Newsticker

Corona-Neuinfektionen in Deutschland auf höchstem Stand seit April
  1. Startseite
  2. Panorama
  3. Zwei Jugendliche liegen noch im Koma

Nach Alkoholexzess auf der Klassenfahrt

29.03.2009

Zwei Jugendliche liegen noch im Koma

Nach dem Trinkgelage in der Türkei, bei dem ein 21-jähriger Schüler aus Lübeck verstorben war, schweben noch zwei junge Männer in Lebensgefahr.

Lübeck/Antalya (ddp) - Ein tödliches Trinkgelage mit Schnaps auf einer Klassenfahrt von Realschülern aus Lübeck sorgt bundesweit für Bestürzung. Bei dem Alkoholexzess im türkischen Ferienort Kemer war ein 21-Jähriger in der Nacht zu Donnerstag ums Leben gekommen. Sechs Mitschüler kamen mit schweren Vergiftungen ins Krankenhaus nach Antalya, zwei von ihnen schwebten am Wochenende noch in Lebensgefahr. Die übrigen Schüler sind mittlerweile nach Deutschland zurückgekehrt.

Lübecks Oberbürgermeister Bernd Saxe (SPD) zeigte sich entsetzt und warf dem in die Türkei mitgefahrenen Lehrer vor, seine Aufsichtspflicht eklatant verletzt zu haben. Der Leiter der Lübecker Schule, Rüdiger Knoll, nahm dagegen den Kollegen wie auch die Schüler in Schutz. Diese hätten sich die Vergiftungen wahrscheinlich zugezogen, weil der Schnaps wohl mit Methylalkohol gepanscht gewesen sei, sagte Knoll. Die türkische Staatsanwaltschaft hat in dem Fall Ermittlungen aufgenommen.

Bei dem Exzess hatten sich am Mittwochabend sieben Realschüler der Lübecker Privatschule Bildungszentrum Mortzfeld in einem türkischen Hotel in Kemer mit Wodka betrunken. Offenbar kauften sie den Schnaps in einem Laden in der Nähe ihres Hotels und tranken ihn anschließend in ihrem Zimmer, wie die "Lübecker Nachrichten" berichteten.

Zwei Jugendliche liegen noch im Koma

Am Morgen danach stieß der 21-jährige Rafael N. nicht wie üblich zu der Gruppe. Als er auf mehrmaliges Klopfen nicht öffnete, sei die Hotelleitung informiert und die Zimmertür aufgebrochen worden, hieß es. Rafael N. habe tot in seinem Bett gelegen. Den anderen sechs jungen Männern im Alter zwischen 18 und 21 Jahren sei so übel gewesen, dass Rettungskräfte alarmiert wurden.

Insgesamt waren elf Schüler der Realschulklasse am vergangenen Sonntag in die Türkei geflogen. Begleitet wurden sie bei der einwöchigen Reise von einem 55-jährigen Lehrer.

Oberbürgermeister Saxe sagte, es sei "erschreckend", dass auf Klassenfahrten so viel Alkohol getrunken werden könne, dass anschließend Menschen sterben. Er forderte die Landesregierung von Schleswig-Holstein auf, zu prüfen, wie es in Begleitung eines Lehrers zu einem solchen Vorfall kommen könne. Man müsse "darüber nachdenken", ob bei einer Klassenfahrt ein Lehrer als Begleitung ausreiche. Offensichtlich sei der Mann seiner Aufsichtspflicht nicht nachgekommen.

Schulleiter Knoll nahm den Lehrer in Schutz. Es handele sich um einen "sehr erfahrenen, sehr besonnenen und sehr strengen Kollegen". Auch mit der Schulklasse habe man in der Vergangenheit nur "gute Erfahrungen" gemacht, die Schüler seien stets "diszipliniert und leistungsbereit", sagte Knoll. Daher seien er und das Lehrerkollegium auch "völlig schockiert" angesichts des Vorfalls.

Der Schulleiter sagte, alle Schüler, die den Wodka getrunken haben, hätten Sehstörungen. Dies weise darauf hin, dass es sich bei dem Schnaps um mit Methylalkohol gepanschte Ware gehalten habe. Offizielle Stellungnahmen von Polizei oder Klinik gebe es aber noch nicht.

In dem Hotel waren die Schüler offenbar von Anfang an unangenehm aufgefallen. Gleich nach ihrer Ankunft sei Alkohol geflossen - Bier, Wodka und Raki, sagte der Hoteldirektor. "Sie haben nicht gewusst, wann genug ist." Die Unterkunft im Hotel war "All inclusive" gebucht worden. Laut Hoteldirektor hatten die Schüler kostenlosen Zugang zu den Alkoholika an der Hotelbar.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren