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FIFA

27.05.2015

Skandal bei FIFA: Elf Funktionäre gesperrt - Verschiebung der Wahl?

Die FIFA reagiert auf die Festnahmen in der Schweiz und suspendiert betroffene Funktionäre.
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Die FIFA reagiert auf die Festnahmen in der Schweiz und suspendiert betroffene Funktionäre.
Bild: Walter Bieri (dpa)

Die Schweizer Staatsanwaltschaft eröffnet ein Strafverfahren wegen der Vergaben der Fußball-WM an Russland und Katar. Die Entwicklungen bei der FIFA im Überblick.

Der Weltverband FIFA hat nach dem neuesten Skandal  insgesamt elf Funktionäre vorläufig für sämtliche Fußball-Aktivitäten gesperrt. Darunter seien auch die FIFA-Vizepräsidenten Jeffrey Webb und Eugenio Figueredo, teilte der Weltverband nach einer Entscheidung seiner Ethikkommission am Mittwoch mit.

Zudem forderte die Europäische Fußball-Union nach den Festnahmen von sieben hochrangigen Funktionären die Verschiebung der für Freitag geplanten Präsidentenwahl beim Weltverband FIFA. Das teilte UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino nach einer Sitzung vor dem Europa-League-Finale in Warschau mit. "Die heutigen Ereignisse sind ein Desaster für die FIFA und beschädigen das Image des Fußballs", hieß es in einer UEFA-Mitteilung. Der Kongress drohe zur Farce zu werden. Deshalb sollten die europäischen Verbände darüber nachdenken, die Versammlung der 209 FIFA-Mitgliedsländer zu boykottieren. Die FIFA brauche eine neue Führung. "Deshalb sollte der Kongress verschoben und eine neue Präsidentenwahl innerhalb der kommenden sechs Monate organisiert werden", forderte die UEFA.

Sieben Funktionäre des Weltverbands FIFA oder Offizielle der ihr angeschlossenen Konföderationen waren am Mittwoch in Zürich festgenommen worden, darunter auch Webb und Figueredo. In der Zentrale wurden wegen der WM 2018 und 2022 Dokumente beschlagnahmt.

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Trotz FIFA-Skandal: Blatter will Präsidentschaftswahlen durchführen

Der ramponierte Ruf der FIFA hat an einem schwarzen Mittwoch in Zürich weiter massiv Schaden genommen und einen großen Schatten auf den bevorstehenden Wahlkongress des Fußball-Weltverbands geworfen. Präsident Joseph Blatter wies trotz der Festnahme von zwei seiner Stellvertreter sowohl Forderungen nach einer Absage des Jahrestreffens der 209 FIFA-Mitglieder am Donnerstag und Freitag als auch nach seinem Rücktritt zurück. Die Präsidentschaftswahlen am Freitag mit seiner erwarteten Bestätigung im Amt sollen stattfinden.

Im Morgengrauen hatten Schweizer Sicherheitsbehörden unabhängig voneinander gleich an zwei Orten in Zürich Ermittlungen wegen möglicher Vergehen innerhalb des FIFA-Apparats vorangetrieben. Und erneut kommen Beschuldigte aus dem engsten Machtzirkel um Blatter. Im Hotel Baur au Lac wurden unter anderem die FIFA-Vizechefs Jeffrey Webb von den Kaymaninseln und Eugenio Figueredo aus Uruguay neben fünf weiteren Spitzenfunktionären festgenommen.

Vorwurf: organisiertes Verbrechen und Korruption

Ihnen werden organisiertes Verbrechen und Korruption vorgeworfen. Insgesamt ermittelt das US-Justizministerium, das die Schweizer Behörden um Amtshilfe ersucht hatte, gegen 14 Personen. Sie sollen seit Anfang der 90er Jahre Schmiergelder von 100 Millionen Dollar von Vermarktern für die Vergabe von Fußballturnieren erhalten haben.

Unabhängig davon stellten Schweizer Behörden in der Zentrale des Fußball-Weltverbandes elektronische Daten und Dokumente sicher. Die zuständige Bundesstaatsanwaltschaft eröffnete ein Strafverfahren im Zusammenhang mit den WM-Vergaben an Russland 2018 und Katar 2022. Nach Behördenangaben geht es um den Verdacht "der ungetreuen Geschäftsbesorgung sowie des Verdachts der Geldwäscherei gegen unbekannt". Bis zu zehn an der WM-Vergabe beteiligten Mitglieder des Exekutivkomitees sollen noch verhört werden. 

