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Tourismus

18.03.2020

Was passiert mit Urlaubern, die im Ausland festsitzen?

Am Frankfurter Flughafen parken zahlreiche Lufthansa-Maschinen, die wegen der Flugausfälle in der Coronavirus-Krise nicht gebraucht werden.
Bild: Rumpenhorst, dpa

Viele tausend deutsche Urlauber sitzen aufgrund des neuartigen Virus fest und sind mit Ausgangssperren oder Flugverboten konfrontiert. Außenminister Maas verspricht Hilfe.

Mehr als eine Milliarde Menschen hat jedes Jahr den Globus bereist: Urlauber, Geschäftsreisende, Menschen auf Verwandtschaftsbesuch. Für die Reisebranche war jedes Jahr ein neues Rekordjahr. Terroranschläge oder Naturkatastrophen schreckten die Urlauber längst nicht mehr. Es wurden lediglich andere Ziele gewählt. Und nun Stillstand. Nichts geht mehr, immer mehr Grenzen werden abgeriegelt, die Flughäfen machen einer nach dem anderen in den nächsten Tagen dicht. Vor Ort lahmt der Nahverkehr. Die deutschen Reiseveranstalter haben alle ihre Reisen meist bis Ende März abgesagt. Die Dimensionen sind von historischer Tragweite. Denn nach Schätzungen des Auswärtigen Amts sind noch weit mehr als 100.000 Deutsche im Ausland unterwegs.

Coronavirus: Die Bundesregierung startet Rückholaktionen

Nie zuvor musste die erfolgsverwöhnte, aber auch krisenerfahrene Reisebranche eine solche Situation bewältigen. Die Bundesregierung hat nun am Dienstag eine beispiellose Rückholaktion gestartet, um Hunderttausende, die wegen der weltweiten Corona-Krise im Ausland gestrandet sind, nach Hause zu holen. Außenminister Heiko Maas sprach von einer „Luftbrücke“.

Sie gilt vor allem für Urlauber in Marokko, der Dominikanischen Republik, auf den Philippinen, in Ägypten, auf den Malediven, Malta und in Argentinien. Für die Rückholflüge will die Regierung zunächst bis zu 50 Millionen Euro ausgeben. Die "Luftbrücke" soll bis weit in die nächste Woche dauern.

Wie verhindert werden soll, dass Deutsche stranden

Gleichzeitig sprach Maas eine formelle, weltweite Reisewarnung für touristische Reisen aus. Auch das hat es so noch nicht gegeben. „Wir müssen verhindern, dass weitere Deutsche im Ausland stranden“, begründete der SPD-Politiker den ungewöhnlichen Schritt. Da Deutschland inzwischen zu den Hauptrisikoländern gehört, sind deutsche Reisende besonders stark von den Einschränkungen betroffen. Allein in Marokko sind es nach Angaben von Maas 4000 bis 5000 Personen. Die Regierung in Rabat hatte am Sonntag fast alle internationale Verkehrsverbindungen – Flüge und Fähren – bis zum 31. März eingestellt. Nach Angaben des Auswärtigen Amts fliegt nur noch Air France von einigen Flughäfen ins Ausland.

Auch die Regionalregierung der Balearen hat alle rund 25.000 auf Mallorca und den anderen spanischen Inseln noch verbliebene Touristen aufgerufen, schnellstmöglich in ihre Heimat zurückzukehren. Die Dominikanische Republik in der Karibik hat seit Montag für einen Monat alle Flüge von und nach Europa ausgesetzt. Am Donnerstag wird Ägypten folgen. Zunächst bis zum 31. März werden alle internationalen Flugverbindungen ins Ausland gestrichen. Längst nicht allen Touristen dürfte es gelingen, ihre Flüge rechtzeitig umzubuchen. Dort versucht auch Marion Geromin, Sekretärin in der Kultur- und Journalredaktion der Augsburger Allgemeinen, einen Flug zu ergattern. „Telefonleitungen und der Server für die Rückholliste des Auswärtigen Amtes sind komplett überlastet“, berichtet sie.

Vom Auswärtigen Amt ist nun geplant, dass Flugzeuge gechartert werden, um vor allem Pauschaltouristen zurück nach Hause zu bringen, für die vonseiten der Reiseveranstalter die sogenannte Beistandspflicht besteht. Die Gestrandeten würden „im Laufe der nächsten Tage“ zurückgeholt, versprach Maas. Er bat aber auch um etwas Geduld: „Wir werden nicht in jedem Fall eine 24-Stunden-Lösung vorhalten können.“

Was deutsche Urlauber aus Marokko wissen müssen

Für die Rückführung der Deutschen aus dem besonders stark betroffenen Marokko hat der Reiseveranstalter TUI schon erste Flüge organisiert. Wegen der massiven Einschränkungen der Linienflüge weltweit gebe es ausreichend Kapazitäten für die Charterflüge, sagte Maas. Sie sollen vor allem von der Lufthansa durchgeführt werden.

Betroffene können sich auf der Internetseite des Auswärtigen Amts über die weiteren Planungen informieren und sich in eine Krisenvorsorgeliste eintragen. So will das Ministerium einen Überblick darüber bekommen, wie viele Leute zurückgeholt werden müssen. Maas machte deutlich, dass es zu einem späteren Zeitpunkt noch schwieriger sein wird, nach Deutschland zurückzukehren. Grundsätzlich ist es so: Pauschaltouristen werden in solchen Krisenfällen von ihren Reiseveranstaltern kontaktiert. Individualreisende hingegen müssen sich selbst um ihre Rückkehr kümmern. Ansprechpartner sind das Auswärtige Amt und die Botschaften vor Ort.

Die Situation ist für die Reisewirtschaft ausgesprochen schwierig und „teilweise sogar existenzgefährdend“, betont Norbert Fiebig, der Vorsitzende des Deutschen Reiseverbands, dem Dachverband der Reiseveranstalter. Er fordert die Bundesregierung auf, die bei Reisebüros und Reiseveranstaltern entstehenden Aufwendungen im Rahmen einer Beihilfe auszugleichen. Es zeige sich nun, dass die Regelungen des bestehenden Reiserechts nicht „für eine solche Situation ausgelegt sind“. Seit zwei Jahren gilt die Regelung, dass die Reiseveranstalter die Rückholung von Urlaubern in Krisenfällen finanzieren müssen.

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