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Erdbeben

13.11.2017

Über 300 Tote bei schwerem Beben an Grenze zwischen Iran und Irak

Menschen stehen fassungslos vor einem vom Erdbeben zerstörten Gebäude in Sarpol-E-Zahab, Iran.
Bild: Pouria Pakizeh, Iranian Students News Agency/AP/dpa

Ein heftiger Erdstoß erschüttert die Kurdengebiete in der Grenzregion. Die Zahl der Toten steigt im Minutentakt.

Ein schweres Erdbeben in der Grenzregion zwischen dem Iran und dem Nordirak hat Dutzende Menschen in den Tod gerissen. Dem iranischen Innenministerium zufolge gab es am Montag 348 Tote und 6600 Verletzte. Weitere Opfer wurden befürchtet. Irans Präsident Hassan Ruhani wird am Dienstag die Erdbebengebiete besuchen. Am Montag versprach er den von dem Beben betroffenen Menschen jede mögliche Hilfe. Das Beben habe für alle Ministerien höchste Priorität, so der Präsident.

Das Zentrum des Erdbebens lag in der iranischen Provinz Kermanschah

Es war der stärkste Erdstoß seit fast 30 Jahren in der Region: Das Erdbeben der Stärke 7,3 hatte am Sonntagabend die südlichen Kurdengebiete in der Grenzregion erschüttert. Nach Angaben des Geoforschungszentrums Potsdam lag das Zentrum des Bebens in etwa 34 Kilometern Tiefe in der iranischen Provinz Kermanschah rund 500 Kilometer westlich der Hauptstadt Teheran. Später am Abend wurde ein Nachbeben der Stärke 4,5 registriert, bis Montagmittag gab es über 140 Nachbeben in mehreren Provinzstädten.

Die betroffene Gegend ist eine abgelegene Bergregion, die relativ dünn besiedelt ist. Nach Angaben der Hilfsorganisation Roter Halbmond waren besonders die drei Grenzstädte Sare Pole Sahab, Ghassre Schirin und Asgal von dem Beben betroffen. In diesen drei Städten wurden die meisten Tote gezählt. In der Provinzhauptstadt Kermanschah gab es weniger Tote und Schäden, trotzdem verbrachten zahlreiche Menschen die Nacht aus Angst vor weiteren Beben außerhalb im Freien.

Das Erdbeben in Kermanschah war das schlimmste seit 1990

Die Krankenhäuser in Kermanschah, wo die meisten Verletzten behandelt werden, sind laut Augenzeugen überfordert. Das Gesundheitsministerium in Teheran hat daher mehr als 100 Ärzte in die Region entsandt, um in mobilen Kliniken in den Grenzstädten den Menschen zu helfen. Die Schwerverletzten werden nach Teheran geschickt.

Das Beben in Kermanschah war das schlimmste seit 1990. Damals gab es in Rudbar in der nordiranischen Gilan Provinz eine Erschütterung der Stärke 7,4. Mehr als 35.000 Menschen kamen ums Leben. Ein verheerendes Beben gab es 2003 in Bam in Südostiran mit über 26.000 Toten. Das letzte größere Beben in der Kermanschah-Provinz war laut Medienberichten 1847.

Bergungsarbeiten konnten erst acht Stunden nach dem Erdbeben beginnen

Die Schulen in den gesamten Grenzprovinzen zum Nordirak sollten am Montag geschlossen bleiben. Mehrere kurdische Medien berichteten übereinstimmend, das Beben sei in zahlreichen kurdischen Städten und Provinzen wie Halabdscha, Erbil und Duhok zu spüren gewesen. Die irakischen Grenzstädte Halabdscha und Sulaimaniyya riefen Medienberichten zufolge den Notstand aus.

Die Hilfsorganisation Roter Halbmond in der Türkei sowie das türkische Gesundheitsministerium sagten den Betroffenen ihre Hilfe zu. Laut einem Bericht des kurdischen Fernsehsenders Rudaw will der Rote Halbmond unter anderem 3000 Zelte, jeweils 10.000 Betten und Decken sowie mobile Küchen und Heizgeräte in die Region senden. Auch das International Rescue Committee (IRC) teilte auf Twitter mit, man beobachte die Situation in dem Erdbebengebiet und halte sich für Einsätze bereit.

 

Rettungskräfte konnten erst acht Stunden nach dem Beben ihre Bergungsarbeiten richtig beginnen. Sie mussten warten, bis es in den betroffenen Gebieten wieder hell wurde. Danach stiegen die Opferzahlen fast im Minutentakt.

Opferzahl im Irak ist vergleichsweise geringer als im Iran

Auf irakischer Seite gab es weniger Opfer. Acht Menschen seien im Nordirak getötet worden, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Zudem seien 535 Personen verletzt worden. Die Behörden in den kurdischen Orten Sulaimanija und Halabdscha gaben Angestellten am Montag für die Aufräumarbeiten frei. In der Region wurden Hunderte Häuser zerstört. Die bergige Region um Sulaimanija im Südosten der Region Kurdistan ist bei der vornehmlich kurdischen Bevölkerung ein beliebtes Urlaubsgebiet.

Mittelamerika: Auch in Costa Rica bebte am Sonntag die Erde

Kurze Zeit nach dem Beben in der Grenzregion zwischen dem Iran und dem Nordirak erschütterte ein ähnlich starkes Erdbeben am Sonntagabend auf der anderen Seite der Welt die Pazifikküste von Costa Rica. Das Zentrum des Bebens der Stärke 6,4 lag südöstlich des Badeortes Jacó im Pazifik, vor der Westküste des mittelamerikanischen Landes, wie die nationale seismologische Beobachtungsstelle mitteilte. Demnach wurden in der Region mehrere Nachbeben registriert, das heftigste mit einer Stärke von 5,1.

Berichte über Verletzte oder Schäden gab es zunächst nicht. Die Küstenregion ist vor allem bei Surfern beliebt. In der Stadt Alajuela kam es zu Stromausfällen, wie die Zeitung La Nación berichtete. Die gesamte Westküste des amerikanischen Doppelkontinents liegt am sogenannten Pazifischen Feuerring, der für seine seismische Aktivität bekannt ist. dpa/AZ

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