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11. September

11.09.2019

Was die mit 9/11 verbinden, die damals erst geboren wurden

Eine Welt vor dem Anschlag vom 11. September existiert für die 2001 geborenen Menschen nicht.
Bild: National Institute of Standards and Technology (NIST)/dpa

18 Jahre liegen die Terroranschläge in den USA zurück. Was denken junge Leute darüber, die vor 18 Jahren erst geboren wurden? Fünf Beispiele aus der Region.

18 Jahre liegen die Terroranschläge des 11. September in den USA zurück. 18 Jahre, in denen noch immer kein Prozess gegen die mutmaßlichen Strippenzieher zustande gekommen ist. Das Verfahren gegen fünf Angeklagte soll erst im Januar 2021 beginnen. Derzeit läuft eine Vorverhandlung vor einem Sondertribunal im US-Gefangenenlager Guantánamo Bay auf Kuba.

Welche Gedanken verbinden Menschen mit 9/11, die zum Zeitpunkt der Anschläge noch nicht oder gerade erst geboren waren? Wir haben fünf Jugendliche aus der Region, die im Terrorjahr 2001 zur Welt kamen, danach gefragt.

Samuel Metz aus Neuburg an der Donau, geboren im Oktober 2001

"Eine emotionale Bedeutung hat der Anschlag für mich nicht mehr, was vermutlich daran liegt, dass er in Amerika passiert ist und schon so lange zurückliegt. In der Popkultur, in Filmen, in der Musik, in Memes wird das Thema immer wieder aufgegriffen und daher bleibt das Thema doch irgendwie relevant. Für mich persönlich hat der Anschlag Bedeutung, weil damit auch der Krieg gegen den Terror begonnen hat und das Einfluss auf mein Leben hat. Man sieht es an Flughäfen, Bahnhöfen und anderen Orten, wo die Kontrollen viel schärfer sind, wo es Fotoverbote gibt und so weiter. Seit dem Anschlag vom 11. September ist die Angst vor Terroranschlägen in der westlichen Welt viel größer. Ich bin in diese Zeit hineingeboren. Ich kenne es nicht anders, aber meine Eltern zum Beispiel hatten vor 9/11 keine Angst vor islamistischem Terror. Ich habe das Gefühl, dass sich kaum einer aus meiner Generation mit dem Anschlag vom 11. September emotional verbinden kann. Anschläge, die hier in Europa passiert sind - und das erst vor ein paar Jahren -, wie Paris 2015 oder Berlin 2016, sind uns viel näher. Über diese Taten haben wir untereinander gesprochen und sprechen heute noch darüber."

Samuel Metz
Bild: Laura Elsner

Lea Rohleder aus Neuburg an der Donau, geboren im April 2001

"Viele sagen, dass 9/11 die Welt umgekrempelt hat. Aber ich war zu dem Zeitpunkt erst ein halbes Jahr alt und die Folgen, die aus dem Anschlag resultierten, waren für mich normal, als ich aufgewachsen bin. Ich glaube, dass sich die wenigsten, die in dem Zeitraum geboren wurden, jetzt noch so ein einschneidendes Erlebnis vorstellen können. Ich kenne viele Erwachsene, die genau wissen, was sie an dem Tag gemacht haben. So wie meine Eltern. Meine Mama hat Wäsche gemacht, als mein Papa angerufen hat und sagte, sie soll den Fernseher anschalten. So zeigt sich, wie prägend der Moment für die war, die das Ganze bewusst miterlebt haben. Diesen Moment hat jemand, der erst 2001 geboren wurde, nicht. Es ist aber so, dass Terroranschläge, die jetzt passieren, in einer Zeit, in der ich darüber nachdenken kann, mich wirklich schockieren. Natürlich ist der 11. September ein schlimmes Ereignis gewesen, ich glaube, das leugnet niemand. Aber wenn jetzt etwas passiert, kann ich die Situation begreifen, mir eine Meinung bilden und darüber nachdenken. Was mir heute Angst macht, ist der Gedanke 'Da hättest du dabei sein können'. Vergangenes Jahr war ich mit einer Freundin in Berlin auf dem Weihnachtsmarkt. Es gibt einem ein mulmiges Gefühl zu wissen, dass vor zwei Jahren in Deutschland so etwas Schlimmes passiert ist. Man ist sich seiner Verletzlichkeit einfach bewusster. Obwohl ich mich in Deutschland sicher fühle, vergeht der Gedanke nicht, dass es überall passieren könnte. Das macht sich auch durch Absperrungen auf Veranstaltungen und verstärkte Taschenkontrollen bemerkbar. Die Maßnahmen sind im Verhältnis zu den Maßnahmen nach 9/11 nicht so weitreichend, aber gehören irgendwie zu der Kampagne gegen Terror dazu. Es ist auch eine Veränderung im Kopf, was man leider auch in dem Hass gegen Muslime sieht, der sich in der heutigen Zeit entwickelt hat."

