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Gesundheit

07.03.2017

So sieht die Zukunft der Krebsbehandlung aus

Forscher und Ärzte sollen besser vernetzt werden. Wie Patienten davon profitieren

Jedes Jahr erkranken 500000 Menschen in Deutschland neu an Krebs. Das ist in etwa die Einwohnerzahl von Nürnberg. Und obwohl die Forschung rasante Fortschritte macht, stirbt immer noch die Hälfte der neu erkrankten Patienten.

Damit neue Forschungsergebnisse in Zukunft schneller dorthin gelangen, wo sie hinsollen, nämlich zu den Patienten, hat die Arbeitsgruppe „Zukunft der Onkologie“ am Montag in Berlin ein Positionspapier vorgestellt. In diesem präsentieren Bundestagsabgeordnete gemeinsam mit Vertretern von Krankenkassen, ambulant und stationär tätigen Ärzten, Wissenschaft und Patientenorganisationen verschiedene Vorschläge, um die Versorgung von Krebspatienten zu verbessern.

Ein zentraler Punkt des Papiers ist die Einrichtung eines interdisziplinären nationalen Krebsregisters. Schon heute wird eine Vielzahl von Daten über Behandlungen erhoben. Bislang laufen diese allerdings nur selten zusammen. Zukünftig sollen diese Behandlungsdaten anonymisiert gesammelt und an das nationale Register weitergegeben werden. Die Teilnahme der Patienten ist freiwillig.

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Davon sollen alle Beteiligten profitieren: Forscher erhalten Erkenntnisse aus der Praxis und können neue Behandlungsansätze schneller weiterentwickeln. Denn gerade bei seltenen Krebserkrankungen stellt das Sammeln von größeren Datenmengen wegen der geringen Zahl an Betroffenen oft eine Herausforderung dar.

Ärzte wiederum können aus den gesammelten Erkenntnissen lernen, Therapien gezielter einzusetzen. Prof. Michael Hallek vom Universitätsklinikum Köln, der am Positionspapier mitgewirkt hat, sagte: „Wir sind oft unsicher, ob Innovationen besser sind als die Standardtherapie.“ Über das nationale Register könnte er auf die Erfahrungen anderer Ärzte zurückgreifen und die Wirksamkeit von neuen Behandlungsformen besser beurteilen.

Dass ein solches Register notwendig ist, dafür spreche die rasante Entwicklung in der Krebsforschung, erklärte Sabine Dittmar, SPD-Abgeordnete und ehemalige Allgemeinärztin. Wie schnell die Forschung Fortschritte erzielt, zeigt das Beispiel des Lungenkarzinoms: Waren bis vor kurzem noch zwei wesentliche Diagnosen bekannt, kennt die Medizin heute mehr als 20 Formen.

Doch nicht nur Forschung und Behandlung sollen zukünftig stärker vernetzt werden. Auch die Selbsthilfe für Krebspatienten soll ihre Erkenntnisse weitergeben.

Zusätzlich will die Arbeitsgruppe ein Lotsen-System einführen. Diese Lotsen sollen Krebspatienten während ihrer gesamten Behandlung als Ansprechpartner dienen. Ralf Rambach, Vorsitzender des Bundesverbands Haus der Krebsselbsthilfe, spricht aus Erfahrung. Er war an Leukämie erkrankt, hat mehrere Chemotherapien über sich ergehen lassen. Er sagte: „Patienten, die verstehen, was mit ihnen passiert, folgen der Therapie besser. Studien zeigen außerdem, dass bei diesen Patienten höhere Behandlungserfolge erzielt werden.“

Rambach, der ebenfalls an dem Papier mitgewirkt hat, erklärte: „Bisher verschleudern wir einen Großteil unseres Wissens, indem wir es nicht auffangen.“ Das soll sich in Zukunft ändern.

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