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Tierquälerei
01.03.2021

Nach 70 Tagen Irrfahrt im Mittelmeer: 900 Rinder sollen getötet werden

Mehr als zwei Monate war das Frachtschiff „Karim Allah“ mit 900 lebenden Rindern an Bord auf Irrfahrt im Mittelmeer. Jetzt liegt es wieder im Hafen der spanischen Stadt Cartagena.
Foto: Alfonso Duran, Getty Images

70 Tage lang schipperte ein Frachter mit 900 lebenden Rindern von Land zu Land. Jetzt sollen die Tiere eingeschläfert werden. Wie konnte es soweit kommen?

Der äußerliche Eindruck ist wenig vertrauenerweckend. Der ehemals weiße Rumpf der „Karim Allah“ ist mit Rostflecken übersät. Drinnen, in dem mehr als 50 Jahre alten Kahn, dürfte es nicht besser aussehen. In diesem „Schrottschiff“, wie Kritiker den Frachter nennen, waren 70 Tage lang 900 lebende Rinder eingepfercht und auf Irrfahrt im Mittelmeer. In einem Schiffsrumpf, der nur 82 Meter lang und 14 Meter breit ist. „Das ist Quälerei“, empören sich Tierschützer, die im spanischen Mittelmeerhafen Cartagena gegen diesen Viehtransport protestieren.

Über den Zustand der jungen Tiere, die eigentlich von einem spanischen Viehhändler an die Türkei verkauft werden sollten, wurde wenig bekannt. Aber gut ging es den eingesperrten Rindern offenbar nicht. Denn die spanischen Amtstierärzte entschieden nach einer Bordinspektion, dass alle Tiere eingeschläfert werden müssen.

Tierschützer fordern von der EU strengere Kontrollen

Der Fall lenkt den Blick auf umstrittene EU-Exportgeschäfte mit lebenden Tieren, die per Schiff in Länder des Nahen Ostens transportiert werden. Seit Jahren berichten europäische Tierschutzorganisationen über eklatante Missstände. Sie fordern von der EU strengere Kontrollen oder gar ein Ende dieser Transporte.

Die Odyssee der „Karim Allah“, die unter libanesischer Flagge fährt, begann am 18. Dezember, als der Frachter mit seiner lebenden Ladung von Cartagena aus in See stach. Ziel war der türkische Hafen Iskenderun am östlichen Ende des Mittelmeers. Doch als die „Karim Allah“ dort ankam, verweigerten die türkischen Behörden die Entladung, weil einige Tiere angeblich an der Blauzungenkrankheit litten. Diese Virusinfektion ist unter Rindern, Ziegen und Schafen ansteckend, aber nicht auf Menschen übertragbar.

Nach dem Entladeverbot in der Türkei versuchte der spanische Viehhändler seine Fracht an andere Nahost-Länder zu verkaufen. Nach Angaben der spanischen Aufsichtsbehörden steuerte das Schiff zunächst den libyschen Hafen Tripoli an, wo die Entladung aber ebenfalls nicht gestattet wurde. Nach Angaben mehrerer Tierschutzorganisationen, darunter die deutsche „Animal Welfare Foundation“ (AWF), folgten weitere Versuche in tunesischen und italienischen Häfen. Ende Februar legte die „Karim Allah“ dann wieder in Cartagena an.

Ein weiterer Frachter ist auf Irrfahrt im Mittelmeer - mit 1700 Rindern

Eine solche wochenlange Chaosreise ist kein Einzelfall. Ebenfalls seit Dezember ist zum Beispiel der Frachter „Elbeik“ mit spanischem Vieh unterwegs. In diesem Fall stach das Schiff, das im afrikanischen Togo registriert ist, in Tarragona in See. An Bord befanden sich knapp 1700 Rinder. Das Ziel war Libyen. Doch wie schon bei der „Karim Allah“ lehnten die dortigen Behörden die Entladung der Tiere wegen Krankheitsverdachts ab. Anschließend versuchte die „Elbeik“ ihr Glück in Ägypten, dann in Italien. Derzeit soll sie vor Zypern liegen und von dort aus nach Interessenten für das Vieh suchen.

Wie es den Tieren an Bord der „Eilbek“ geht, ist nicht bekannt. Doch die AWF-Tierschützer, die für ein Ende dieser „Qualtransporte“ kämpfen, befürchten, dass bereits viele Rinder gestorben sind. „Durch unsere Einsätze wissen wir, dass es um die Tierschutzbedingungen an Bord bereits nach wenigen Tagen kritisch steht“, erklärt der Verein.

Warum werden jedes Jahr zehntausende junger Rinder und Schafe aus der EU übers Mittelmeer transportiert? Nach Recherchen des Tierschutzbundes Zürich, der mit der AWF kooperiert, geschieht dies, um sich der Überproduktion zu entledigen. „Die Nachfrage nach lebenden Tieren für die Milchproduktion und Schlachtung ist in Ägypten, dem Libanon, in Libyen, Israel, Syrien und in den Maghreb-Staaten groß.“ Die Transportbedingungen seien aber oftmals „katastrophal“. Auch die spätere Schlachtung geschehe meist ohne Betäubung und entspreche nicht den EU-Gesetzen.

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