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Rebecca News

10.03.2019

Wo ist Rebecca? Polizei beendet Suche im Wald erfolglos

Wo ist die vermisste Rebecca aus Berlin? Die Polizei und mit ihr zahlreiche weitere Menschen fahnden. Zwei Tage durchkämmte die Polizei ein Waldgebiet - erfolglos.

Zu Beginn war es nur eine der üblichen Vermisstenanzeigen, wie sie täglich mehr als 200 Mal bei der deutschen Polizei eingehen. Eine 15-Jährige war an einem Montag nicht in ihrer Schule in Berlin und kam auch nachmittags nicht nach Hause. Bei Kindern wird die Polizei in solchen Fällen sofort aktiv. Bei Jugendlichen wartet sie erstmal einen Tag oder zwei Tage ab.

Die allermeisten Vermissten kommen von selber zurück. Rebecca nicht. Weder am Dienstag noch am Mittwoch. Am Donnerstag, den 21. Februar, gibt die Polizei die erste von inzwischen sechs Suchmeldungen zu dem Fall heraus und veröffentlicht auch ein Foto der vermissten Rebecca.

Spektakulär klingt der Fall bis dahin nicht. Einen Tag später ändert sich das. Am 22. Februar übernimmt eine Mordkommission. Die Polizei schließt nicht aus, "dass das Mädchen einer Straftat zum Opfer gefallen ist". Ob sie vermutet, dass Rebecca entführt oder ermordet wurde, sagt sie nicht. Auch sonst gibt es kaum Informationen.

Rebeccas Schwester: "Mein Herz ist gebrochen"

Aber das Fahndungsbild der Polizei zeigt ein junges, blondes Mädchen mit großen Augen und einem leichten Schmollmund - möglicherweise ein Grund, warum Medien und Öffentlichkeit sich zunehmend für den Fall interessieren - auch wenn Tage später durchaus kritische Fragen aufkommen, warum die Polizei ausgerechnet dieses offensichtlich bearbeitete Bild für die Fahndung nutzt.

Gleichzeitig bittet eine Schwester von Rebecca über das Internet immer dringender um Hilfe. "Mein Herz ist gebrochen. Du fehlst mir so sehr", schrieb sie am Donnerstag auf Instagram.

Die Eltern gehen zum Leidwesen der Polizei ebenfalls an die Öffentlichkeit, sprechen mit Journalisten und erzählen Details vom Tag des Verschwindens. "Wir finden das natürlich nicht gut, weil es unsere Arbeit schwieriger macht, aber wir können es auch nicht verhindern", sagt ein Polizist.

Das Verschwinden wird zusehends rätselhafter. Weder ihre Schwester noch ihr Schwager, bei denen Rebecca übernachtet hatte, wollen sie am Morgen des 18. Februar gesehen haben. Ihr Handy war morgens noch im Haus eingeloggt, wenig später aber ausgeschaltet. Tagelang wird in Berlin spekuliert, ob Rebecca das Einfamilienhaus in der ruhigen Wohngegend im Stadtteil Britz sehr früh verließ, weil sie eine heimliche Verabredung hatte.

Kriminaltechniker untersuchen das Haus und den Garten der Schwester der verschwundenen 15-jährigen Rebecca.
Bild: Bernd von Jutrczenka, dpa

Rebeccas Schwager festgenommen

Zehn Tage nach dem Verschwinden des Mädchens, am 28. Februar, nimmt die Polizei den 27-jährigen Mann der Schwester als Verdächtigen zum ersten Mal fest. Von da an geht es um ein "Tötungsdelikt". Die Polizei glaubt nicht mehr, dass Rebecca lebt. Aus dem ursprünglich alltäglichen Vermisstenfall ist ein ganz besonderer Kriminalfall geworden, der aus mehreren Gründen aufsehenerregend ist:

Das Opfer ist weiblich, jung und hübsch. Die Umstände ihres Verschwindens bleiben geheimnisvoll. Auch nach zahlreichen Tagen und intensiver Suche taucht Rebecca weder lebend noch tot wieder auf. Es gibt einen dringend Verdächtigen, der zur Familie gehört. Diese verteidigt ihn vehement auch in der Öffentlichkeit. Rebeccas Vater sagt später im Fernsehen: "Die ganze Nummer hängt mit einer anderen Sache zusammen, die ich aber nicht sagen darf."

Neue Suchaktionen im Fall Rebecca geplant

In vielen Kriminalfällen gibt es eine Leiche, zu der die Polizei den Täter sucht. Hier ist es umgekehrt. Die Polizei glaubt, den Täter zu haben. Aber es fehlt die Leiche. Zwar gelingt es der Mordkommission, den verdächtigen Schwager in Untersuchungshaft zu bringen. Der Mann schweigt jedoch. Der Druck auf die Kripo wächst. Ohne Leiche ist die Todesursache unbekannt. Es gibt keine DNA-Spuren oder ähnliches als Beweise für eine Anklage und einen Prozess. "Für eine Anklage braucht es nicht zwingend eine Leiche", sagte jedoch der Strafrechtler Hans Lilie aus Halle (Saale) zur Rechtslage. "Es gibt einige Fälle, in denen Personen verurteilt worden sind und in denen das Opfer nie gefunden wurde", sagte Lilie der Deutschen Presse-Agentur. "In diesen Fällen hat die Indizienkette aber ausgereicht, dass bei dem Richter die Gewissheit bestanden hat, dass ein bestimmtes Tatgeschehen zum Tod des Opfers geführt hat." Wenn keine Leiche gefunden werde, müsse das Gericht am Ende die Beweise bewerten und seine Schlussfolgerungen ziehen.

