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Baden-Württemberg

05.01.2019

Wassermangel: "Schreie der Tiere hörte man im ganzen Dorf"

Diese Kühe in Strohweiler mussten eine Zeitlang auf Wasser verzichten.
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Diese Kühe in Strohweiler mussten eine Zeitlang auf Wasser verzichten.
Bild: Krytzner, SDMG, dpa

1100 Rinder und Schweine mussten in einem kleinen Ort tagelang mit Wasser notversorgt werden. Der Bürgermeister erzählt, wie man eine Panik verhinderte.

Herr Winter, die Feuerwehr Ihrer Gemeinde Römerstein im Kreis Reutlingen hat einen der größten Einsätze ihrer Geschichte erlebt. Ein unterirdisches Rohr leckte, hunderte Liter Wasser liefen aus, rund 1100 Tiere in den Ställen mussten über Notleitungen versorgt werden. Ist das Leck beseitigt?

Matthias Winter: Ja, wir können Vollzug melden. Aus dem Rohr war ein etwa zehn Zentimeter großes Stück herausgebrochen – vielleicht wegen der Witterung, vielleicht wegen Bewegungen im Boden, wir wissen es nicht. Noch dazu war der Boden so beschaffen, dass das Wasser sofort wieder versickerte und wir das Loch schwer lokalisieren konnten. Manchmal läuft es eben blöd. Und diesmal lief es richtig blöd.

Wie haben Sie das Leck geschlossen?

Winter: Jetzt haben wir eine Metallmanschette um das Rohr gelegt – und die Feuerwehrleute können sich nach drei Tagen und zwei Nächten endlich mal ausschlafen.

550 Rinder und ebenso viele Schweine waren im Ortsteil Strohweiler seit Mittwoch von der Wasserversorgung abgeschnitten. Sie mussten drei Kilometer lange Schläuche aus dem Nachbarort legen, um ihre Tränken zu füllen. Wie geht es den Tieren jetzt?

Winter: Wenn Menschen betroffen sind – bei uns waren es etwa hundert – können sie sich mit Mineralwasser versorgen. Tiere werden schnell nervös, man muss aufpassen, dass keine Panik ausbricht. Einige sind wie wild durch ihre Ställe gesprungen, ihr Schreien hat man im ganzen Ort gehört. Dank der Notleitung konnten wir eine Panik verhindern.

Lauerten sonst noch Gefahren?

Winter: Ja, wir haben Milchbetriebe mit großen Melkanlagen. Ohne Wasser können sie die Anlagen nicht ordnungsgemäß reinigen. Im schlimmsten Fall hätte man hunderte Liter Milch vernichten müssen.

All das ist aber zum Glück nicht passiert – weil das ganze Dorf zusammengeholfen hat?

Winter: Ein großer Bäckereibetrieb bei uns im Ort hat seine nächtliche Produktion hochgefahren, der Metzger und der Lebensmittelladen hatten nachts geöffnet, Bürger haben den rund 70 Feuerwehrleuten Kuchen gebracht, die Landwirte kooperierten ganz professionell. Wir haben wieder einmal gesehen, wie hervorragend unsere Dorfgemeinschaft funktioniert.

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