Newsticker
Holetschek: Hälfte der Menschen in Bayern vollständig geimpft
  1. Startseite
  2. Panorama
  3. Virus nicht nachweisbar: Medizinischer Durchbruch? Drei Patienten womöglich von HIV geheilt

Virus nicht nachweisbar
13.03.2019

Medizinischer Durchbruch? Drei Patienten womöglich von HIV geheilt

HIV-1 (Retroviren) in einer kolorierten Ultradünnschnitt-Aufnahme eines Transmissions-Elektronenmikroskops.
Foto: Hans R. Gelderblom/Robert Koch Institut (dpa)

Bei zwei HIV-Erkrankten konnte das Virus bereits nicht mehr nachgewiesen werden. Möglicherweise ist mit dem "Düsseldorfer Patienten" ein dritter Mensch von HIV geheilt worden.

Nach dem "Berliner Patient" und dem "Londoner Patient", wird nun vom "Düsseldorfer Patient" in der Wissenschaft und Medienwelt gesprochen: Nach einer speziellen Stammzelltransplantation in Düsseldorf sei bei einem Mann das HI-Virus aktuell nicht mehr nachweisbar. Allerdings sei es noch zu früh, um von einer Heilung zu sprechen, teilte die Universität Düsseldorf mit . Der Patient habe erst vor dreieinhalb Monaten Medikamente abgesetzt, die die Vermehrung des HI-Virus unterdrücken. Der Düsseldorfer Fall wurde bislang nicht in einem begutachteten Fachjournal publiziert. Die angewandte Therapie kommt nur unter sehr speziellen Bedingungen für HIV-Infizierte in Frage. Zuvor hatten andere Medien über den Fall berichtet.

Die Stammzelltransplantation war bei dem Patienten wegen einer Form von Blutkrebs notwendig geworden. Das Besondere daran: Der Spender hat in seinem Erbgut eine sehr seltene Mutation, die ihn immun gegen bestimmte Formen des HI-Virus macht, wie es in einer Mitteilung des Forschungsnetzwerks Icistem heißt. Davon profitierte nun auch der "Düsseldorfer Patient". Über seine Identität wollte die behandelnde Uniklinik am Donnerstag keine Angaben machen. Auch die Deutsche Aids-Hilfe schreibt auf ihrer Internetseite, dass es sich um den dritten Menschen weltweit handeln könnte, bei dem eine Heilung gelungen ist.

Erfolg der Heilung vom HI-Virus bei Patienten ist noch ungewiss

Ob der Patient dauerhaft frei von HIV bleibt, muss sich aber erst noch zeigen. So sind einige HIV-Patienten bekannt, bei denen nach einer Stammzelltransplantation das Virus mehrere Monate nicht nachweisbar war - obwohl ihr Spender die besondere Mutation gar nicht in sich trug. In diesen Fällen kam der Aids-Erreger später aber wieder zurück. Doch auch die kurzzeitigen Erfolge der Therapie helfen den Forschern, das Virus besser zu verstehen: "Die aktuellen Therapieerfolge zeigen uns wichtige Mechanismen der Funktionsweise der HIV-Infektion und eventuelle künftige Therapieansätze", so Prof. Dr. Dieter Häussinger, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie des Universitätsklinikums Düsseldorf.

Vor wenigen Tagen wurde im Fachblatt "Nature" über einen ähnlichen Fall berichtet: In London waren einem HIV-Infizierten wegen einer Art Lymphdrüsenkrebs ebenfalls Stammzellen mit der seltenen Mutation transplantiert worden. Er war eineinhalb Jahre nach Absetzen der HIV-Medikamente noch virenfrei. Beide Fälle waren auf einer Fachkonferenz in Seattle vorgestellt worden. Der erste Fall dieser Art war der sogenannte "Berliner Patient", bei dem eine ähnliche Behandlungsmethode 2007 in Berlin erfolgreich war.

HIV-Erkrankungen sind mittlerweile gut behandelbar

Doch selbst wenn die Behandlung der drei genannten Patienten sich als dauerhaft erfolgreich erweist, ist die Methode der Stammzellentransplantation nur für Ausnahmefälle geeignet, erklärt die Deutsche Aids-Hilfe in ihrem Statement. So sei der Eingriff riskant und nur bei dringender Fällen einzusetzen. Laut der New York Times werden zurzeit 38 Patienten mit HIV nach einer solchen Operation beobachtet.

Insgesamt sind die derzeitigen Medikamente zur HIV-Behandlung für alle Erkrankten geeignet. Wobei hierbei nicht die Viren aus dem Körper entfernt werden können, sondern die Virenvermehrung unterdrückt wird. Damit bietet die Behandlung, bei früher Diagnose und frühem Behandlungsbeginn, gute Chancen auf ein normal langes Leben ohne größere körperliche Beschwerden und verhindern auch die Übertragung von HIV, so die Deutsche Aids-Hilfe. (AZ/dpa)

Uni zu Düsseldorf-Patienten

Icistem-Mitteilung

Deutsche Aids-Hilfe zu den beiden Fällen

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.