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Youtube-Streit
22.03.2019

Zwei Youtuber lösen eine Massenschlägerei in Berlin aus

Der Berliner Alexanderplatz ist am Donnerstagabend Schauplatz einer Massenschlägerei geworden.
Foto: Monika Wendel

Zwei verfeindete Youtuber haben online zu einer Massenschlägerei in Berlin aufgerufen. Die Polizei spricht von einer "absoluten Ausnahmesituation".

Nach einem Aufruf zweier rivalisierender Youtuber ist es am Donnerstag auf dem Berliner Alexanderplatz zu einer Massenschlägerei gekommen. „Am frühen Abend versammelten sich auf dem Platz rund 400 Leute“, sagte Polizeisprecher Michael Gassen. Nach seinen Angaben waren die meisten Jugendliche oder junge Erwachsene. Später gerieten etwa 50 von ihnen in Streit und gingen mit Faustschlägen, Fußtritten und Pfefferspray aufeinander los.

Die Polizei schritt mit rund 100 Beamten ein. Sie versuchte, die beiden Streitlager voneinander zu trennen. „Dabei setzten die Beamten auch Reizgas ein“, sagte Gassen weiter. Die Polizei forderte die Meute mit Lautsprecherdurchsagen auf, den Alexanderplatz zu verlassen. Wenig später zerstreuten sich die Menschen. Die wilde Schlägerei war trotzdem noch lange nicht vorbei. „Etwa 20 von ihnen rannten in den U-Bahnhof und sprangen ins Gleisbett, wo sie sich mit Schottersteinen bewarfen“, schilderte der Polizeisprecher.

Streit eskalierte wegen veröffentlichten Handynummern

Bis sich die Lage beruhigt hatte, dauerte es mehrere Stunden. Es gab neun Festnahmen, die Polizei leitete außerdem 13 Strafverfahren ein – wegen schweren Landfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung. „Die Ermittlungen dauern noch an. Es ist möglich, dass die Zahlen steigen“, sagte Gassen am Freitagnachmittag auf Anfrage unserer Redaktion. Bei den Tumulten wurden zwei Polizisten verletzt. „Was wir erlebt haben, war eine absolute Ausnahmesituation. Wir werden alles daransetzen, um die Gewaltbereiten zur Rechenschaft zu ziehen“, so Gassen.

Grund für die Schlägerei war ein schon länger andauernder Streit zweier junger Männer mit Videokanälen auf Youtube. Dabei handelt es sich zum einen um den in Stuttgart lebenden ThatsBekir. Er ist um die 20 und der Erfolgreichere von beiden. Auf besagter Plattform folgen ihm über 260.000 Menschen. Sein Berliner Kontrahent firmiert in den sozialen Netzwerken unter dem Namen Bahar Al Amood. Er sei 17 Jahre alt, heißt es in einem Video, in dem ein anderer über ihn spricht. Ihm werden außerdem Verbindungen zu einer arabischstämmigen Großfamilie nachgesagt.

Die beiden füllen ihre Kanäle vor allem mit Videos, in denen sie aus ihrem Alltag berichten. Sie hatten ihre Follower übers Internet aufgefordert, am späten Nachmittag am Alexanderplatz zu erscheinen. Zuvor hatten sie sich wochenlang in öffentlichen Videobotschaften beleidigt. Die Auseinandersetzung eskalierte, als die zwei sich gegenseitig vorwarfen, ihre Handynummern im Netz veröffentlicht zu haben.

Polizei warnt vor gefährlicher Entwicklung

Nach dem gewaltvollen Aufeinandertreffen beider Fanlager sprach die Gewerkschaft der Polizei (GdP) von einer „Zusammenkunft von zu viel Testosteron, die mehr oder weniger so gewollt war“. GdP-Landeschef Norbert Cioma warnte vor einer gefährlichen Entwicklung: „Wir sehen in der Rapperszene und zunehmend auch bei anderen Influencern, dass sie teilweise sehr fahrlässig mit ihrem Einfluss umgehen.“

Demnach würden sie bewusst Pulverfässer öffnen, um Abonnenten und Klicks zu generieren. Nach der Massenschlägerei zeigten sich die beiden Verursacher kleinlaut, gaben Statements auf ihren Kanälen ab. Der Stuttgarter ThatsBekir schrieb, es gehe ihm schlecht, er brauche eine Pause. Sein Widersacher teilte mit, dass ihm „das mit der Polizei“ leidtue. Er habe erfolglos versucht, die Sache verbal zu klären. Polizeisprecher Gassen schloss am Freitagnachmittag nicht aus, dass gegen beide Youtuber noch ermittelt wird.

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23.03.2019

>> „Wir sehen in der Rapperszene und zunehmend auch bei anderen Influencern, dass sie teilweise sehr fahrlässig mit ihrem Einfluss umgehen.“ <<

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