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Teneriffa
28.04.2019

Drama auf Teneriffa: Deutscher Priester soll Sechsjährigen betreuen

Der Mordfall bei Adeje beschäftigt die kanarische Polizei. Aber auch die spanische Öffentlichkeit nimmt an der Familientragödie auf Teneriffa großen Anteil.
Foto: Andres Gutierrez, dpa

Nach dem Tod einer Frau und ihres Sohnes in einer Höhle auf Teneriffa steht der Ehemann unter Mordverdacht. Der überlebende Sohn wird von einem Priester betreut.

Nach dem tödlichen Familiendrama auf der spanischen Ferieninsel Teneriffa, bei dem eine deutsche Mutter und ihr Sohn in einer Höhle gewaltsam zu Tode kamen, wurden am Freitag neue Einzelheiten bekannt. Demzufolge deutet vieles darauf hin, dass der Ehemann seine 39 Jahre alte Frau und seinen zehnjährigen Sohn während eines Ausflugs in Südteneriffa vorsätzlich umgebracht hat. Gegen den Mann, der inzwischen in U-Haft sitzt, wird nun wegen Mordverdachts ermittelt.

Teneriffa: Vater soll Ehefrau und zwei Söhne in Höhle gelockt haben

Zeugenaussagen zufolge soll der 43-jährige Thomas H. seine Frau und seine zwei Kinder unter dem Vorwand in die Höhle gelockt haben, dort Ostereier versteckt zu haben. In der Höhle schlug der Mann dann offenbar auf seine Frau und den älteren Sohn ein. Der jüngere der beiden Söhne konnte in diesem Moment fliehen und wurde Stunden später von Einheimischen gefunden. Diese brachten ihn zur Polizei, der er von seinen Horrorerlebnissen berichtete. Der mutmaßliche Täter schweigt zu den Geschehnissen.

„Er hatte alles vorbereitet“, glaubt der Bürgermeister des Urlaubsortes Adeje, José Miguel Rodríguez Fraga, der in engem Kontakt mit der Polizei steht. In Adeje, einer Feriengemeinde mit 47.000 Einwohnern im Süden Teneriffas, hatte sich Thomas H., der eigentlich aus Sachsen-Anhalt stammt, schon vor einigen Jahren niedergelassen.

Nach Angaben des Bürgermeisters war seine getrennt von ihm lebende Frau am Ostermontag mit den beiden gemeinsamen Kindern aus Deutschland zu Besuch gekommen. Am Dienstag machten die vier mit einem von Thomas H. gemieteten Leihwagen einen Picknickausflug in die Berge. Thomas H. kutschierte die Familie in die Nähe der bekannten Höllenschlucht, eine wildromantische Naturregion, in der es viele Höhlen gibt.

Sohn beobachtet die Tat auf Teneriffa - Mutter hatte „Mund voller Blut“

„Zunächst schien alles ganz schön gewesen zu sein“, berichtete Annelies B., eine holländische Anwohnerin, die der Polizei als Dolmetscherin bei den Aussagen des überlebenden Sohnes half. „Doch der Vater hatte die Familie belogen“, erklärte die Frau gegenüber spanischen Medien. „Er sagte ihnen, dass er Ostergeschenke in der Höhle habe.“ Und auch zum Tathergang äußerte sich der Kleine, der offenbar sah, wie sein Vater die Mutter und den älteren Bruder attackierte: „Der Junge sagte mir, dass seine Mutter den Mund voller Blut hatte und auf dem Boden lag“, berichtete Annelies B.

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Wäre dem jüngeren Sohn, der wohl sechs Jahre alt sein soll, nicht die Flucht aus der abgelegenen Höhle gelungen, wüsste die Polizei möglicherweise bis heute nichts von dem Verbrechen. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Thomas H. auch seinen kleinen Sohn töten wollte, der nun für die Polizei zum wichtigsten Zeugen geworden ist.

Dank der Angaben des Jungen konnte die Polizei zunächst den Vater und mutmaßlichen Täter fassen, er wurde am späten Dienstagabend in seinem Haus in Adeje festgenommen. Einen Tag später, nach einer längeren Suchaktion mit Spürhunden, konnten die Fahnder auch die Höhle ausfindig machen, in der dann die beiden Leichen entdeckt wurden.

Nun soll sich zunächst ein Priester um den überlebenden Jungen kümmern. Eventuell werde er als Vormund eingesetzt: Der Sechsjährige kenne den Geistlichen aus Deutschland, hieß es. Familienangehörige seien zunächst nicht in der Lage gewesen, von Deutschland aus auf die Kanareninsel zu reisen. Sie hätten den Schock der Nachricht noch nicht verkraftet, berichteten spanische Medien am Samstag.

Ob letztlich die Großeltern mütterlicherseits nach Teneriffa kämen oder eine Tante auf die Insel fliege, sei noch unklar, so die örtliche Zeitung Diario de Avisos. Der Sechsjährige wird seit Dienstag von Sozialarbeitern und Psychologen betreut.

Höhle auf Teneriffa: Vater soll mit Faust- und Steinschlägen getötet haben

Die Polizei vermutet, dass der Verdächtige Frau und Sohn mit Faust- und Steinschlägen tötete. „Alles deutet darauf hin, dass die Mutter und ihr Kind in der Höhle brutal zu Tode geprügelt wurden“, berichtete die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf die Ermittler.

Thomas H. wurde inzwischen mehrfach verhört, doch er streitet offenbar ab, etwas mit dem Tod der beiden zu tun zu haben. Er habe seine Familie während des Familienausflugs in den Bergen Teneriffas verlassen, um alleine mit dem Auto eine Inseltour zu machen, soll er den Ermittlern gesagt haben. Die Verletzungen und Kratzspuren, die er an Armen und Gesicht hatte, habe er sich durch einen Sturz zugefügt. Die Polizei glaubt aber, dass diese Wunden vom Kampf mit seiner Frau und seinem Sohn stammen könnten, die sich möglicherweise gegen ihren Angreifer wehrten.

Update: Ermittler durchsuchen Familien-Wohnung in Halle

Am Samstag haben Ermittler eine Wohnung der Familie in Halle durchsucht. Es gebe ein Amtshilfeersuchen der spanischen Behörden an Justiz und Polizei in Sachsen-Anhalt wegen des Verdachts eines Tötungsdelikts, sagte eine Sprecherin der Polizeiinspektion Halle am Sonntag. Deshalb sei die Wohnung auf weitere Anhaltspunkte durchsucht worden. Weitere Details nannte die Sprecherin jedoch nicht, sie verwies an die Staatsanwaltschaft, wo am Sonntag niemand zu erreichen war.

Für den verdächtigen Familienvater gibt es nach einem Gerichtsbeschluss keine Möglichkeit, auf Kaution aus dem Gefängnis entlassen zu werden. Bei einer mehrstündigen Vernehmung habe sich der Mann geweigert, mit der Justiz zu kooperieren, hieß es. Die Autopsie der Leichen soll in den nächsten Tagen Klarheit über den Tathergang bringen. (mit dpa)

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