Der Strafverteidiger Stefan Conen hatte im RBB-Inforadio kritisiert, dass der beschuldigte Schwager schon als Täter dargestellt werde, obwohl in jedem Ermittlungsverfahren die Unschuldsvermutung gelte. "Und nicht nur im Ermittlungsverfahren, sondern bis zum Abschluss eines Verfahrens."

Kritik an der Polizei im Fall Rebecca

Mehr als zwei Wochen nach dem 18. Februar entschließt sich die Polizei zu einem ungewöhnlichen Schritt. Dafür braucht sie die Genehmigung eines Richters, Kritik gibt es trotzdem. Sie veröffentlicht Fotos des verdächtigen Schwagers und Informationen zu zwei Autofahrten nach Brandenburg. Obwohl sie keineswegs nach dem Mann fahndet, weil er ja schon eingesperrt ist. Sollte er sich später als unschuldig erweisen, stünden Polizei und Staatsanwaltschaft schlecht da. Das geben sie unter der Hand auch zu.

Der Leiter der zuständigen 3. Mordkommission, Kriminalhauptkommissar Michael Hoffmann, geht ins Fernsehen, um den Verdacht gegen den Schwager zu begründen und die Suche nach Zeugen, die den Mann oder sein Auto sahen, voranzutreiben. "Wir gehen inzwischen fest davon aus, dass es sich um ein Tötungsdelikt handelt", sagt Hoffmann. Die Analyse verschiedener Internetdaten habe ergeben, dass Rebecca an dem Morgen das Haus ihrer Schwester nicht verlassen habe. "Wenn wir dies voraussetzen, dann war der Schwager mit ihr allein zur fraglichen Tatzeit in diesem Haus." Seine beiden Fahrten nach Brandenburg könne der Mann nicht erklären.

Für Hoffmann und seine Kollegen ist die Suche nach der Leiche auch ein Lauf gegen die Zeit und die Verwesung, die entscheidende Spuren zerstören könnte. Die Strategie der Polizei geht zunächst auf. Nach dem Fahndungsaufruf in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY" vom Mittwochabend gehen mehr als 300 neue Hinweise ein. Inzwischen sind laut Angaben der Polizei während der drei Wochen 1200 Hinweise eingegangen. Die würden alle geprüft und dann je nach möglicher Bedeutung priorisiert. Dabei seien aber auch viele Hinweise, die nicht brauchbar seien.

Unter den Hinweisen sei auch einer auf den Wald zwischen den kleinen Orten Kummersdorf und Wolzig in der Umgebung von Storkow, so die Polizei. Auf Nachfrage bestätigte eine Sprecherin der Polizei, dass ein Hinweis auf das auffällige himbeerrote Auto des Schwagers die Polizei in dieses Waldstück geführt habe. Ein potenzieller Zeuge habe gesagt, es könnte sein, dass er den Twingo in diesem Wald gesehen habe. Der Hinweis sei aber mit Konjunktiven versehen gewesen, es habe kein Foto oder ähnliches gegeben. 

Das Auto wurde am Vormittag des 18. Februar und am Abend des 19. Februar auf der nahe gelegenen A12 von einem automatischen Erfassungssystem registriert. Die Kameras hängen an einer Brücke über der Autobahn direkt an der Ausfahrt Storkow. Nach Angaben der Polizei ist der Schwager der einzige Mensch, der zu den genannten Zeitpunkten mit dem Auto gefahren sein kann. Die Fahrten sollen überhaupt nicht zu seiner erzählten Version passen.

Suche nach vermisster Rebecca aus Berlin in Brandenburg eingestellt

Trotz eines großen Suchaufgebots über drei Tage mit jeweils Hunderten Berliner Polizisten und Dutzenden Suchhunden in einem Brandenburger Waldgebiet fanden die Beamten keine Spur der Zehntklässlerin. Ein Hinweis auf das himbeerrote Auto des tatverdächtigen Schwagers in dem weitläufigen Kiefernwald rund 50 Kilometer südöstlich von Berlin hatte die Suche dort ausgelöst. Es war jedoch nur ein vager Hinweis gewesen, der zu keinem Ergebnis führte. Am Sonntag wurde die Suche dort eingestellt.

Die Ermittler konzentrierten sich jetzt darauf, die Hinweise aus der Bevölkerung weiter auszuwerten, sagte eine Polizeisprecherin am Montag auf Anfrage. "Das wird noch viel Zeit kosten." Bislang gingen demnach mehr als 1200 Hinweise ein. Von weiteren geplanten Suchaktionen sei derzeit nichts bekannt. 

Wo sich die 15-Jährige Rebecca aufhält und was mit ihr passiert ist, bleibt also weiterhin ein Rätsel. (dpa/fla)

Hinweise zum "Fall Rebecca" nimmt die Mordkommission unter Tel. 030 / 4664-911 333 entgegen. Auch an jede andere Polizeistation können sich Zeugen wenden.

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