FIFA-Spitzenfunktionär Theo Zwanziger hält das juristische Vorgehen gegen den Fußball-Weltverband für überfällig. "Ich bin froh, dass endlich etwas passiert", sagte der ehemalige Präsident des Deutschen Fußball-Bundes der "Rheinischen Post" (Donnerstag). Zuvor war unter anderem FIFA-Vize Jeffrey Webb in Zürich festgenommen worden. Das US-Justizministerium beschuldigt insgesamt 14 Personen des organisierten Verbrechens und der Korruption.  "Das ist ein großer Sumpf", sagte Zwanziger, der noch Mitglied der FIFA-Exekutive ist. Das Problem sei allerdings nicht damit erledigt, die Wiederwahl des umstrittenen FIFA-Chefs Joseph Blatter am Freitag zu verhindern. "Der Fehler liegt im System der FIFA. Es können sich zu viele bedienen", sagte Zwanziger.

Russland sieht sich als Gastgeber 2018 nicht belastet. Die betroffenen Funktionäre hätten "keine Beziehung" zu dem Turnier in

Insgesamt sieben FIFA-Funktionäre wurden in Zürich verhaftet.
Bild: Dsk, afp photo

drei Jahren, sagte Sportminister Witali Mutko der Agentur Interfax zufolge in Moskau. Russland sei zur Zusammenarbeit mit den Behörden bereit. "Wir haben nichts zu verbergen." Auch bei der FIFA gibt es an den WM-Planungen keine Zweifel. Der Medienchef stellte bei einer Pressekonferenz klar, dass die Turniere 2018 und 2022 ebenfalls wie vorgesehen stattfinden sollen. 

Die WM-Ermittlungen gehen auf eine Strafanzeige der FIFA vom 18. November 2014 vergangenen Jahres zurück. "Das Timing ist nicht das beste", räumte FIFA-Kommunikationschef Walter de Gregorio ein, generell sei das Verfahren aber gut für die FIFA "im Sinne der Transparenz". Der Kongress des Dachverbandes und die Wahl seines Präsidenten mit Blatter und seinem einzigen noch verbliebenen Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein soll durchgeführt werden. Ein Rücktritt Blatters sei kein Thema. "Warum soll er zurücktreten? Er wird nicht verdächtigt", sagte de Gregorio. 

Erstmals kritische Stimmen im Gremium

Aus dem Hauptquartier berichteten FIFA-Mitarbeiter von einer "extrem angespannten Stimmung". Blatter sagte alle seine Termine des Tages ab. "Er tanzt natürlich nicht in seinem Büro", sagte Medienchef Walter de Gregorio zum Gemütszustand des Präsidenten. Auch bei einer Sitzung des südamerikanischen Verbandes CONMEBOL soll es eisig zugegangen sein. Erstmals wurden in dem Blatter freundlich gesonnenen Gremium kritische Stimmen laut, hieß es. 

Blatters Kritiker formierten sich noch am Mittwoch und stellten den Fahrplan der Kongresswoche infrage. Blatter-Herausforderer Al-Hussein forderte natürlich auch aus eigenem Interesse einen generellen Wandel: "Wir können so nicht weitermachen. Die Krise dauert an und ist nicht nur an die heutigen Ereignisse geknüpft. Die FIFA braucht eine Führung, die regiert, führt und unsere Verbände schützt", sagte Al-Hussein. 

Die UEFA, die Al-Hussein unterstützt, und als einzige Konföderation zuletzt auf Distanz zu Blatter gegangen war, reagierte "erstaunt und traurig" auf die Entwicklungen. "In der UEFA werden wir angesichts dieser Vorkommnisse beraten, wie wir uns auf dem bevorstehenden FIFA-Kongress verhalten", sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, der am Freitag ins Exekutivkomitee des Weltverbandes aufrücken soll. Eduardo Li, Verbandschef aus Costa Rica, soll dann Kollege von Niersbach werden. Er gehört aber auch zu den Festgenommenen, denen nun eine Auslieferung in die USA droht.

Verklausuliert den Rücktritt von Sepp Blatter gefordert

Der als FIFA-Kritiker bekannte Ligapräsident Reinhard Rauball forderte leicht verklausuliert den Rücktritt Blatters: "Sepp Blatter - obgleich offensichtlich persönlich nicht betroffen - sollte dem Fußball einen großen Dienst erweisen. So kann es nicht weitergehen", sagte er in einer Mitteilung der Deutschen Fußball Liga. 

Unter den insgesamt 14 Verdächtigen ist auch der frühere FIFA-Vizepräsident Jack Warner aus Trinidad und Tobago. Warner beteuerte indes in einer Stellungnahme seine Unschuld. Er sei nicht verhört worden und könne ruhig schlafen. In den USA laufen seit längeren Untersuchungen des FBI gegen frühere FIFA-Funktionäre. Der ehemalige US-Verbandschef Chuck Blazer und Warner gehören zu Beschuldigten in diversen Korruptionsverdachtsfällen. 

Wie das US-Justizministerium erklärte, sollte am Mittwoch in Miami auch das Hauptquartier des nord- und mittelamerikanischen Dachverbandes CONCACAF durchsucht werden. Korruption sei weit verbreitet, systematisch und tief verwurzelt sowohl in den Vereinigten Staaten als auch im Ausland, erklärte US-Justizministerin Loretta E. Lynch. AZ/dpa

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