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Schule
22.04.2018

Straftaten auf Pausenhöfen nehmen zu

Die Polizei rückte 2017 häufiger zu Schulen aus als im Vorjahr.
Foto: Peter Gercke, dpa

Neue Statistiken legen nahe, dass Schüler krimineller geworden sind – auch in Bayern. Doch mit der Interpretation muss man vorsichtig sein.

Auf Pausenhöfen in Deutschland werden nicht nur Mathehausaufgaben und Paninibilder ausgetauscht, sondern auch Cannabis und Diebesgut: Die Zahl der Straftaten an Schulen ist in mehreren Bundesländern deutlich gestiegen – unter anderem in Bayern. 2017 seien 8356 Fälle dokumentiert worden, teilte das Landeskriminalamt (LKA) München am Wochenende mit. Das sind 540 Straftaten mehr als im Jahr zuvor – dabei waren die Zahlen an den meisten deutschen Schulen vorher jahrelang zurückgegangen.

Die Aufklärungsquote hat sich in Bayern minimal auf rund 60 Prozent erhöht. Am häufigsten ermittelt die Polizei demnach aufgrund von Diebstählen. Sowohl 2016 als auch 2017 tauchen mehr als 2400 davon in der Statistik auf. Welche Straftaten in der Rangliste folgen, machte das LKA am Wochenende nicht öffentlich. Fest steht, dass auch die Zahl der Drogendelikte zumindest zwischen 2012 und 2016 stetig angestiegen ist – nämlich von 260 auf 464 Fälle. Bei 73 Prozent dieser Taten war Cannabis im Spiel. Um die Zahlen richtig einschätzen zu können, muss man allerdings wissen: Drogendelikte sind sogenannte „Kontrolldelikte“. Je mehr die Polizei im Umfeld der Schulen kontrolliert, desto öfter wird sie natürlich fündig. Betrachtet man die Gesamtstatistik, lag der Anteil der männlichen Tatverdächtigen 2017 bayernweit bei 81 Prozent. Jeder vierte hatte keinen deutschen Pass.

In Niedersachsens Schulen stieg die Zahl besonders stark

Besonders oft wurden Schulen in Niedersachsen zum Tatort. Dort registrierte die Polizei 32 Prozent mehr Einsätze. Vor allem Körperverletzungen und Diebstähle – häufig von Fahrrädern – nahmen zu. Steigende Zahlen verzeichnet auch Nordrhein-Westfalen. In Hessen und Thüringen hingegen blieb die Kriminalitätsrate weitgehend konstant. Bundesweite Zahlen will das Bundeskriminalamt in den nächsten Wochen präsentieren.

Selbst Experten tun sich schwer damit, den Anstieg zu erklären. Fest steht, dass in vielen Teilen Deutschlands die Jugendkriminalität auch insgesamt ansteigt. Dennoch wäre es fahrlässig anzunehmen, dass Schüler absolut betrachtet krimineller geworden sind. Der bekannte Kriminologe Christian Pfeiffer vermutet, dass Straftaten zuletzt häufiger angezeigt wurden. Gerade wenn es sich bei den mutmaßlichen Tätern um Ausländer handele, sei die Anzeigebereitschaft statistisch erwiesenermaßen höher, sagte er am Wochenende.

Auch Lehrer werden Opfer von Gewalt

Ein Problem, das außerhalb der Schulmauern als relativ neu angesehen wird, ist die Gewalt gegen Lehrer. Einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Verbands Bildung und Erziehung zufolge wurden sechs Prozent aller befragten Lehrer schon Opfer körperlicher Gewalt. Gut ein Viertel gab an, psychische Gewalt – etwa in Form von Drohungen oder Mobbing – erlebt zu haben. Vor allem an Haupt-, Gesamt-, und Förderschulen werden Lehrer zu Opfern. Inwiefern das Problem tatsächlich wächst und inwiefern Lehrer sich heute schlicht mehr trauen, mit ihrem Erfahrungen an die Öffentlichkeit gehen, ist auch hier eine ungeklärte Frage. Nur ein Prozent der deutschen Lehrer zumindest sieht Gewalt als größtes Problem an ihrer Schule. (sari, dpa)

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