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Tragödie
03.09.2021

Schwestern ertrinken auf Mallorca: Wie konnte das passieren?

Ein Schild verbietet das Schwimmen am Strand von Cala Mendia in Manacor auf Mallorca. Zwei junge Urlauberinnen sind hier ertrunken.
Foto: Clara Margais, dpa

Der Tod zweier deutscher Touristinnen erschüttert Mallorca. Gleichzeitig sorgt heftiger Starkregen für Millionenschäden und Überflutungen in der ganzen Mittelmeerregion.

Nach der bisher schlimmsten Badetragödie des Jahres auf Mallorca flattern rot-weiße Absperrbänder am Strand im Wind. Ein frisch gepinseltes Schild warnt in der idyllischen Bucht namens Cala Mandia im Osten der Insel: „Danger“ – also „Gefahr“. Darunter steht auch auf Deutsch: „Baden verboten.“ Meterhohe Wellen rollen den Sandstrand hinauf.

In der Nacht zum Donnerstag starben hier die beiden deutschen Schwestern Hannah-Sophie und Vanessa A. in der aufgewühlten Brandung. Die beiden 23 und 25 Jahre alten Urlauberinnen aus Nordrhein-Westfalen waren nach den polizeilichen Ermittlungen gegen zwei Uhr morgens ins Meer gestiegen. Sie ahnten nicht, dass sich hier bei unruhiger See gefährliche Wirbel bilden, welche die Badenden unter Wasser oder ins offene Meer hinaus ziehen können.

Nachts sind keine Rettungsschwimmer auf Mallorca unterwegs

Die jungen Frauen, die mit vier Freundinnen den nächtlichen Strandausflug unternommen hatten, wussten offenbar auch nicht, dass die Behörden eine Unwetterwarnung für die gesamte Insel herausgegeben hatten. Die Rettungsschwimmer hissten deswegen am Tag vor dem Unglück die rote Flagge. Die bedeutet: Lebensgefahr und totales Badeverbot.

Starker Wellengang ist auf Mallorca nicht selten.
Foto: Clara Margais, dpa

Doch nachts patrouillieren keine Rettungsschwimmer, die nur in der Helligkeit den Strand bewachen. Nach Dienstschluss signalisieren auch keine Flaggen, ob Baden erlaubt ist oder nicht, denn sie werden abends meist eingeholt. Das Warnschild und das Absperrband wurden offenbar ebenfalls erst nach der tödlichen Nacht angebracht.

Die Einheimischen kennen das Risiko an der Cala Mandia. „Das ist eine gefährliche Bucht“, sagt eine Frau, die hinter dem Absperrband steht. „Die Strömungen sind manchmal so stark, dass man nicht zurückkommt.“ Auch Rettungsschwimmer Ernest, der hier am Tag über das Wohl der Badegäste wacht, berichtet im spanischen Fernsehen: „Am Tag vor dem Unglück mussten wir mehrere Leute retten, die trotz roter Flagge ins Wasser gegangen waren.“

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Sechs Tote in einem Monat auf Mallorca

Als am frühen Donnerstagmorgen gegen 2.30 Uhr nach einem Notruf die Rettungskräfte in der Bucht eintrafen, fanden sie laut Polizeibericht eine der beiden Frauen leblos im Sand. Nach Polizeiangaben war sie von einem weiteren nächtlichen Strandbesucher, einem 30-jährigen deutschen Mann, aus dem Wasser gezogen worden. Die Frau konnte zwar zunächst wiederbelebt werden, starb jedoch Stunden später im Krankenhaus. Der Körper der zweiten Frau wurde kurz darauf von Polizisten im Wasser entdeckt. Mithilfe von Seilen bildeten mehrere Beamte eine Rettungskette und konnten so die Urlauberin bergen. Alle Wiederbelebungsversuche am Strand blieben erfolglos.

Es ist nicht das erste Badeunglück in diesem Sommer auf Mallorca. Immer wieder unterschätzen Touristinnen und Touristen die Gefahren des Mittelmeeres. Allein im vergangenen Monat ertranken sechs Menschen auf der Insel. Zuletzt war ein 80-jähriger Deutscher an der Playa de Palma, dem bekanntesten Strand Mallorcas, im Wasser umgekommen.

Nicht nur für Mallorca, sondern für die gesamte Mittelmeerküste galt in den vergangenen Tagen eine Unwetterwarnung. In den Mittelmeerregionen Katalonien, Valencia und Murcia sorgte ungewöhnlich heftiger Starkregen für Millionenschäden und Überflutungen. Dutzende Autos wurden von Sturzfluten mitgerissen. Etliche Menschen mussten aus der Luft aus ihren Häusern oder Fahrzeugen gerettet werden.

Am schlimmsten traf es den Ort Alcanar im Süden Kataloniens. Dort regnete es in wenigen Stunden 250 Liter pro Quadratmeter – die Hälfte der üblichen Niederschlagsmenge eines ganzen Jahres. Das Wasser setzte Häuser unter Wasser, riss Straßen weg und spülte Autos ins Meer, ein Campingplatz konnte im letzten Moment evakuiert werden.

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