurde einem Jugendrichter vorgeführt und kam vorübergehend in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft leitete am Sonntagabend ein Verfahren wegen schwerer Gewaltanwendung ein. Für Erziehungsminister Jean-Michel Blanquer zeigt der Fall, dass das neue Handy-Verbot in Schulen richtig ist. Es ist für die Unter- und Mittelstufe verpflichtend, fürs Gymnasium wird es empfohlen.

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