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Vergewaltigungsvorwurf
22.09.2021

Auf Schloss Balmoral: Versteckt sich Prinz Andrew vor der Justiz?

Eine US-Amerikanerin wirft dem britischen Prinzen Andrew vor, sie als 17-Jährige missbraucht zu haben und verlangt Schadenersatz.
Foto: Steve Parsons, dpa

Der britische Prinz soll eine Minderjährige missbraucht haben. Die Zustellung der Klage erweist sich nun als kompliziert - denn Andrew hat sich verschanzt.

Schloss Balmoral im Norden Schottlands, inmitten von Wäldern gelegen, erinnert mit seinen Erkern und Türmen an eine Zeit, in der man sich durch dicke Mauern und breite Gräben vor unerwünschten Besuchern schützen konnte. Genau das scheint auch der britische Prinz Andrew zu wollen, der sich seit Wochen schon auf dem königlichen Anwesen aufhält. Und das, obwohl seine älteste Tochter am Wochenende in einem Londoner Krankenhaus ein Kind zur Welt brachte.

Andrew soll auf Jeffrey Epsteins Anwesen eine Minderjährige vergewaltigt haben

Beobachter vermuten, dass der 61-Jährige Balmoral nicht verlässt, weil er sich einer Zivilklage entziehen möchte. Die 38-jährige US-Amerikanerin Virginia Giuffre wirft ihm vor, sie als Minderjährige sexuell missbraucht zu haben; drei Mal, auf den Anwesen des mittlerweile toten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein – in London, New York und auf den Jungferninseln. Der Prinz wies stets alle Vorwürfe zurück. Und doch ist die Lage für ihn ernst.

So ernst, dass sich nicht nur er, sondern das ganze Königshaus verschanzt, um die Klage abzuwehren? Zumindest scheiterten Versuche, die entsprechende Benachrichtigung eines US-Gerichtes an ihn zu überbringen. Im August hatte ein beauftragter Bote sogar versucht, die Dokumente an der Pforte des „Windsor Great Park“ abzugeben – am Schloss Windsor also, einem der Hauptwohnsitze der Queen. Zunächst vergebens. Erst einen Tag später erklärte sich ein Polizist bei einem erneuten Besuch des Boten bereit, den Umschlag an die zuständige Stelle weiterzuleiten.

In einem ausführlichen Interview mit der BBC spricht Prinz Andrew über sein Verhältnis zu Jeffrey Eppstein.

David Boies, Guiffres’ Anwalt, ging daraufhin davon aus, dass die Dokumente den Prinzen erreicht hätten. Doch Mitte September sei er eines Besseren belehrt worden, berichtete der Sender BBC. Denn: Andrew Brettler, Andrews Anwalt in den USA, behauptete, der Herzog von York wisse von nichts und überdies solle doch ein britisches Gericht damit betraut werden, Andrew über die Klage zu informieren. Boies schickte den Brief daraufhin an besagten Anwalt in den USA – per E-Mail und FedEx. Die Dokumente seien am Montag (Ortszeit) im Büro von Andrews Anwalt in Los Angeles abgegeben worden, hieß es jetzt zumindest von den Anwälten der Klägerin.

Der Prinz könnte sich dem Gericht in New York stellen - oder sich weiter verstecken

Laut Amber Melville-Brown von der internationalen Anwaltskanzlei Withers hat der Prinz ab dem Zeitpunkt der Zustellung der Klage vier Möglichkeiten. „Keine davon ist besonders attraktiv“, sagt sie. Er könne die Vorwürfe ignorieren, sie anfechten, gestehen oder versuchen, sich zu einigen. Ob er sich dem New Yorker Gericht stellt, sei ihm überlassen, erklärt Nick Goldstone von der Kanzlei Ince. Tut er dies nicht, kann es sein, dass der Fall in seiner Abwesenheit verhandelt wird. Dann könne er sich nicht gegen die Vorwürfe verteidigen.

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Beobachter kritisieren schon seit einer Weile die Katz-und-Maus-Strategie von Andrews Anwälten. Sie finden, dass diese Giuffre in die Hände gespielt habe. Die Tageszeitung Telegraph berichtete von regelmäßigen Krisensitzungen auf Schloss Balmoral. Die Befürchtung: „Eine Mauer des Schweigens“ könne der Monarchie schaden. Dass es aber auch schief gehen kann, sich öffentlich zu äußern, hat Prinz Andrew 2019 spektakulär bewiesen. Damals stellte er sich den Fragen der BBC-Journalistin Emily Maitlis. Was als Befreiungsschlag gedacht war, endete in einem Desaster. Er verlor kein Wort der Reue über die Freundschaft mit dem verurteilten Sexualstraftäter Epstein.

Es existiert ein Beweisfoto der damals 17-Jährigen und Prinz Andrew

Schlimmer noch: Auch an die Begegnung mit der damals 17-jährigen Giuffre könne er sich nicht erinnern, behauptete er. Und das, obwohl ein Foto existiert, auf dem er sie umarmt. Giuffre erneuerte zwei Wochen später ihre Vorwürfe gegen den Prinzen, ebenfalls in einem Interview mit der BBC. „Es dauerte nicht sehr lange, die ganze Prozedur. Es war ekelhaft“, sagte sie.

Ob ihre Vorwürfe der Wahrheit entsprechen, darüber muss das Gericht entscheiden. Innerhalb des Königshauses hatte die Freundschaft zwischen Prinz Andrew und Jeffrey Epstein jedoch bereits Konsequenzen: Er legte auf Druck der Royals, vor allem von Prinz Charles, alle seine öffentlichen Ämter nieder. Die Queen scheint weiter zu ihm zu halten – sie leistet ihm aktuell Gesellschaft auf Schloss Balmoral.

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