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Temposünder-Falle
07.06.2019

Erste Stadt wehrt sich mit künstlichem Schlagloch gegen Raser

Schon zu schnell: Wer über 20 km/h fährt, gerät in Hanau in ein künstliches Schlagloch.

Rücksichtslose PS-Protze sollen buchstäblich aufgerüttelt werden: Im hessischen Hanau wird jetzt das erste künstliche Schlagloch getestet.

Raser sollen jetzt am eigenen Leib zu spüren bekommen, dass sie zu schnell sind. Wie die Hessenschau berichtet, hat die Stadt Hanau in einer schmalen Tempo-20-Straße ein künstliches Schlagloch installiert. Geblitzt wird nicht, folglich gibt es auch kein Bußgeld. Die Kommune setzt allein auf den erzieherischen Wert ihrer kleinen Fallgrube.

Künstliches Schlagloch: Jeder zehnte Auto fährt hier zu schnell

Eine schmale Einbahnstraße im Hanauer Zentrum ist den Verkehrsüberwachern schon lange ein Dorn im Auge: Sie kreuzt die belebte Fußgängerzone und wird von Fußgängern, Radlern sowie Motorfahrzeugen geteilt. Deshalb ist hier äußerst verhaltenes Fahren angesagt - es gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 20 Stundenkilometern. Allerdings hält sich längst nicht jeder an dieses Limit: "Fast jedes zehnte Auto fährt hier zu schnell", sagte Stadtrat Thomas Morlock dem Hessischen Rundfunk.

Dabei sind auch sogenannte Auto-Poser im Spiel: Angeber mit PS-starken Schlitten nutzen den starken Publikumsverkehr am Abend und am Wochenende, um sich und ihre Boliden der staunenden Menschheit zu präsentieren. Mobile Radarmessungen haben immer nur kurzfristige Effekte erzielt, und für eine stationäre Anlage ist kein Geld da.

Das künstliche Schlagloch soll die Temposünder wachrütteln

Hanau sucht jetzt neue Wege. Eine Stahlplatte in der Straße soll den Zu-Schnell-Fahrern einen kräftigen Stoß versetzen. Eine Schwelle senkt sich um vier Zentimeter ab, sobald ein Fahrzeug zu schnell daherkommt. Die Erfindung stammt aus Schweden und nennt sich "Actibump". Raser werden per Radar erkannt und mit einem deutlichen Rumpeln im künstlichen Schlagloch bestraft - ein Bußgeld gibt es bei dieser rein erzieherischen Maßnahme aber nicht. Fahrradfahrer können die Schwelle seitlich umfahren, Rettungskräfte setzen sie per Funk außer Funktion.

So sieht das künstliche Schlagloch – eine „Temposchwelle“ – aus.
Foto: edeva, dpa

Der ADAC ist vom künstlichen Schlagloch nicht so begeistert

Der ADAC Hessen-Thüringen teilt die Euphorie der Hanauer Verkehrsexperten nicht vorbehaltlos. Man befürchtet bei vertikalen Einbauten generell Lärm für die Anwohner. Außerdem müsse man das Risiko plötzlicher Bremsmanöver bedenken, durch die nachfolgende Autofahrer und Radfahrer gefährdet werden könnten. Der Automobilclub empfiehlt stattdessen kostengünstigere Bremsschwellen oder Fahrbahn-Verengungen.

Die Hanauer aber sind fest entschlossen, als bundesweit erste Kommune "Actibump" einzuführen - bis zum Spätsommer soll die Anlage stehen. Sie wird rund 50.000 Euro kosten - etwa ein Drittel der Kosten eines stationären Blitzers. (AZ)

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