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Sorge um Artenvielfalt

23.07.2019

Von wegen süß: Australien will zwei Millionen wilde Katzen töten lassen

Katzenplage in Australien: Eine verwilderte Katze hat einen Vogel erbeutet. Die Regierung geht mittlerweile gegen die Tiere vor.
Bild: Mark Marathon/Threatened Species Recovery Hub/AAP, dpa

Von allen Fressfeinden sind Katzen für heimische Arten in Australien die größte Gefahr. Die Regierung will bis 2020 nun zwei Millionen von ihnen töten.

Süße Samtpfoten oder gefährliche Vierbeiner – unter australischen Artenschützern fällt das Urteil über Katzen ziemlich eindeutig aus. Von den zahlreichen Tieren wie Schweinen, Pferden, Hasen oder Füchsen, die europäische Siedler auf ihren Schiffen im 18. Jahrhundert nach Australien mitbrachten, waren es nämlich die beliebtesten Haustiere Deutschlands, die den heimischen Arten den größten Schaden zufügten. Gerade sie trugen nach Angaben des australischen Umweltministeriums dazu bei, dass 27 Säugetierarten ausstarben und 124 Spezies bedroht sind.

Australien will zwei Millionen wildlebende Katzen töten

Australien ist mit fast 7,7 Millionen Quadratkilometern mehr als zwanzig mal so groß wie Deutschland, kommt aber lediglich auf 25 Millionen Einwohner. Neben den verwilderten Katzen, deren Zahl auf zwischen zwei und 6,3 Millionen geschätzt wird, gibt es etwa 3,9 Millionen Hauskatzen. In Deutschland sind es fast doppelt so viele. Freilebende Katzen sind oft Nachkommen von nicht kastrierten Hauskatzen oder auch ausgesetzten Tieren.

2015 zog die australische Regierung angesichts der dramatischen Ausmaße des Übels die Handbremse, erklärte wilde Katzen zu einer Plage und ergriff drastische Maßnahmen: Bis 2020 sollen zwei Millionen wildlebender Katzen getötet werden. Das Ziel: mehr als 100 bereits gefährlich dezimierte und nur in Australien vorkommende Arten vor dem Aussterben zu retten, darunter Vögel, Frösche, Grashüpfer, Schildkröten, Käfer und Krustentiere. Seitdem rücken den ungeliebten Vierbeinern Rangers in den Nationalparks mit Giftködern und Fallen zu Leibe, während Jäger oder Farmer auf ihrem eigenen Land zu Gewehren greifen.

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Katzen sind in Australien nicht heimisch

Mehr als eine Million heimischer Vögel fallen pro Tag Katzen zum Opfer. „Bei Reptilien ist die Zahl noch höher – rund 650 Millionen sterben pro Jahr durch Katzen“, sagt Wissenschaftlerin Sarah Legge von der Australian National University in der Hauptstadt Canberra. Diese Zahlen basieren auf einer Studie, die das Magazin Wildlife Research 2018 veröffentlichte. Dafür hatten Forscher die Nahrung von 10.000 Katzen landesweit untersucht. Im Magen eines einzigen Tieres fanden sie 40 Eidechsen. Katzen haben nicht viele natürliche Feinde „down under“ – lediglich Dingos, Füchse und Keilschwanzadler.

Nach ihrer Ankunft auf den Siedlerschiffen brauchten Katzen in Australien „die nächsten 20 bis 30 Jahre, um im Raum Sydney Fuß zu fassen“, erzählt Legge. Binnen der folgenden 100 Jahre seien sie auf fast der ganzen Insel zu finden gewesen. Zu ihren „Opfern“ gehören heimische Arten wie Kaninchen-Ratten oder Hüpfmäuse, die mittlerweile ausgestorben sind.

Tierschützer fordern Sterilisierungskampagnen

Allein 2016, dem ersten Jahr der Offensive, wurden in Australien geschätzte 211.000 Katzen getötet. Ein aktueller Bericht lässt bislang auf sich warten. Widerstand gegen die Aktion gibt es auch von Tierschützern wenig. Die Tierrechtsorganisation Peta sehe die Notwendigkeit, die Population der verwilderten Katzen zu kontrollieren, sagte Sprecherin Aleesha Naxakis. Die Methoden sollten allerdings sorgfältig gewählt werden. „Ob Katze oder Känguru – alle Tiere haben den gleichen Wunsch, ohne Schmerzen zu leben und zu sein. Wir schulden es ihnen, humane Lösungen zu finden, um ihre Zahl zu reduzieren.“ Als wirksame Lösung plädiert sie für Sterilisierungskampagnen.

In Deutschland stehen auf dem Speiseplan von Katzen am häufigsten Säugetiere wie Mäuse, danach Vögel, Amphibien und zuletzt Reptilien, wie Lars Lachmann vom Naturschutzbund Nabu sagt. Er schätzt, dass Katzen im Jahr rund 20 bis 100 Millionen Vögel töten. Auch hierzulande gibt es die frei lebenden Artgenossen der domestizierten Samtpfoten. Nach Angaben des Deutschen Tierschutzbunds stammen sie oft von nicht kastrierten Hauskatzen ab, die nicht mehr heimgefunden haben. „Deshalb raten wir dringend dazu“, heißt es auf der Homepage des Bunds, „die eigene Katze nicht nur zu kastrieren, sondern auch zu kennzeichnen und zu registrieren – damit sie wieder sicher nach Hause gelangt, wenn ein Finder sie aufnimmt.“ (dpa/sari)

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23.07.2019

Kaninchen, Katzen, Ratten und andere importierte Tiere oder Pflanzen haben der einheimische australischen Flora & Fauna in den letzten beiden Jahrhunderten extrem geschadet; kein Wunder wenn seitens Australien Schutzmaßnahmen eingeleitet wurden.
Schwierig wird es nur, wenn sog. "Gutmenschen" die Situation bewerten, ohne Vorort-Kenntnisse zu besitzen.

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