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Schlager-Star

03.07.2019

Warum Roberto Blanco jetzt auch swingt

Roberto Blanco (hier 2018 mit seiner Frau Luzandra in Salzburg) lebt inzwischen am Bodensee.
Bild: Franz Neumayr, dpa

Roberto Blanco ist zwar schon 82 Jahre alt - aber stimmgewaltig wie eh und je. Inzwischen wagt er sich sogar Swing heran. Warum er in die Schweiz gezogen ist.

Sie sind als Schlagersänger prominent geworden. Was bedeutet Ihnen der Jazz?

Roberto Blanco: Ich bin ein Sänger, der auch Schlager singt. Ich hatte schon immer einen sehr breiten musikalischen Horizont. Ich hätte auch Opernsänger werden können. Ich verstehe mich jedoch als Entertainer. Bei meinen Auftritten rund um den Globus habe ich schon früh Swing- und Jazz-Klassiker aus dem Repertoire von Frank Sinatra und Sammy Davis Jr. interpretiert.

Weshalb haben Sie erst 2013 Ihr erstes Jazz-Album "Swinging New York" aufgenommen?

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Blanco: Ich wollte es schon lange, aber meine deutschen Plattenfirmen winkten ab. "Wenn wir Jazz wollen, dann die Originale!" Erst als ich in New York mit einer super Big Band und einem tollen Arrangeur in einem Spitzen-Studio selbst eine CD produzierte, zollten sie mir Respekt. Die Radios haben davon trotzdem nichts gespielt.

Weil es nicht in die "Schublade Roberto Blanco" passte?

Blanco: Als Robbie Williams swingte, hat das für Furore gesorgt, obwohl er Popsänger war. Hallo? Ich bin auch nicht mit "Ein bisschen Spaß muss sein" geboren worden. Ich habe mit den großen Orchestern von Kurt Edelhagen, Max Greger, Paul Kuhn und Hazy Osterwald gesungen. Ich bin gesund und habe immer noch eine gute Stimme. Mehr gibt es nicht zu sagen.

Wie hat sich Ihre aktuelle Zusammenarbeit mit dem international erfolgreichen Big Band Leader Dani Felber entwickelt?

Blanco: Wir kennen uns, seitdem wir vor zehn Jahren bei der großen Abschiedsparty von Radio Beromünster einen gemeinsamen Auftritt hatten. Später sind wir uns in Liechtenstein auf einem roten Teppich wiederbegegnet. Dani fragte mich, wo ich lebe. Als ich "in Ermatingen" (im Schweizer Kanton Thurgau) antwortete, glaubte er, ich wolle ihn auf den Arm nehmen, da er kurz zuvor zurück in seine Heimatgemeinde gezogen war. Und zwar in eine Villa am Bodensee, die ich beim Vorbeifahren immer bewundert hatte.

Felber hat sie auf der Suche nach einem Probelokal gefunden und in einen Klub mit privaten und öffentlichen Anlässen verwandelt. Sind Sie dort schon aufgetreten?

Blanco: Nur als Gast, aber wir haben schon eine gemeinsame Show in Berlin gemacht und eine in St. Moritz, wohin wir beim Festival da Jazz zurückkehren.

Gab es bei Ihrem Auftritt im "Dracula Club" in St. Moritz nicht fast mehr Leute auf der Bühne als im Publikum?

Blanco: Ich finde die Idee gut, dass wir auf engem Raum spielen und eine intime Atmosphäre entsteht. Außerdem weiß ich von Auftritten im "Kulm" und "Palace", dass St. Moritz ein tolles Publikum hat.

Wie gut kannten Sie "Dracula Club"-Gründer Gunter Sachs?

Blanco: Das wäre eine längere Geschichte ...

Erzählen Sie bitte!

Blanco: Ich war 17 und besuchte in den Ferien meinen Vater, der mit seiner großen südamerikanischen Show in Lausanne gastierte. Als ich die Probe beobachtete, bemerkte die Chefin des Clubs, dass ich Rhythmus im Blut habe. Und bat mich, ihr Kostproben meines Talents zu geben. Meine Version der damaligen Hits "Only You" und "See You Later Aligator" gefielen ihr so gut, dass sie ihre Tochter anwies, mit mir einen dunkelblauen Anzug, Krawatte und ein weisses Hemd für den abendlichen Gastauftritt zu kaufen.

Wann kam der legendäre Playboy Gunter Sachs ins Spiel?

Blanco: Nachdem ich viel Beifall erhalten hatte, konnte ich einen Monat lang allabendlich 100 Franken verdienen – viel Geld für jemanden wie mich. Ich habe mir damit auch eine schöne Uhr geleistet und bin in jenem Geschäft Gunter Sachs begegnet, der oft im Publikum saß. Er lud mich zum Frühstück und zu einer Ausfahrt mit seinem Flügeltüren-Mercedes ein. Nach und nach lernte ich die ganze Familie kennen. Mit Sohn Rolf habe ich regelmäßig Tennis gespielt. Eine Woche, bevor Gunter aus dem Leben schied, sind wir uns noch im "Bayrischen Hof" in München in die Arme gelaufen, wo er lachend zu mir sagte: "Du bist mein ältester Freund. Ich kenne dich sogar länger als meinen Sekretär!"

Was freut Sie besonders, wenn Sie an die Siebziger denken, als Sie die größten Hits "Ein bisschen Spaß muss sein" und "Der Puppenspieler von Mexiko" landeten sowie die TV-Shows "Heute so, morgen so" und "Roberto Blanco Show" moderierten?

Blanco: Ich hatte 49,4 Prozent Marktanteil und 17,5 Millionen Zuschauer. Früher haben die Leute noch ferngesehen.

War dieser Erfolg nicht auch ein Riesenstress?

Blanco: Nein, ich habe Arbeit nie gescheut und liebte dieses Tempo.

Sie mussten aber auch viel Kritik einstecken ...

Blanco: Man hat oft versucht, mir die Tür zuzuschlagen. Man behauptete, ich wäre pädophil oder sonst was. Doch ich bin dem Rat von Josephine Baker gefolgt, in deren Show ich meine Karriere als Sänger begonnen habe. Sie gab mir auf den Weg: "Bleib, wie du bist und verteidige deine Persönlichkeit. Es sind nicht die Medien, die einen Künstler tragen, sondern das Publikum."

Was hat Sie in die Schweiz geführt?

Blanco: Ich habe mit meiner ersten Frau bis zur Scheidung in Italien, Spanien und Deutschland gelebt. Als ich Luzandra, meine zweite Frau, kennenlernte, zogen wir für einen gemeinsamen Neuanfang zuerst ins Salzburger Land und nach Genf, wo ein Teil meiner Familie lebt. Das war aber unpraktisch, da meine Auftritte vor allem in Deutschland stattfinden. Als wir mal für die Schlagersendung "Hello Again" nach Kreuzlingen reisten, gefiel uns diese Gegend so gut, dass wir ein Haus mit Seeblick suchten und in Ermatingen fanden. Schön. Und steuergünstig, ich geb’s zu.

Was erwartet Ihre Fans nun, "nur" noch Jazz oder ein bisschen mehr?

Blanco: Bei unserem Auftritt in Berlin habe ich Swing, Jazz und Latin Jazz gesungen. Plötzlich forderten die Leute "Ein bisschen Spaß muss sein". Natürlich habe ich das Lied für sie gesungen. Weshalb hätte ich es nicht tun sollen?

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