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Mecklenburg-Vorpommern

03.07.2019

Waldbrand in Mecklenburg: Erste Bewohner dürfen Nachhause

Beim Waldbrand bei Lübtheen kommen auch Hubschrauber der Bundespolizei wie dieser hier zum Einsatz.
Bild: Jens Büttner (dpa)

Noch immer ist der Waldbrand bei Lübtheen nicht gelöscht. Doch es gibt gute Neuigkeiten: Die ersten Bewohner dürfen zurück in ihre Häuser kehren.

Seit Sonntag sind die Einsatzkräfte rund um die Uhr mit dem verheerenden Waldbrand auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern beschäftigt. Nun scheint sich die Lage erstmals leicht zu entspannen: So konnten am Mittwoch bereits einige Bewohner in ihre vorsorglich geräumten Häuser zurückkehren.

Waldbrand: Die ersten Bewohner dürfen wieder Nachhause

Zuerst wurde der Ort Trebs freigegeben. Am Mittwoch soll noch das südwestlich gelegene Jessenitz-Werk folgen. Stefan Sternberg, der SPD-Landrat des betroffenen Landkreises Ludwigslust-Parchim, erklärte dazu: "Wir haben das Feuer das erste Mal im Griff." Allerdings könne noch keine Rede von einer generellen Entspannung sein, fügte der Chef des Einsatzstabs hinzu.

Das Feuer dehne sich aber nicht mehr aus, sagte Sternberg. Nicht nur der Dauereinsatz der Feuerwehrkräfte, sondern auch die kühleren Temperaturen und besonders die Unterstützung der Bundeswehr durch Räumpanzern habe dazu beigetragen. "Das Feuer ist eingekesselt. Die Schlinge, die geplant war, zeigt Wirkung", meinte der Landrat.

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Aktuell bleiben die Orte Volzrade und Alt Jabel gesperrt. Zwar wurden dort die Flammen von 50 Meter auf 300 Meter Abstand zu den Häusern zurückgedrängt, doch noch ist keine Sicherheit für die Orte gegeben. Somit können laut Sternberg etwa 400 Menschen bislang nicht in ihren Häuser zurückkehren.

Laut Sternberg sind etwa 1200 Hektar des 6000 Hektar großen früheren Übungsplatzes erfasst.

Ministerpräsidentin Schwesig kam nach Lübtheen

Am Dienstagabend kam auch Mecklenbug-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) nach Lübtheen, um sich vor Ort ein Bild der Lage zu machen. Sie habe ihren Urlaub in Frankreich unterbrochen, um Feuerwehrleuten, Polizisten, Bundeswehrangehörigen, den vielen Helfern und auch den betroffenen Anwohnern den Rücken zu stärken, erklärte Schwesig. Zur Unterstützung der Feuerwehren, die vom Rand her das Ausbreiten der Flammen unterbinden, waren am Dienstag erstmals auch Wasserwerfer der Polizei im Einsatz. 

Allerdings stehen die Helfer nun vor einem neuen Problem: Die Dauerbewässerung der Randflächen beim verheerenden Waldbrand auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Lübtheen hat Folgen, das Löschwasser wird knapp. Wie der Landrat des Kreises Ludwigslust-Parchim, Stefan Sternberg (SPD), am Dienstag mitteilte, kann an einigen Stellen inzwischen kein Wasser mehr gefördert werden. "Die ersten Brunnen steigen aus", sagte der Chef des Einsatzstabs. 

Um genügend Wasser für die ab Mittwoch geplante Löschaktion auf dem Truppenübungsplatz selbst bereitstellen zu können, sei ein Fluss in der Nähe auf über drei Meter angestaut worden. Zudem solle auch Wasser aus umliegenden Seen und der etwa 20 Kilometer entfernten Elbe herangeholt werden. "Alles, was an Wasser möglich ist, wird jetzt in diese Region geholt", betonte Sternberg.

Traktoren liefern Wasser in Waldbrand-Gebiet in Mecklenburg-Vorpommern

Seit Montag bringen Traktoren mit bis zu 30.000 Liter fassenden Tanks unablässig Wasser zu den Einsatzstellen der Feuerwehren. Dabei nutzen sie unter anderem Entwässerungskanäle auf den Feldern. Doch zum Teil werden auch Tiefbrunnen angezapft, um die Depots zu füllen. Mit dem Wasser werden an den Waldrändern sogenannte Sperrriegel geschaffen, die bislang ein Übergreifen der Flammen auf nahe gelegene Dörfer verhinderten

Am Montagabend war wegen der ständig drehenden Winde Volzrade als vierter Ort vorsorglich geräumt worden. Doch seien all diese Dörfer am Rande des Brandherde gesichert. Somit bestehe vorerst keine Gefahr, dass das Feuer auf Gebäude übergreife.

