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Tourismus
29.06.2015

Trotz des Anschlags reisen viele Urlauber weiter nach Tunesien

Nach dem Anschlag sind viele Touristen verunsichert und wollen ihren Tunesien-Urlaub teilweise umbuchen.
Foto: Andreas Gebert (dpa)

Die angespannte Lage in den Ländern Tunesien, Ägypten oder Griechenland sorgt bei Urlaubern für Verunsicherung. Es gibt Umbuchungen, doch viele treten die geplante Reise an.

Attentat in Tunesien, Eurokrise in Griechenland und Ägypten kommt wegen seiner politischen Lage nicht aus den Schlagzeilen... Einen Monat vor Beginn der bayerischen Sommerferien herrscht bei vielen Urlaubern Unsicherheit. Reiseveranstalter, etwa die Tui, haben Hotlines eingerichtet. 500 verunsicherte Kunden hätten ihren Tunesien-Urlaub innerhalb der vergangenen drei Tage umgebucht, sagt Pressesprecherin Susanne Stünckel. Die Kanaren, die Türkei und die Balearen sind in diesem Fall die Ersatzziele.

Doch die Zahl der Anrufer sei mittlerweile sinkend. Das Gros werde wohl nach dem bisherigen Stand seinen gebuchten Urlaub in Tunesien antreten, sagt Stünckel. Zahlen, wie viele Tui-Gäste ihren Sommerurlaub in dem nordafrikanischen Land gebucht haben, gibt Tui allerdings nicht bekannt. Unmittelbar nach dem Attentat haben sich 250 deutsche Tui-Urlauber ausfliegen lassen, 3500 Tui-Urlauber sind im Land geblieben.

Tunesien als Touristen-Magnet

Tunesien galt bis zu diesem Wochenende in der Reisebranche als touristischer Hoffnungsträger in Nordafrika. Das Land hatte nach dem Arabischen Frühling schnell zu einer Demokratie gefunden. Rund 400000 deutsche Urlauber verbrachten seit 2012 jährlich ihre Ferien in Tunesien. Selbst nach dem Anschlag im Januar auf Museumsbesucher in Tunis brachen die Buchungszahlen nicht ein.

Die Tui, Deutschlands führender Reiseanbieter, hatte sein Angebot für diesen Sommer deutlich ausgebaut, die Flugkapazitäten um 54 Prozent erhöht. Noch im Mai verzeichnete das Land zweistellige Buchungszuwächse, erklärt Thorsten Schäfer, Sprecher des Deutschen Reise-Verbandes (DRV). Dass die Touristen nun erst einmal fernbleiben dürften, verstehen viele Tunesier, heißt es in einem Bericht der Deutschen Presseagentur. Zugleich bangen Hotelangestellte, Händler und andere vom Tourismus Abhängige nun um ihre Zukunft.

„Das ist ein tödlicher Schlag für den Tourismus“, sagt Ali Soltani, Händler in der Altstadt von Sousse. „Das ist mehr als eine Katastrophe, es gibt nun für mehrere Jahre keine Hoffnung“, glaubt er. Das Auswärtige Amt hat seinen Reisehinweis für Tunesien aktualisiert: Da die Hintergründe der Tat noch nicht vollkommen aufgeklärt seien, werde insbesondere in der Region um Sousse „zu besonders umsichtigen Verhalten und größter Vorsicht geraten“.

Ägypten fehlen die Urlauber

Wie es ist, wenn die Urlauber plötzlich ausbleiben, spürt seit einigen Jahren Ägypten – einst ein Lieblingsbadeland der Deutschen. Eine Million Bundesbürger verbrachten hier Jahr für Jahr ihre Ferien. Das war vor dem Arabischen Frühling 2010. Inzwischen liegt der Tourismus vor allem im Landesinneren am Boden. Der einstige Klassiker unter den Bildungsreisen, die Nilkreuzfahrt mit Besuch der Tempel und Pharaonengräber ist so gut wie gar nicht mehr gefragt. Die touristische Branche versucht, irgendwie zu überleben. Die Droschkenkutscher erhalten sogar Lebensmittelpakete vom Staat.

Wie unsicher die Lage noch immer ist, zeigen zwei Vorfälle: Vor gut zwei Wochen, am 10. Juni, gab es in den Tempelanlagen von Karnak bei Luxor einen Anschlag, bei dem die zwei Angreifer getötet wurden. Touristen kamen nicht zu Schaden. Anfang Juni wurden in der Nähe der Gizeh-Pyramiden bei einem Angriff zwei Polizisten erschossen.

An den Badeorten am Mittelmeer und Roten Meer herrscht scheinbar Urlaubsalltag, doch viele Hotelbetten bleiben leer. Dazu das Auswärtige Amt: Bei Reisen nach Ägypten einschließlich der Touristengebiete am Roten Meer wird generell zu Vorsicht geraten. Wenngleich die Behörde ebenfalls bemerkt: „Für die ganz überwiegende Mehrheit der deutschen Reisenden verlaufen die Aufenthalte im Land ohne Probleme.“

Die deutschen Reiseanbieter haben zuletzt ihre Angebote für Ägypten erhöht. Das Buchungsplus allein bei der Tui liegt bei 17 Prozent, doch an die alten goldenen Zeiten kann noch lange nicht angeknüpft werden.

Griechenland verbucht Rekordjahr

Die Flieger nach Griechenland sind hingegen in diesen Tagen voll, sagt Tui-Sprecherin Anja Braun. Bei den für Griechenland-Urlauber eingerichteten Hotlines werde nur vereinzelt nach den Möglichkeiten gefragt, die gebuchte Reise zu stornieren. Wie auch die Reiseveranstalter DER Touristik und Thomas Cook bestätigen, hätten sich lediglich einzelne Urlauber über Zahlungsmöglichkeiten in ihrer Ferienregion erkundigt. Da aber viele einen All-Inklusive-Urlaub gebucht hätten, seien die meisten nicht um ihren Urlaub besorgt.

Die Eurokrise und das schlagzeilenträchtige Ringen um die EU-Hilfsmittel, scheint vielen die Lust auf einen Urlaub in Hellas nicht genommen zu haben. „Griechenland ist nach wie vor eines der beliebtsten Urlaubsländer der Deutschen“, betont DRV-Sprecher Thorsten Schäfer. Die Buchungen liegen dieses Jahr leicht über dem Niveau des Vorjahres. Und das vergangene Jahr war für die Griechen ein Rekordjahr.

Allgemein beobachten Touristiker, dass Urlauber routinierter mit Krisen und Terroranschlägen umgehen, so Schäfer. Mit den Anschlägen 2001 in New York sei Reisenden bewusst geworden, dass es keine hundertprozentige Sicherheit geben könne. Wenn ein Ziel gemieden werde, seien wesentlich häufiger die Kosten der Grund dafür.

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