Lea Rohleder
Bild: Manuela Kellner

Isabelle Drost aus Augsburg, geboren im Juli 2001

"Bis vor kurzem habe ich mich nie großartig mit dem Anschlag beschäftigt. Meine Eltern haben nie viel mit mir über die Thematik gesprochen. Meine Mutter hat nur einmal bei einer Reportage, die im Fernsehen lief, das Gesicht verzogen. Als ich sie gefragt habe, wieso sie das macht, hat sie mir erzählt, wie merkwürdig und surreal es ist, die Ereignisse aus der Retroperspektive zu betrachten. Aber schon bald werde ich mich sehr intensiv mit dem Thema beschäftigen, ich schreibe eine Seminararbeit über den Anschlag. Das Thema war zugegebenermaßen nicht meine erste Wahl, aber im Nachhinein ist es ganz gut, dass ich über 9/11 schreibe und mich genauer damit beschäftige. In der Arbeit will ich auf die Veränderungen nach dem Anschlag eingehen, darauf, wie der heutige Alltag noch davon beeinflusst wird. Wichtig ist es, aus der Vergangenheit zu lernen, Fehler nicht zu wiederholen und sich daran zu erinnern, wie schlimm es damals war. Für meine Generation prägend und bedeutsam sind jedoch vor allem Anschläge, die noch in diesem Jahrzehnt passiert sind, wie der auf die Zeitschrift Charlie Hebdo 2015, der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt 2016 oder der Anschlag 2017 in Barcelona."

Isabelle Drost
Bild: Matthias Vogg

Annalena Kunze aus Neu-Ulm, geboren im Dezember 2001

"Für mich ist 9/11 ein Ereignis, das als Katalysator für den Konflikt zwischen dem Nahen Osten und der westlichen Welt funktioniert hat. Der Anschlag stellt für mich ein Aufbegehren gegen die Erste-Welt-Länder dar, gegen die Ausbeutung der Dritten Welt durch Erste-Welt-Länder. Aber persönlich verbinde ich nichts mit den Ereignissen. Anschläge, die in den vergangenen fünf Jahren passiert sind, schockieren mich mehr und sind meiner Meinung nach für die heutige Mentalität bedeutsamer. Die Ereignisse um Charlie Hebdo oder den Berliner Weihnachtsmarkt sind schlimm, aber ich versuche, mich nicht zu sehr auf solche negativen Ereignisse zu konzentrieren. Ich fühle mich nicht angreifbarer, nur weil Anschläge jetzt auch in Europa passieren. Ich möchte mich nicht verunsichern lassen und in ständiger Angst leben. Wenn der Terror so weit kommt, dass jeder in Furcht vor Anschlägen daheim bleibt, dann hat er gewonnen. Dass jährlich über 9/11 berichtet wird, ist gut, aber vor allem, um nochmal zu schauen, was in der Weltpolitik besser gemacht werden kann. Wichtig ist es, eben nicht nur vor der eigenen Tür zu schauen und nur dann schockiert zu sein, wenn ein Anschlag im eigenen Land passiert. Es ist wichtig, auch außerhalb unserer westlichen Blase den Terror zu sehen."

Annalena Kunze
Bild: Matthias Kunze

Max Neuhaus aus Kaufering, geboren im Juli 2001

"Auch wenn ich zu dem Zeitpunkt zu jung war, um mich an die Ereignisse zu erinnern, wurde in der Schule das Thema immer wieder besprochen. Ich habe schnell gelernt, wie bedeutsam der Tag ist. Für mich gibt es bis heute keinen vergleichbaren Anschlag. Nicht nur wegen der vielen Opfer und des Ausmaßes an Zerstörung, sondern auch wegen des darauffolgenden Kriegs in Afghanistan. Aber gerade auch weil die Folgen so schlimm waren, ist es wichtig, jedes Jahr erneut an den Tag und die Ereignisse zu erinnern. Unabhängig davon, ob man vor dem 11. September oder danach geboren wurde: So eine Katastrophe soll nie wieder passieren."

Max Neuhaus
Bild: Julian Leitenstorfer

Lesen Sie dazu auch: 18 Jahre nach 9/11: Hat der Terror gewonnen?

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12.09.2019

Man soll die sache so sehen, der mensch macht aus dem leben zu viel wir sind nun mal nur eine bestimte zeit auf dieser welt und es ist egal was man erreicht man wird die erinnerungen so wie das materiele nicht mitnehmen ich lebe von einer min auf die andere denn es wird alles so oder so eines tages vorbei sein.

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12.09.2019

Ich habe in den letzten 4 Wochen 21746 USD erhalten, indem ich in meiner Teilzeit von zu Hause aus online gearbeitet habe.

Achtung Spam und Betrug!

