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Tatort-Kolumne

01.01.2021

Tatort an Neujahr: Fall von Dorn und Lessing ist richtig abgedreht

Der neue Tatort aus Weimar ist richtig abgedreht, findet Andreas Frei.
Foto: AZ-Montage

In der Tatort-Folge "Der feine Geist" an Neujahr sind die Kommissare Dorn und Lessing wie immer – aber nur am Anfang. Dann wendet sich in Weimar alles.

Ohne Punkt und Komma gleich zum Urteil: Der Tatort heute mit dem Weimarer Ermittler-Duo Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) ist abgedreht. Ja ja, schon verstanden, die Wertung ist im Fall der beiden Kuschel-Kommissare so überraschend wie die Erkenntnis, dass der FC Bayern um die deutsche Meisterschaft spielt. Was die Folge „Der feine Geist“ (Neujahr, 20.15 Uhr, ARD) angeht, trifft das „Abgedreht“ jedoch im mehrfachen Sinne zu. Jedenfalls sitzt man am Ende gleichermaßen verwirrt wie entsetzt vor Bier und Nüsschen-Schale.

Kira Dorn (Nora Tschirner) stellt John Geist (Ronald Zehrfeld, Mitte), Dieser bedroht Kripo-Chef Kurt Stich (Thorsten Merten).
Foto: Steffen Junghans/MDR/MadeFor/ARD, dpa

Sieht doch alles erst mal schlüssig aus. Ein Geldbote wird am helllichten Tag vor einem Juwelierladen erschossen. „Raubmord“, mutmaßt Kripo-Chef Kurt Stich (Thorsten Merten), „Exekution“ Kollegin Dorn. Sie und (Ehe-)Partner Lessing sind Zeugen des Verbrechens und verfolgen den Täter. Lessing wird angeschossen, leicht verletzt und zuckelt per Pferdekutsche samt Taxischild zur Erstversorgung in die Gerichtsmedizin (Lessing darf das, Stichwort: abgedreht). Dorn muss also mehr oder weniger allein ran. Ein Hauptverdächtiger ist auch gleich da: der Inhaber der Sicherheitsfirma namens John Geist (Ronald Zehrfeld).

Drei Minuten im neuen Tatort gehen einem fast auf den Geist

Apropos Geist. Die Minuten 37 bis 39 eignen sich für einen Abstecher zum Kühlschrank. Drehbuch-Autor Murmel Clausen, Stammvater vieler brillanter Dialoge zwischen Dorn und Lessing, hat an dieser Stelle den Episodentitel ein bisschen arg wörtlich genommen. Dorn beim Anblick von John Geist mit Waffe in der Hand: „Oh, ich sehe einen Geist.“ Dorn nach dessen detaillierter Erklärung: „Geistreich.“ Und schließlich: „Der Herr Geist hat einen Auftrag von Gott?“ Drei Minuten, die – um im Bild zu bleiben – Gefahr laufen, dem Betrachter auf den Geist zu gehen.

Kira Dorn und Lessing vor der Parkhöhle - einem entscheidenden Ort im neuen Tatort.
Foto: Steffen Junghans/MDR/MadeFor/ARD, dpa

Aber eben nur drei Minuten. Der Rest ist erst gewohnt „weimarisch“, dann ungewohnt ernst, stellenweise zärtlich. Mit Kripo-Chef Stich als heimlichem Star des Geschehens. Aufgewühlt von einer im Raum stehenden Beförderung, ersetzt er Lessing bei der Ermittlung. Er gibt sich sogar dafür her, das Feuer in einer früheren Liebschaft neu zu entfachen, damit Dorn die Dame (und John Geiß) des illegalen Handels mit seltenen Papageien überführen kann. Der Mord aber spielt auf ganz anderer Ebene.

In diesem Krimi aus Weimar ist nichts so, wie es scheint

Was zum Urteil „Mehrfach abgedreht“ führt? Dass in diesem „Tatort“ nichts so ist, wie es scheint. Der Anfang der Geschichte auf einmal neu erzählt wird, eingeleitet von einer, ja der Szene des Films, die fast wie ein Kunstwerk daherkommt. Aus dem Mord ein Doppelmord wird. Und es kein Zufall ist, dass es einen Schriftzug auf der Fassade ausgerechnet jenes alten Hauses gibt, das Dorn und Lessing gerade sanieren. Dieser lautet: Der feine Geist.

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