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25.03.2009

Tödliche Fehde unter Kleingärtnern: Rentner gesteht

Tödliche Fehde unter Kleingärtnern: Rentner gesteht
Bild: DPA

Hildesheim (dpa) - Die Kleingärtner in der Laubenkolonie in Gifhorn stritten jahrelang um Nichtigkeiten, im September 2008 endete die Fehde schließlich in einem blutigen Drama mit drei Toten.

Seit Mittwoch muss sich nun ein 66 Jahre alter Rentner wegen dreifachen Mordes vor dem Landgericht Hildesheim verantworten. Er soll seine Nachbarn mit einem Eichenknüppel getötet haben, zunächst einen 33-Jährigen Mann und dann auch dessen 59 und 66 Jahre alten Eltern, die ihrem Sohn zu Hilfe eilten. "Der Angeklagte hat sich in einem Gebüsch auf die Lauer gelegt, um seine Gartennachbarn auf frischer Tat zu ertappen, wie sie Gartenabfälle unrechtmäßig entsorgen", sagte Staatsanwalt Wolfgang Scholz zum Prozessauftakt.

Der Angeklagte räumte die Tat am Mittwoch zwar ein, bestritt aber, seine Nachbarn mit Absicht getötet zu haben: "Die drei haben mich angegriffen und ich habe mich mit dem Stock nur gewehrt." Er habe nicht geglaubt, dass die drei sterben könnten. "Ich dachte, sie stehen wieder auf und haben nur Kopfschmerzen." Nach dem Obduktionsbericht muss der Mann jedoch mit rasender Wut auf seine Opfer eingeschlagen haben. Die 59-jährige Frau war derart zugerichtet, dass sie nicht gleich einwandfrei identifiziert werden konnte. Auch ihr Sohn hatte nach Angaben des Richters mehrere massive Schädelbrüche erlitten. Ein Spaziergänger hatte die blutüberströmten Leichen entdeckt.

Der Tat waren jahrelange Streitereien zwischen den Laubenpiepern vorausgegangen. Zunächst ging es um überhängende Äste und Gartenabfälle. Später wurden Reifen zerstochen und es gingen sogar mehrere Lauben in Flammen auf. Die Ermittlungen der Polizei verliefen zumeist im Sand.

Tödliche Fehde unter Kleingärtnern: Rentner gesteht

Auch die drei Opfer hatten zunächst ein Grundstück von dem 66-Jährigen gepachtet. "Ich kenne die Familie etwa 30 Jahre. Anfangs hatten wir ein gutes Verhältnis", betonte der Angeklagte. Nach den Laubenbränden, dem auch Dutzende Kaninchen der später getöteten Familie zum Opfer fielen, hatten die drei die Nase voll: Sie mieteten ein neues Grundstück, das nicht mehr dem Angeklagten gehörte, aber noch in direkter Nachbarschaft lag. Die Fehde ging jedoch weiter und konzentrierte sich schließlich auf die Zufahrt zu den Parzellen und das Parken an der nahe gelegenen Straße.

Nach der Tat war der Rentner zwei Tage lang auf der Flucht. Auf einem vier Kilometer vom Tatort entfernten Acker verbrachte er eine Nacht unter Strohballen. Als ihn ein Landwirt aufstöberte, nahm ihn die Polizei fest.

In dem Prozess treten die beiden anderen Söhne des getöteten Paares als Nebenkläger auf. Die 36 und 28 Jahre alten Männer wollen am nächsten Verhandlungstag am 8. April aussagen. "Mein Mandant hat innerhalb weniger Minuten seine halbe Familie wegen eines nichtigen Anlasses verloren. Er leidet noch immer darunter", sagte der Anwalt des jüngsten Sohnes am Mittwoch. Mit einem Urteil wird nicht vor Anfang Mai gerechnet.

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