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Friedensfest 2019

08.08.2019

Warum ist das Friedensfest in Augsburg heute ein Feiertag?

Augsburger Hohes Friedensfest 2019: Zum heutigen Feiertag gibt es traditionell auf dem Rathausplatz die Friedenstafel. Geschichte, Datum und Bedeutung - das erfahren Sie hier.
Bild: Silvio Wyszengrad

Ganz Augsburg feiert heute das Hohe Friedensfest 2019. Warum gibt es den Feiertag überhaupt? Wer hat frei? Sind die Geschäfte geöffnet? Alle Infos gibt es hier.

Heute wird in Augsburg das Hohe Friedensfest zelebriert. Dabei ist der Tag allerdings einzig und allein in Augsburg ein gesetzlicher Feiertag - der Rest Deutschlands muss heute ganz normal zur Arbeit gehen. Das Friedensfest blickt dabei auf eine lange Geschichte zurück - bereits im 17. Jahrhundert wurde das historische Fest in der Fuggerstadt gefeiert.

Wann ist das Augsburger Friedensfest?

Das Friedensfest wird in Augsburg seit dem Jahr 1650 immer am 8. August gefeiert. 2019 fällt das Friedensfest auf den heutigen Donnerstag.

Was ist das "Hohes Friedensfest" und welche Bedeutung hat der Feiertag?

Das Friedensfest geht zurück auf die Zeit, in der die Anhänger des katholischen Glaubens und die Protestanten um ihre Ansprüche rangen. Augsburg hatte damals im Zuge der Reformation festgelegt, dass Katholiken und Anhänger der Confessio Augustana gleichberechtigt, und alle Ämter in der Stadt paritätisch zu besetzen seien. Dies wurde 1555 in einem als "Augsburger Religionsfriede" bekannt gewordenen Reichsgesetz noch einmal bekräftigt.

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Das änderte sich im Dreißigjährigen Krieg, als das katholische Stadtregiment am 8. August 1629 alle evangelischen Kirchen schließen und die Prediger ausweisen ließ. 14 Jahre lang war für die Protestanten ein Gottesdienst in Augsburg so nur unter freiem Himmel möglich.

Die Wende brachte erst wieder der Westfälische Friede von 1648. Die Reichsstadt Augsburg erhielt wieder die konfessionelle Parität. Das bedeutete: Alle Stadtämter wurden wie schon zuvor doppelt besetzt. Die Kirchen St. Moritz und die Basilika St. Ulrich und Afra wurden katholisch, die Kirchen St. Anna und Zu den Barfüßern protestantisch.

Die Basilika St. Ulrich und Afra in Augsburg.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Die evangelische Bevölkerung der Freien Reichsstadt Augsburg feierte dann am 8. August 1650 ihr erstes Hohes Friedensfest zum Dank dafür, dass ihr wieder volle Religionsfreiheit garantiert war.

Friedensfest in Augsburg - ein gesetzlicher Feiertag?

Tatsächlich ja. 1948 verankerte der Bayerische Landtag in Art. 1 Abs. 2 Bayerisches Feiertagsgesetz das Augsburger Friedensfest als einen lokalen Feiertag im Stadtkreis Augsburg. Seitdem ist das Hohe Friedensfest ein in Deutschland einmaliger, gesetzlicher Feiertag, seit 1985 wird er ökumenisch begangen. Seit 2017 ist das Friedensfest auch offiziell bayerisches Kulturerbe.

Augsburger Hohes Friedensfest 2019: Haben die Geschäfte geöffnet?

Nachdem das Augsburger Friedensfest ein gesetzlicher Feiertag ist, haben die Firmen, Behörden und Geschäfte in der Stadt geschlossen und die dort Beschäftigten frei. Schulferien sind an diesem Datum in Bayern ohnehin - extra schulfrei ist also nicht.

Eine Nebenfolge: Da die Geschäfte rund um Augsburg geöffnet haben, herrscht in diesen traditionell ziemlicher Andrang. Die Augsburgerinnen und Augsburger fahren zum Einkaufen ins Umland - nach Königsbrunn, Stadtbergen, Friedberg, Neusäß und Gersthofen vor allem. Die Geschäfte rund um die Stadt befeuern das häufig noch mit Sonderaktionen.

Anlässlich des Friedensfests unter dem Motto Freiheit: Als lebendes Bild baute die Künstlergruppe Salon Irmgard das Gemälde von Delacroix „Die Freiheit führt das Volk an“ nach.
Bild: Mercan Fröhlich

Welche Traditionen und Bräuche gibt es beim Augsburger Friedensfest?

Schon 1651 entstand der Brauch, evangelischen Kindern an diesem Tag sogenannte Friedensgemälde zu überreichen, also Drucke mit Kupferstichen und Bibelzitaten.

Seine Verantwortung als Friedensstadt nimmt Augsburg aber bis heute sehr ernst. Am und rund um den Feiertag Hohes Friedensfest gibt es in der Stadt am Lech jede Menge Veranstaltungen zum Thema Frieden.

  • Traditionell wird beim Friedensfest am 8. August auf dem Augsburger Rathausplatz die Friedenstafel aufgebaut, an der sich Menschen aller Nationalitäten und Religionen zusammensetzen, miteinander reden und essen.
  • Zudem wird alle drei Jahre der Augsburger Friedenspreis vergeben. 2017 etwa erhielt ihn Pfarrer Martin Junge, Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes. Ein eigens eingerichtetes Friedensbüro kümmert sich um die Koordination des vielfältigen Programms.
  • 2019 wird der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck die Feierlichkeiten zum hohen Friedensfest am 8. August in Augsburg eröffnen. Lesen Sie dazu auch: Programm zum Friedensfest 2019: So feiert Augsburg zwei Wochen lang (bo/AZ)

2017. erhielt Martin Junge (rechts) den Augsburger Friedenspreis. Mit dabei: Regionalbischof Michael Grabow und Oberbürgermeister Kurt Gribl.
Bild: Silvio Wyszengrad
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