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Frankreich

24.10.2017

Was bringt das Gesetz gegen Magerwahn?

Sie sind Vorbilder für tausende Mädchen: die Models der Pariser Fashion Week.

Millionen Mädchen eifern Models nach. In Frankreich müssen diese jetzt beweisen, dass sie nicht krankhaft dünn sind. Doch Kenner der Szene sehen die Gefahr ganz woanders.

Es ist ein Thema, über das man in der Branche nur äußerst ungern und kurz angebunden spricht: Vor wenigen Wochen sind in Frankreich zwei Dekrete des „Mannequin-Gesetzes“ in Kraft getreten, mit dem der Staat gegen den Magerwahn von Models vorgehen will.

Zum einen müssen Mannequins auf französischen Laufstegen künftig eine medizinische Bescheinigung vorweisen, die ihre gute Gesundheit, gerade mit Blick auf ihren Body Mass Index (BMI), bestätigt. Dieser bewertet das Gewicht in Relation zur Körpergröße. Ein Mindest-BMI ist nicht vorgesehen. Zum anderen ist es ab sofort Pflicht, bei der Veröffentlichung von Werbefotos mit anzugeben, ob diese retuschiert wurden, um die Silhouette des Models zu verschlanken. Im Gesetzestext heißt es, die Regeln „zielen darauf ab, auf das Bild des Körpers in der Gesellschaft einzuwirken, um die Bewerbung von unerreichbaren Schönheitsidealen zu vermeiden und Magersucht vorzubeugen“. In Israel, Italien, Chile und Belgien gelten ähnliche Bestimmungen. Er sei sehr zufrieden mit dem Gesetz, sagte der zuständige Abgeordnete Olivier Véran: „Ich glaube, dass es zu einem Mentalitätswandel führen wird.“ Aber kann es das?

Models sind „natürlich schlank“

„Für uns ändert das nichts und die Casting-Agenturen, mit denen wir arbeiten, halten sich an die Vorgaben“, sagt Cédric Edon vom Modehaus Schiaparelli. „Unsere Models sind meistens volljährig oder in Einzelfällen minderjährig mit der Erlaubnis der Eltern. Sie sind vom Typ her bereits sehr schlank und treiben Sport. Wir setzen auf einen gesunden Look.“ Auch auf Vielfalt achte man, um nicht eine „Armee aus Klonen“ über den Laufsteg marschieren zu lassen. Ähnlich ist die Reaktion bei Chanel: Man sei „äußerst umsichtig, wenn es um die Beachtung von gesetzlichen Vorgaben geht“, erklärt Pressesprecherin Sylvie Thost. „Die Agenturen sind verpflichtet, uns sämtliche erforderlichen Dokumente zur Verfügung zu stellen, dazu gehören vor allem die medizinischen Bescheinigungen.“ Auf die Frage nach dem Mindestalter der Mannequins kommt keine Antwort mehr.

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Eine der größten Model-Agenturen, „Elite Model“, versichert ebenfalls, sich an gültiges Gesetz zu halten – das gelte übrigens nicht nur für die weiblichen Models, sondern auch für Männer.

Instagram und Influencer in der Mode können gefährlich sein

Handelt es sich also um ein Nicht-Thema und um eine überflüssige Verordnung? Sind die Mädchen, die bei manchen Defilees nur aus Haut und Knochen bestehen, „natürlich schlank“? Wird sich etwas ändern? Barbara Markert glaubt das nicht. Für die in Paris lebende Deutsche, die den Mode-Blog Modepilot.de betreibt, geht die Diskussion am eigentlichen Problem vorbei. Und das sieht sie im Alter der Mannequins: „Diese werden immer jünger, weil oft nur Teenager den erforderlichen superschmalen Hüftumfang haben, um in die Entwürfe zu passen.“ Natürlich gebe es Frauen, die sich völlig herunterhungern; aber viele Models, wie die frühere Chanel-Muse Inès de la Fressange, seien nicht krankhaft schlank, sondern hätten einen bestimmten Körperbau.

Die Pflicht, retuschierte Fotos zu kennzeichnen, hält Markert für eine gute Idee – doch sie betrifft nur die Werbung, nicht aber Mode-Blogs oder Instagram-Konten junger Frauen, die als „Influencer“ immer wichtiger werden, also andere mit ihrem Lebenswandel beeinflussen. Sie könnten in Zukunft sogar eine größere Rolle spielen als herkömmliche Defilees; und das Gesetz ginge erst recht ins Leere.

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