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München

12.03.2016

Wie Supermärkte ganz auf Verpackungen verzichten

Im "Ohne"-Laden in München kann man einkaufen, ohne Verpackungsmüll zu produzieren.
Bild: Fabian Norden/Carlo Krauß, "Ohne"-Laden

Jährlich entstehen riesige Mengen an Verpackungsabfall. Supermärkte wie der "Ohne"-Laden in München versuchen, ganz auf Verpackungen zu verzichten. Wie das funktionieren kann.

Nudeln aus einem großen Glasspender, Gemüse lose aus der Kiste und Zahnpasta in Tablettenform - "Ohne der verpackungsfreie Supermarkt" verzichtet in seinem Sortiment ganz auf die üblichen Plastik- oder Cellophan-Verpackungen. Supermärkte mit einem solchen Konzept gibt es schon in Berlin, Bonn, Kiel oder Mainz. Und jetzt auch in München: Vor knapp drei Wochen erst hat der "Ohne"-Laden in der Maxvorstadt in München eröffnet.

Tatsächlich können sich einer Umfage der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) zufolge 82 Prozent der Deutschen vorstellen, ihre Lebensmittel ohne Verpackung einzukaufen. Dabei bevorzugt die Mehrheit (63 Prozent) Supermärkte, in denen Lebensmittel auch lose verkauft werden, 35 Prozent würden auch in einem Supermarkt einkaufen, der ausschließlich verpackungsfreie Lebensmittel anbietet - wie der "Ohne"-Laden einer ist.

Der Kunde kann sich die Lebensmittel selbst abfüllen

In München kommt die Idee gut an: Geschäftsführerin Hannah Sartin ist sehr zufrieden damit, wie es in den ersten Wochen läuft. "Wir haben nicht mit so viel positiver Resonanz gerechnet und freuen uns sehr darüber", sagt die 31-Jährige. Auf die Idee, den "Ohne"-Supermarkt zu eröffnen, kam sie zusammen mit ihrem Mann Carlo Krauß. Die beiden haben Anfang 2014 angefangen, privat auf einen verpackungsfreien Lebensstil umzustellen. "Zu Beginn war es sehr schwer vorstellbar, wie das funktionieren kann", erzählt Sartin.

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Ihnen sei sehr schnell aufgefallen, dass München keine Einkaufsalternativen bietet, wenn man verpackungsfrei einkaufen möchte. "Das hat oft Verzicht für uns bedeutet." Aber dann sei Ihnen die Idee gekommen, selbst einen solchen Laden zu eröffnen. Mit Hilfe einer Crowdfunding-Kampagne und eines Darlehens haben sie schließlich zusammen mit Mitgeschäftsführerin Christine Traub bis zum Februar den "Ohne"-Laden auf die Beine gestellt.

Hannah Sartin, die Geschäftsführerin des "Ohne"-Ladens in München.
Bild: Fabian Norden, "Ohne"-Laden

Das Konzept: Waren und Lebensmittel gibt es nur ohne Verpackung zu kaufen. Jeder Kunde bringt eigene Behälter mit oder leiht sich diese im Laden. Diese wiegt er zu Beginn und notiert sich das Gewicht. Dann kann der Einkauf losgehen: Aus den Lebensmittelspendern in dem Laden füllt er sich genau die Menge an Nudeln, Linsen oder Müsli in das Gefäß ab, die er haben will. An der Kasse werden die Behälter erneut gewogen und das Eigengewicht der Gefäße abgezogen, damit der Kunde nur die Menge an Waren bezahlt, die er abgefüllt hat.

Die Lebensmittel können in Tupperdosen oder Gläser gefüllt werden

Doch bei nicht allen Lebensmitteln ist es möglich, sie frei abfüllbar anzubieten - etwa bei Wein, Milchprodukten oder Tomatensoße. "Überall da, wo die Qualität leiden würde oder das Lebensmittel Gefahr läuft, schnell zu verderben, suchen wir andere Alternativen", erklärt Sartin. Diese Alternative sind etwa Recyclingglas für den Biowein oder Mehrweggläser- und flaschen für Milch, Joghurt und Sahne.

Generell ist es jedem Kunden selbst überlassen, welche Behältnisse er mitbringt. Es können Tupperdosen sein, große Vorratsgläser oder auch Baumwollsäckchen. Diese hält Hanna Sartin für eine perfekte Alternative: "Der Vorteil hier ist, dass sie sehr wenig Eigengewicht haben."

Doch nicht jeder Behälter ist für jedes Produkt geeignet. "Wir legen sehr starkes Augenmerk darauf, dass die Kunden Behälter auswählen, die auch für Lebensmittel vorgesehen sind", erklärt die 31-Jährige. Zum Beispiel wäre es wichtig, dass für Reinigungsmittel Flaschen hergenommen werden, die sich von Trinkflaschen abgrenzen, etwa durch eine Markierung.

Zahnpasta gibt es in Tablettenform

Auch das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) betont, dass in diesem Fall bezüglich der Lebensmittelhygiene darauf geachtet werden muss, dass durch die mitgebrachten Behälter "keine Kontamination der Geräte und Oberflächen des Lebensmittelbetriebs erfolgt und dadurch mittelbar auch in Verkehr gebrachte Lebensmittel kontaminiert werden." Zum Beispiel müssen Glas- und Metallbehältnisse sauber und nicht beschädigt sein und leicht zu reinigen. Da der Verkäufer aber nicht wisse, wie hygienisch das mitgebrachte Gefäß gelagert wurde oder ob es gereinigt wurde, gehe er ein "für ihn nicht bestimmbares hygienisches Risiko ein." Der jeweilige Betrieb müsse selbst entscheiden, ob er sich diesem aussetzt oder nicht.

Der "Ohne"-Laden hat den Behörden ein eigenes Reinungskonzept vorgelegt und steht in engem Kontakt mit den Überwachungsbehörden, sagt Sartin. "Die Griffe und Ausgabemechanismen bei den Lebensmittelspendern werden täglich desinfiziert". Außerdem würde man auch im laufenden Betrieb darauf achten, dass nichts verunreinigt wird. "Wenn uns auffällt, dass ein Behältnis schmutzig ist, würden wir es auf jeden Fall ansprechen", erklärt die 31-Jährige. Das sei zwar noch nie vorgekommen, aber in diesem Fall könne der Kunde sich ein Pfandglas nehmen und die Lebensmittel darin abfüllen.

Im "Ohne"-Laden können sich Kunden auch Behältnisse kaufen, in die sie in Zukunft ihren Einkauf abfüllen. Außerdem gibt es neben Lebensmitteln auch Hygieneartikel wie Seife und Körperbalsam in fester Form, Bambuszahnbürsten und Zahnpasta in Tablettenform zu kaufen. "Wir streben ein vegetarisches Vollsortiment an", erzählt Hannah Sartin. Außerdem werden im "Ohne"-Laden laut Sartin ausschließlich Bio-Waren angeboten, zu Preisen, wie sie auch in einem durchschnittlichen Bio-Laden üblich sind.

Eine bestimmte Zielgruppe hat der "Ohne"-Laden nicht. "Wir sind für jeden zugänglich", betont Sarin. Denn Vermeidung von Müll sei für alle ein Thema. Das bestätigt auch die Umfrage der Unternehmensberatung PwC aus dem Januar 2015: 64 Prozent der Befragten möchte durch den verpackungsfreien Einkauf ihren Müll reduzieren. Ein weiterer Vorteil, den 54 Prozent der Befragten angaben: Sie können genau die Menge einkaufen, die sie benötigen. Das ist gerade für Singles sehr praktisch.

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