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11.09.2019

@Nico P. Dem kann ich nur zustimmen. Habe den Yugoslawischen Erbfolgekrieg inkl. der Kriegsverbrechen keine 400 km von hier entfernt noch gut in Erinnerung. Hat meine Jugend durchaus geprägt. Von Erleichterung konnte auch keine Rede sein. Der 1. Golfkrieg war. Islamistischer Terror war nicht unbekannt. Betraff aber in erster Linie die USA. Über die Sicherheit und den Verbleib der Atomwaffen in Rusland war man besorgt. Befürchtet wurde ein Anschlag mit einer schmutzigen Bombe oder Giftgasanschlag. assagierflugzeuge hatte keiner auf der Rechnung und auch nicht, dass Hochhäuser dadurch einstürzen könnten.
Sorglos vielleicht deshalb, weil das Internet noch nicht so präsent war und man nicht jedes Umfallen eines Sacks in China aufs Handy als Ticker bekam. Man mußte sich um Nachrichten "bemühen". Die Welt ist nachrichtentechnisch zu einem kleinen Dorf geworden. Deshalb waren die Straßen früher auch sicher ... erst gestern wurde in Hamburg einer überfallen ...

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11.09.2019

Ach so n Quatsch, die Straßen sind heute genauso sicher wie früher auch, es gab früher auch schon Mord, Totschlag, Vergewaltigung und Raub.
Nur wie du richtig sagst, es gab kein Internet. Man wusste in Freiburg nicht sofort wenn in, sagen wir mal Eimsbüttel, irgendwas passiert ist, was von der Relevanz her nicht über die Stadtgrenzen hinausging.

Heute wird jedes Verbrechen sofort überall durchgekaut und jeder meint alles würde schlimmer werden, was aber so nicht pauschal stimmt.

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11.09.2019

Ist vielleicht falsch rüber gekommen. Habe gemeint früher waren bei vielen die Straßen "gefühlt" sicherer weil man nicht soviel (Deutschlandweit) mitbekommen hat. Statistisch gesehen ist es heute sogar oft sicher geworden. Aber über das Internet wird alles schneller und viel, viel weiter verbreitet und die sozialen Netzwerke tuen ihr übriges dazu ... früher lass man maximal in der Zeitung im Lokalteil und heute wird einfach irgendwas was irgendwo in Deutschland tatsächlich oder vermeintlich passiert ist, auf Facebook & Co. (oft ungeprüft!) geteilt.
Sicherheit wird gefühlt und ist oft nicht faktenbasiert.
Das früher alles besser war, wird auch schon immer behauptet. Schon in den 50-zigern haben die Leute gesagt, heutezutage kannst Dich gar nicht mehr auf die Straße trauen. Vermutlich davor auch schon. ;-)

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11.09.2019

Richtig. Wir können uns jedenfalls darauf einigen, dass vielen Leuten der Krieg auf dem Balkan gar nicht mehr so in den Kopf kommt, wenn es um europäische Kriege geht.

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11.09.2019

Nicht nur der Krieg auf dem Balkan mit entsprechender Flüchtlingswelle. Es gab beispielsweise auch einen Progrom an Ungarn in Rumänien. Bürgerkrieg (Djesterrepublik!) in Moldawien mit russischem Eingreifen. Von Georgien und Kaukasus ganz zu schweigen. Terror und Gegenterror in Nordirland. ETA-Terror im spanischen Baskenland. Nur ein paar beispiele für gewalttätige Konflikte aus den 90zigern in Europa. Somit war dieses Jahrzehnt genauso wenig "sorglos" ... vielleicht in Deutschland wenn man nicht Nachrichten im TV oder Radio konsumierte und den Politikteil in Zeitungen las.

Die "Erleichterung" über die Wende ist auch ziemlich schnell verflogen ...

War aber alles weit, weit weg. Heute ist halt die "Terrorgefahr" allgegenwärtig bzw. wird allgegenwärtig gemacht. Dabei war / ist die Sterberate auf dem Weg zum Christkindlsmarkt, Volksfest, Konzert, ... höher wie direkt auf ihm. Aber ist Statistik und kein Gefühl.

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11.09.2019

@Markus naja die 90er Jahre waren auch nur deshalb ein Jahrzehnt der Sorglosigkeit, weil wir die Kriege auf dem Balkan öffentlich so konsequent ignoriert haben. Eigentlich war da gar nichts friedlich in Europa.

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11.09.2019

Ich war damals kurz vor meinem 19. Geburtstag. Ich denke, jeder kann bestätigen, dass sich auch damals kein Mensch einen solchen Anschlag in einem Land der westlichen Welt vorstellen konnte. Die 90er Jahre waren ein Jahrzehnt der Sorglosigkeit und der Erleichterung über das Ende des kalten Krieges. Umso mehr hat uns dieses Ereignis geschockt. Ich dachte zuerst es sei ein Actionfilm und saß dann stundenlang mit der Zahnbürste im Mund vor dem Fernseher, fassungslos über das was da vor meinen Augen geschah.

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