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Pippi Langstrumpf

27.07.2017

Schweden regen sich über Entsorgung alter Langstrumpf-Bücher auf

Sind Pippi-Langstrumpf-Bücher rassistisch? Ja, findet mancher. Denn Pippi nennt ihren Vater unter anderem „Negerkönig“.
Bild: Martin Gerten, dpa

Eine Kommune südwestlich von Stockholm verbannt Ausgaben, weil sie nicht mehr politisch korrekt sind. Ein Star-Journalist fühlt sich da an Nazi-Methoden erinnert.

Janne Josefsson ist nicht irgendwer in Schweden. Der 60-Jährige ist der bekannteste Enthüllungsjournalist des Landes. Dementsprechend hoch schlugen die Wellen, als er kürzlich im öffentlich-rechtlichen Radio Schweden der südwestlich von Stockholm gelegenen Kommune Botkyrka schwere Vorwürfe machte: Sie lasse alte Ausgaben von Astrid Lindgrens Kinderbuchreihe Pippi Langstrumpf aus den Büchereien entfernen – und verbrennen. Und zwar aus ideologischen Gründen.

„Wusstet ihr, dass man heute Bücher in Schweden verbrennt?“, begann Josefsson. „Wenn man Bücher aus ideologischen Gründen verbrennt, sagt etwas in mir: Moment mal, sollen die wirklich verschwinden? Sollten wir sie nicht erhalten, sodass ich meinen Kindern erzählen kann, wie man sich damals ausgedrückt hat?“

Bei den Büchern geht es unter anderem um seit 1948 veröffentlichte Ausgaben von Pippi Langstrumpf, in denen die schwedische Schriftstellerin Lindgren Pippis Vater etwa als „Negerkönig“ bezeichnete.

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So verteidigt sich die Kommune gegen die schweren Vorwürfe des Journalisten 

Es folgte: eine öffentliche Debatte sowie ein Medienansturm auf die Kommune Botkyrka. Die erklärte, dass alte Bücher entsorgt werden müssten, um Platz für neue zu schaffen. So sei es auch mit einigen Büchern Lindgrens geschehen. Das habe nichts mit Ideologie zu tun. Man habe die alten Langstrumpf-Bände durch neue Ausgaben ersetzt.

So kennen und lieben Millionen Menschen Astrid Lindgrens Heldin - Schauspielerin Inger Nilsson in einem Film als „Pippi Langstrumpf“ mit  Äffchen „Herr Nilsson“.
Bild: dpa

Zugleich räumte die Kommune jedoch ein, dass grundsätzlich auch Bücher entsorgt würden, in denen „veraltete Ausdrücke, die als rassistisch aufgefasst werden können, vorkommen“. Der Verlag Lindgrens ersetzt bereits seit Jahren in seinen Neuausgaben Worte wie „Neger“ durch unverfänglichere Worte. In Deutschland wurde so aus „Negerkönig“ „Südseekönig“.

Janne Josefsson gab sich damit nicht zufrieden und verwies auf die Nazis, die etwa marxistische Literatur verbrannt hätten, weil sie diese als unbequem empfunden hätten. Man könne doch nicht die gesamte alte Weltliteratur entsorgen oder inhaltlich nachträglich nach gegenwärtig herrschenden Richtlinien abändern, polterte er. Stattdessen müsse kritisch diskutiert werden, wie und warum bestimmte Sichtweisen und Ausdrücke im Kontext der jeweiligen Zeit entstanden seien.

Es ist eine Debatte, die in den vergangenen Jahren schon mehrfach kontrovers geführt wurde – auch in Deutschland. Was die 2002 gestorbene Lindgren dazu gesagt hätte? „Heutzutage hätte ich Pippis Papa nie zu einem Negerkönig gemacht“, meinte sie in einem Interview aus dem Jahr 1970. Und in einem Brief von 1957 schrieb sie: „Ich missbillige jegliche Einteilung von Menschen in Nationen und Rassen.“

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