Zuvor waren schon Alt Jabel, Jessenitz-Werk und Trebs evakuiert worden. Nach Angaben eines Sprechers sind damit rund 650 Menschen von Evakuierungen betroffen. Wie lange sie noch in Notunterkünften oder bei Verwandten ausharren müssen, war noch unklar. Es sei sein Ziel, diesen Menschen so rasch wie möglich die Rückkehr zu ermöglichen, sagte der Landrat. Doch sei die Lage wegen des noch immer kräftigen Windes weiterhin schwierig. Über eine Rückkehr könne frühestens am Mittwoch entschieden werden.

Die Sicherung der Orte bleibe auch weiterhin Priorität Nummer 1, doch müsse mit Blick auf die Dauer des Einsatzes auch die unmittelbare Brandbekämpfung verstärkt werden, hieß es. Inzwischen seien insgesamt fast 3000 Kräfte über den Tag verteilt im Einsatz. "Wie lange wir das mit dem ehrenamtlichen Potenzial noch aufrechterhalten können, wissen wir nicht. Darum geht jetzt alle Kraft in die Richtung, dass wir so schnell wie möglich löschen, löschen, löschen. Das Feuer muss weg", betonte Sternberg.  

Waldbrand in Mecklenburg-Vorpommern: Höchste Lebensgefahr aufgrund von Explosionen

Wie der Chef des Landeskommandos Mecklenburg-Vorpommern, Brigadegeneral Gerd Kropf, sagte, wurden bei der Planung des Räumpanzer-Einsatzes auch Bundeswehrangehörige zurate gezogen, die auf dem 2013 stillgelegten Übungsplatz tätig waren. Mit deren Hilfe seien früher befahrene Wege ausfindig gemacht worden, die von dichtem Buschwerk befreit würden. "Ziel ist es, bis Mittwochmorgen so viele Schneisen zu schaffen, dass die Einsatzleitung der Feuerwehr entscheiden kann, wie und wo ihre Kräfte eingesetzt werden", sagte Kropf. 

Während am Boden die Vorbereitungen für den großen Löschangriff liefen, setzten die Löschhubschrauber ihre Einsätze fort und ließen unablässig Wasser über dem Brandgebiet ab. Die Zahl der Helikopter war am Dienstag von vier auf sechs erhöht worden.

Nach den Worten von Innenminister Lorenz Caffier (CDU) sind insgesamt zwölf Wasserwerfer der Polizei im Einsatz, die teils auch aus anderen Bundesländern stammten. Er machte ebenso wie sein Kabinettskollege, Umweltminister Till Backhaus (SPD), erneut deutlich, dass mittelfristig Verbesserungen beim Brandschutz auf munitionsbelasteten Flächen notwendig sind und sie dabei in erster Linie den Bund in der Pflicht sehen. Es müssten Lösungen gefunden werden, wie man in ganz Deutschland solchen Katastrophen begegnet, technisch und personell.

Das verheerende Feuer bei Lübtheen gilt als der größte Waldbrand in Mecklenburg-Vorpommern seit Kriegsende. Dabei verdichteten sich die Hinweise, dass der Brand mit großer Wahrscheinlichkeit gelegt wurde. "Es verhärtet sich der Verdacht, dass es sich um Brandstiftung handelt", sagte Sternberg (SPD). Befragungen würden laufen. Ob es bereits Verdächtige gibt, sagte Sternberg nicht.

45,5 Tonnen Spengstoff je Hektar sind im Waldbrandgebiet verborgen

Nach Tests auf dem Gelände gehe man davon aus, dass das betroffene Gebiet hochgerechnet noch mit bis zu 45,5 Tonnen Munition je Hektar verseucht sei. Das sei auch der Grund, warum die Einsatzkräfte einen Abstand von 1000 Metern einhalten müssten. "Wir brauchen jetzt eine Technologie hierher, die in der Lage ist, dieses Thema zu beherrschen. Wir im Lande haben sie nicht", richtete der Minister eine Aufforderung an den Bund. 

Laut Backhaus werden die alten Kiefernbestände seit Jahrzehnten nicht mehr forstlich bewirtschaftet. Somit liege auch extrem trockenes Altholz am Boden. "Das brennt wie Zunder."

Rauchschwaden zogen am Montag bis nach Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Dort waren Menschen aufgerufen, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Der Brandgeruch war auch im rund 200 Kilometer entfernten Berlin wahrnehmbar. Die Hauptstadt-Feuerwehr twitterte: "Der Geruch ist lästig, aber nicht gefährlich." (dpa)

Lesen Sie auch: Waldbrand in Mecklenburg-Vorpommern: War es Brandstiftung?

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02.07.2019

>> 45,5 Tonnen Spengstoff je Hektar sind im Waldbrandgebiet verborgen <<

Und dann ist es der Klimawandel an dem großen Feuer schuld...

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