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TV-Streit
18.10.2008

Fernsehmacher schießen gegen Reich-Ranicki

Jetzt steht Marcel Reich-Ranicki selbst in der Kritik. Nach seiner TV-Schelte wettern nun die Fernsehmacher gegen den Literatur-Papst. Von "Überheblichkeit" und persönlicher "Eitelkeit" ist die Rede.

Hamburg (ddp). In der von Marcel Reich-Ranicki initiierten Debatte über die Qualität im deutschen Fernsehen kritisiert jetzt auch ZDF-Moderator Thomas Gottschalk den 88-jährigen Literaturkritiker.

Reich-Ranicki tauge "nicht zur Galionsfigur im Kampf um mehr Niveau im Fernsehen", sagte Gottschalk dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel. "Jemand wie er darf uns jederzeit die Leviten lesen, die Totalablehnung war allerdings überzogen."

Reich-Ranicki hatte es am vergangenen Wochenende abgelehnt, den Deutschen Fernsehpreis für sein Lebenswerk anzunehmen und heftige Kritik am Fernsehprogramm geäußert. Am Freitagabend diskutierte er mit Gottschalk in einer halbstündigen ZDF-Sendung über den Zustand des deutschen Fernsehens. Gottschalk sagte dem Spiegel, früher habe Reich-Ranicki "widerspruchslos 'Bambi' und 'Goldene Kamera' angenommen". Auch er gehöre "zum deutschen TV-Establishment".

Der ZDF-Moderator verteidigte sich zugleich gegen die harsche Kritik seiner Kollegin Elke Heidenreich, die nach dem TV-Eklat den Fernsehpreis, das ZDF und ihn persönlich beschimpft hatte: "Dass eine so kluge Frau aus der Hochkulturabteilung sich zu so einem polternden Ausbruch gekränkter Eitelkeit hinreißen ließ, nur weil nicht sie die Laudatio auf Reich-Ranicki halten durfte, wirkte auf mich höchst krampflösend." Heidenreich habe "sich verhalten wie eine beleidigte Leberwurst".

Generell beobachte er, dass "sich intellektuelle Elite und Bildungs-Prekariat in Deutschland zusehends auseinanderentwickeln. Beide Seiten wollen immer weniger miteinander zu tun haben". Er selbst suche in der Mitte den Ausgleich, mache "mitunter albernes, aber schmerzfreies Unterhaltungsfernsehen". Er betonte: "Ich nenne es Überheblichkeit, wenn mir und den Leuten so was madig gemacht wird."

Auch die Moderatorin Bettina Böttinger holt jetzt zum Gegenschlag gegen Reich-Ranicki aus. Sie sehe Eitelkeit als Motiv für dessen TV-Schelte, sagte sie dem Münchner Merkur. Böttinger war Jurorin beim Deutschen Fernsehpreis. Ihrer Meinung nach habe es sehr wohl niveauvolle Beiträge gegeben. "Da den Holzhammer rauszuholen und zu behaupten, das sei alles Schrott, finde ich außerordentlich peinlich", sagte Böttinger dem Münchner Blatt.

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