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Sommer
23.08.2017

Sommer im Schatten: Ist blass das neue Braun?

Sonnenschutz ist enorm wichtig. Aber obwohl in jedem Sommer wieder eine gesunde Blässe zum Trend erklärt wird, ist vielen Deutschen ihre Sommerbräune immer noch wichtig.
Foto: Stephanie Pilick, dpa

Jedes Jahr wird Bräune für uncool und Blässe zum Trend erklärt. Aber folgen die Menschen dieser Ansage wirklich? Ein Berliner Hautarzt sagt: Schön wär's.

Was haben Dieter Bohlen, Donatella Versace und Daniela Katzenberger gemeinsam? Alle drei sehen immer nach Sommer aus - jedenfalls mit Blick auf ihre Bräune. Dabei ist eine Gesichtsfarbe, die auf Sonnenbäder und Solarium schließen lässt, heute doch eigentlich verpönt.

Braun oder blass im Sommer? Was Trend ist, was gesund ist...

Das sollte man jedenfalls meinen, wenn man Zeitungen, Magazine oder Internet-Blogs liest. Und ganz sicher, wenn man auf seinen Hautarzt hört. Bräune müsse eigentlich als Hautkrankheit betrachtet werden, sagte der Münchner Hautarzt Christoph Liebich der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Wer außer sangriaseligen Briten im Spanien-Urlaub legt sich im Jahr 2017 also noch in die pralle Sonne? "Immer noch viel zu viele", antwortet der Berliner Dermatologe Christian Kors. Das Bewusstsein, dass Sonnenbaden schädlich ist, sei zwar gestiegen, aber es sei immer noch mangelhaft. "Wenn ich Patienten zum Lichtschutz berate, kommt immer: "Aber dann werde ich ja gar nicht mehr braun?"", erzählt Kors. Wie lange hält sich eigentlich Sonnencreme?

Braun werden wollen die Leute also immer noch. Jeder kennt es ja, das Geplänkel nach dem Urlaub: "Du hast ja richtig Farbe gekriegt!", rufen Freunde, Nachbarn und Kollegen dem Menschen mit gebräuntem Teint entgegen, so als hätte er etwas geleistet. Aber wer am Mittelmeer eingecremt mit Lichtschutzfaktor 50 in den Schatten flüchtet, muss sich danach fragen lassen: "Warst Du wirklich auf Sizilien? Du bist ja gar nicht braun geworden!" Es klingt ein bisschen nach Versagen.

Doch Hollywood-Stars warnen regelmäßig vor der gelben Gefahr: Fast jeder dürfte wohl das Foto von Hugh Jackman ("X-Men") mit Pflaster auf der Nase kennen. Der australische Schauspieler hat sich schon mehrfach wegen Hautkrebs behandeln lassen, sagt immer wieder: Tragt Sonnenschutz. Schauspielerin Juliane Moore ("A Single Man") erklärt, sie benutze UV-Schutz auch an Regentagen. In Modezeitschriften ist der Schneewittchen-Teint von Megan Fox oder Jessica Chastain Trend.

Sommerbräune und Sonnenschutz sind heute viel mehr Thema

Die Sonne - der Gegner? Manch einer mag noch die Bilder der verbrannten Kronprinzessin Mette-Marit in Erinnerung haben. Die hellhäutige Norwegerin saß bei einem Interview vor einem Scheinwerfer, der Sonnenlicht reflektierte, und hatte danach starke Verbrennungen im Gesicht. Das war 2002.

Ist blass also das neue Braun? Der Dermatologe Kors sagt dazu: "Schön wär's." Denn die Zahlen sprechen für sich: Weltweit gebe es jedes Jahr zwei bis drei Millionen neue Fälle von hellem Hautkrebs, schreibt die Deutsche Krebsgesellschaft unter Berufung auf die Weltgesundheitsorganisation WHO. Jede UV-Belichtung verursache Erbgutschäden in den Zellen, sagt Kors. "Die Haut verzeiht extrem viel, aber sie vergisst keinen einzigen UV-Strahl."

Dass zu viel Sonne und keine oder die falsche Sonnencreme schädlich sind, ist nicht neu - und doch hat man das Gefühl, dass das früher weniger Thema war.Kann sich irgendjemand einen bleichen Burt Reynolds vorstellen? Braun sein, das war lange ein Statussymbol.

Dermatologen warnen: Jeder Sonnenbrand ist für die Haut gefährlich. Bräune müsse eigentlich als Hautkrankheit betrachtet werden.
Foto: Bernd Wüstneck, dpa

Auch der Dermatologe Kors erinnert an die Nachkriegsgeneration, die plötzlich Sommerurlaub machen konnte. "Alle sind nach Italien gefahren, Bräune zeigte auch, dass man sich das leisten kann." Später gingen die Leute gar ins Sonnenstudio, Solarium zählte in den Neunzigern fast als Hobby. Heute steht das Wort "Assi-Toaster" im Duden. Die hässlichen Assoziationen sind im Kopf: Falten, Lederhaut, Krebs. Und auch: Donald Trump.

Der Berliner Hautarzt Kors sagt, die Vorzeigenation der Sonnenschützer sei Australien. "Für die Menschen dort ist es selbstverständlich, jeden Tag mit UV-Schutz und UV-Schutzkleidung rauszugehen. Dem hinken wir hinterher, weil immer alle denken: In Australien, die kriegen viel mehr ab." dpa

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