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Satiriker

19.03.2015

Wut, Spott, Spießer - Das ist Jan Böhmermann

Für sein Schaffen hat Jan Böhmermann bereits den Grimme-Preis erhalten. Jetzt sorgt der Satiriker für Wirbel mit der Aussage, das Varoufakis-Video gefaked zu haben.
Bild: Henning Kaiser/dpa

"Ignoranz, Ungerechtigkeit und grundlose Angst" bringen Jan Böhmermann auf die Palme. Mit seinem von Wut getriebenem Humor ist er wohl der legitime Nachfolger von Harald Schmidt.

Mit seinem Beitrag, das umstrittene Stinkefinger-Video mit Griechenlands Finanzminister Gianis Varoufakis sei ein Fake seiner ZDF-Sendung "Neo Magazin Royal", hat Jan Böhmermann (34) einen Coup gelandet, über den Millionen Menschen reden.

Böhmermann: Spöttischer Humor gegen BILD, Pegida und YouTuber

Die Faktenlage gerät dabei in den Hintergrund und ist fast egal. Doch wer ist dieser schmalschultrige, schlaksige Satiriker eigentlich, der virtuos wie sonst wohl keiner in Deutschland TV und soziale Netzwerke bespielt? Für manchen ist er ein arrogant-zynischer Yuppie-Journalist oder karrieregeiler Klugscheißer, für andere ein Ironie-Genie und die womöglich beste Rechtfertigung für den Rundfunkbeitrag.

Seine Fans bewundern ihn für seinen spöttisch-wütenden Humor, der sich schon gegen die "Bild"-Zeitung, Pegida-Anhänger, prominente YouTuber oder Sänger Campino und dessen Kollegen beim sozialen Projekt "Band Aid 30" als Musiker-Werbung gerichtet hat.

Jan Böhmermann ist überzeugter Öffentlich-Rechtlicher

Wenn man Böhmermann fragt, was ihn aufregt, dann sagt er laut "Zeit Magazin": "Ignoranz, Ungerechtigkeit und grundlose Angst." Er spreche von sich als "mehrfacher Vater mit einem unerschütterlichen Wertekompass". Nach der Arbeit wolle er schnell nach Hause, um sich auf dem Sofa an der "eigenen Spießigkeit zu erfreuen". Was Details zu seinem Privatleben angeht, hält sich der Spaßmacher stets bedeckt. 

Für seinen Rundfunkbeitrag will der überzeugte Öffentlich-Rechtliche "nicht nur folkloristische Lokalberichterstattung" oder "die singende Sagrotan-Flasche Helene Fischer sehen". Sein Ansatz: "zur Not muss man das Programm, das man sich wünscht, eben selber machen."

In einem TV-Interview brachte er mal die Linke-Politikerin Sahra Wagenknecht in Bedrängnis, als er verliebt tuend ein gemeinsames Date vorschlug. ProSieben-Altmeister Stefan Raab führte er mal vor, indem er etwas produzierte, was so aussah wie eine chinesische Kopie des "TV total"-Quiz' "Blamieren oder Kassieren". Raab zeigte das in seiner Show und machte sich über das Fake ernsthaft lustig.

Jan Böhmermann ist ein Bewunderer von Harald Schmidt

Während er Günther Jauch und Stefan Raab weniger schätzt, ist Böhmermann ein Bewunderer von Harald Schmidt, wie er in einem "Zeit"-Interview belegte: "Er ist ein Pionier für intelligentes Fernsehen. Damit hat er Klaas Heufer-Umlauf, Olli Schulz und mir den Weg geebnet. Bevor Schmidt kam, war alles andere Klamauk." 

Jan Böhmermann wurde am 23. Februar 1981 in Bremen geboren. Als er 17 war, starb sein Vater an Leukämie, wie es in Biografien heißt. Nach dem Abitur war er Reporter bei der Lokalzeitung und bei Radio Bremen. In Köln studierte er Geschichte, Soziologie und Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften, brach nach wenigen Semestern jedoch ab. Er kam zum WDR-Radiosender 1Live, wo er vor zehn Jahren "Lukas' Tagebuch" erfand. Fußball-Star Lukas Podolski missfielen diese Parodien, weshalb er der ARD bei der WM 2006 Interviews verweigerte.

Ab 2009 war Böhmermann Mitarbeiter bei der Late-Night-Show "Harald Schmidt" im Ersten, später machte er mit Charlotte Roche die provokante ZDFkultur-Talkshow "Roche & Böhmermann", in der geraucht und Whisky getrunken wurde. Es folgte das Grimme-Preis-ausgezeichnete "Neo Magazin" (ZDFneo), das seit Anfang Februar "Neo Magazin Royale" heißt und in Zweitausstrahlung auch im Hauptprogramm des ZDF läuft. dpa

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