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Frankreich und Spanien

03.01.2021

Silvester-Raves trotz Corona: Partygänger außer Rand und Band

Ein spanischer Polizist steht in der Nähe von Barcelona vor einem riesigen Totenkopf, während seine Kollegen eine Rave-Party auflösen, die fast 40 Stunden lief.
Bild: Víctor Arias/Europa Press, dpa

Als gäbe es Corona nicht: Tausende junger Leute feiern in Frankreich und Spanien weit über Silvester hinaus gigantische Rave-Partys. Wie konnte die Polizei das zulassen?

Die Party ist vorbei, die Musikanlagen sind abgebaut, seit Samstagmorgen hallen keine Technoklänge mehr über das ehemalige industrielle Gelände in Lieuron. Geblieben aber sind viele Fragen und auch Vorwürfe an die verantwortlichen Behörden: Wie konnten sich 2500 Menschen am Abend des 31. Dezember in dem Dorf in der Bretagne, rund 40 Kilometer südlich von Rennes, zum Feiern treffen – ungeachtet der derzeit geltenden nächtlichen Sperrstunde zwischen 20 und sechs Uhr und eines Party-Verbots? Warum gelang es den Einsatzkräften der Gendarmerie erst nach rund 36 Stunden, die Kontrolle über die ehemaligen Fabrikhallen zu übernehmen, die zur Partyzone umfunktioniert worden waren?

Der zuständige Präfekt Emmanuel Bertier sagte, am Donnerstagabend sei es schnell zu Zusammenstößen mit gewaltbereiten Teilnehmern gekommen. Ein Einsatzwagen brannte, drei weitere wurden beschädigt, die Beamten mit Flaschen und Steinen beworfen und drei von ihnen dabei leicht verletzt. Ab 22 Uhr wurde zumindest die Zufahrt für Neuankömmlinge blockiert. Es sei schwierig, eine so große Menge an Personen aufzulösen, ohne eine Massenpanik zu provozieren, rechtfertigte sich Camille Chaize, die Sprecherin im Innenministerium. Die Bürgermeisterin der Ortschaft, Rose-Line Prévert, lobte die Strategie, auf Deeskalation zu setzen. Alles andere hätte zu „Trümmerszenen“ im Dorf geführt.

Silvester-Party in Frankreich: Wie konnte das passieren?

Zugleich wurde auch Kritik laut. Der Abgeordnete der Präsidentenpartei La République en Marche, Florian Bachelier, sprach von einer „Schande für unser Land, für unsere Pflegekräfte, die seit Monaten mobilisiert sind, für unsere Toten“. Der Staat müsse die öffentliche Ordnung sofort wieder herstellen. „Die Republik kapituliert vor ein paar hundert Partyleuten und Punks“, klagte der rechtsextreme Abgeordnete Gilles Pennelle.

Die Organisation der Feier war überwiegend über Mund-zu-Mund-Propaganda gelaufen. Interessierte sollten eine Telefonnummer anrufen, über die ihnen als Treffpunkt der Parkplatz eines Supermarktes genannt wurde. Die Behörden wussten zwar von Vorbereitungen für eine illegale Party, fanden aber in den sozialen Netzwerken Hinweise auf drei mögliche Orte, da die Organisatoren offenbar bewusst falsche Spuren gelegt hatten. Das erklärt der Gendarmerie zufolge, dass zunächst zu wenige Einsatzkräfte vor Ort waren.

Polizisten notieren die Personalien von Jugendlichen nach dem Abbruch einer Party in einem in der Nähe gelegenen Hangar etwa 40 km südlich von Rennes.
Bild: Jean-Francois Monier/AFP, dpa

Allerdings wurden viele der Teilnehmer beim Verlassen des Geländes kontrolliert und insgesamt mehr als 1600 Bußgelder verhängt, teilweise auch in Verbindung mit Drogenkonsum. Acht Personen kamen in Untersuchungshaft, darunter zwei 22-Jährige, die die Party organisiert haben sollen.

Teilnehmer sollen sich sieben Tage selbst isolieren

Die für die Region zuständige Gesundheitsbehörde warnte vor dem hohen Corona-Verbreitungsrisiko durch die Techno-Party und bat alle Teilnehmer, sich sieben Tage lang selbst zu isolieren. Einige von ihnen sagten in den Medien, sie hätten nach einem Jahr der Ausgangsbeschränkungen endlich mal wieder feiern wollen.

Das galt auch für die etwa 1000 jungen Leute, die an Silvester bei Barcelona in Spanien eine Rave-Party feierten. Unter einem riesigen weißen Totenkopf mit roter Weihnachtsmannmütze tanzten sie in einer heruntergekommenen Lagerhalle zu den wummernden Klängen von Technomusik. Ohne Masken und ohne Sicherheitsabstand, so, als ob es keine Pandemie gäbe. Auch dort, in der Kleinstadt Llinars de Valles, beendete die Polizei die Fete erst nach knapp 40 Stunden.

Rave nahe Barcelona angeblich monatelang vorbereitet

Die Organisatoren haben den Rave angeblich monatelang vorbereitet. Am Donnerstagabend seien bei der Lagerhalle ein Dutzend Lastwagen beladen mit großen Lautsprechern und einer Lichtanlage vorgefahren, berichten Medien. Erst als zwei Tanzpisten aufgebaut waren, sei den Teilnehmern, die schon auf Parkplätzen umliegender Städte warteten, der genaue Ort der Party mitgeteilt worden.

Zwei Personen seien festgenommen worden, gegen fünf werde ermittelt und von 214 seien die Personalien aufgenommen worden, schrieb die Zeitung La Vanguardia. Die möglichen Bußgelder für Verstöße gegen Corona-Maßnahmen reichen in Spanien von 1500 Euro bei leichten Fällen bis zu maximal 600.000 Euro bei schweren Zuwiderhandlungen. Derart hohe Bußgelder sind bisher aber nicht bekannt geworden. (mit dpa)

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