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22.07.2020

Studie zeigt: So alt werden die Menschen in der Region

Eine Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Entwicklung hat untersucht, wie sich die Lebenserwartung von Menschen in Deutschland regional unterscheidet.
Bild: Oliver Berg, dpa (Symbol)

Plus In Starnberg oder München leben Menschen oft länger als in ärmeren Teilen Deutschlands. Was das für die Region um Augsburg bedeutet, zeigen unsere Grafiken.

Wie alt werden die Menschen in Deutschland - und wie groß sind die regionalen Unterschiede? Mit diesen Fragen hat sich eine Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Entwicklung in Rostock beschäftigt. Dabei haben die Forscher herausgefunden, dass die Lebenserwartung vor allem im Süden Bayerns und Baden-Württembergs besonders hoch ist. Während Männer in Bremerhaven im Schnitt eine Lebenserwartung von 75,8 Jahren haben, werden Männer im Landkreis München im Schnitt mehr als fünf Jahre älter. Bei den Frauen sind es immerhin fast vier Jahre, die eine Frau im Kreis Starnberg laut Mittelwert älter wird (85,7 Jahre) als eine Frau im Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt (81,8 Jahre).

Studie zeigt: Sozial Schwache haben in Deutschland geringere Lebenserwartung

Um herauszufinden, womit dieser Unterschied zusammenhängt, haben die Forscher eine ganze Reihe an Faktoren untersucht, die sich auf die Lebensdauer der Menschen am jeweiligen Ort auswirken - wie etwa das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf oder die Anzahl der Allgemeinärzte pro 100.000 Einwohner. Dass sich das BIP auf die Lebenserwartung auswirkt, ist laut Studienautoren bereits seit den 1970er Jahren bekannt. Es gibt Aufschluss darüber, wie viel Geld in einem Land für die Versorgung aufgewendet wird. Allerdings stellen die Forscher des Max-Planck-Instituts nun fest, dass andere Gründe offenbar eine noch größere Auswirkung auf die Lebenserwartung der Menschen haben.

Denn in den Regionen mit vergleichsweise geringer Lebenserwartung beziehen die Menschen häufiger Arbeitslosengeld und Sozialleistungen wie Wohngeld oder Grundsicherung im Alter. Nach Einschätzung der Forscher seien es also nicht die durchschnittlichen ökonomischen Bedingungen, die sich auf die Lebenserwartung auswirken, "sondern eher die Lebensumstände von Personen am unteren Ende des sozioökonomischen Spektrums", wie sie in ihrer Veröffentlichung im Deutschen Ärzteblatt schreiben. Heißt: Je ärmer Menschen in Deutschland sind, desto geringer ist laut Studie auch ihre Lebenserwartung.

Menschen in der Stadt Augsburg werden nicht so alt wie Menschen im Rest Schwabens

Sieht man sich die Zahlen für Schwaben und die angrenzenden oberbayerischen Landkreise Landsberg am Lech und Neuburg-Schrobenhausen genauer an, findet man hier vor allem die südlichen Landkreise auf den oberen Plätzen der Studie. Frauen im Landkreis Landsberg haben demnach eine Lebenserwartung von im Schnitt 84,8 Jahren (Platz 23), im Oberallgäu liegt sie bei 84,7 Jahren (Platz 26). Bei den Männern liegt der Landkreis Landsberg sogar auf Platz 13 mit einer Lebenserwartung von 80,3 Jahren, das Oberallgäu auf Platz 16 mit 80,2 Jahren. Die vergleichsweise niedrigste Lebenserwartung in der Region haben Frauen und Männer in der Stadt Augsburg. Männer werden im Schnitt 79 Jahre alt (Platz 123), Frauen 84 (Platz 120).

Die Autoren der Studie haben Bevölkerungs- und Sterbefallzahlen der Jahre 2015 bis 2017 ausgewertet, aktuelleres Material lag den Forschern zufolge bislang nicht vor. Blickt man zum Vergleich in die bayerischen Arbeitslosenzahlen des Jahres 2017, kann man deren Beobachtung zum Zusammenhang von Arbeitslosigkeit und Lebenserwartung auch dort wiederfinden. In der Stadt Augsburg waren im Jahr 2017 5,4 Prozent der Einwohner arbeitslos, in allen Landkreisen in der Region lag der Wert unter drei Prozent - im Oberallgäu etwa bei 2,6 und im Kreis Landsberg bei 2,7.

Warum Arbeitslosigkeit und Lebenserwartung offenbar in einem Zusammenhang stehen, konnte mit den untersuchten Daten nicht erforscht werden, erklärt einer der Autoren der Studie, Professor Roland Rau von der Universität Rostock. Klar wurde aber: Die Arbeitslosigkeit sei ein Faktor, aber nicht der einzige, sagt Rau, der aktuell auch für das Max-Planck-Institut für demografische Forschung tätig ist: "Ich selbst komme aus Oettingen im Donau-Ries-Kreis. Dieser Kreis hat eine sehr niedrige Arbeitslosigkeit. Würde diese alles erklären, müsste der Donau-Ries-Kreis noch höher im Ranking der Lebenserwartung liegen." Das ist aber nicht der Fall. Rau und seine Kollegen hoffen nun, dass sich anderem Forschergruppen dem Thema annehmen und andere Faktoren genauer untersuchen. Dafür haben sie ihre Daten frei zur Verfügung gestellt. Untersucht werden könnten laut Rau etwa der Lebensstil mit den Einflüssen Rauchen, Alkohol, Ernährung und Sport, aber auch die Wohnumgebung.

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