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Berlin

29.01.2019

Zwei Obdachlose in Berlin angezündet: Angeklagter schweigt

Der Angeklagte, der zwei Obdachlose mit Benzin übergossen und angezündet haben soll, steht zu Beginn des Prozesses im Kriminalgericht Moabit.
Bild: Bernd von Jutrczenka, dpa

Der mutmaßliche Täter soll zwei Obdachlose an einem S-Bahnhof in Berlin angezündet haben. Einer stirbt sogar. Der Angeklagte schweigt vor dem Landgericht.

Er soll zwei obdachlose Männer nach einem Streit mit Benzin übergossen und angezündet haben: Rund sechs Monate nach einer tödlichen Brand-Attacke am Berliner S-Bahnhof Schöneweide steht ein 48-Jähriger vor dem Landgericht.

Der Angeklagte, der die russische und deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, hüllte sich zu Prozessbeginn am Dienstag in Schweigen. Einer der Obdachlosen, ein 47 Jahre alter Mann, erlag Monate nach der Tat seinen Verletzungen. Der zweite Obdachlose, ein 62-Jähriger, erlitt leichtere Verbrennungen.

Der 48-Jährige soll am 22. Juli 2018 mit den beiden Männern, mit denen er zuvor mehrfach gezecht habe, in einen Streit geraten sein. Gegen 23 Uhr sei er an die auf dem Vorplatz des Bahnhofs sitzenden Männer herangetreten und habe sie mit zuvor von ihm gekauften Benzin übergossen, heißt es in der Anklage. Aus Wut und Verärgerung soll er die beiden deutschen Obdachlosen, die gerade ihr Nachtlager vorbereitet hätten, in Brand gesetzt haben.

Opfer spricht vor Gericht: Freund habe lichterloh gebrannt

Der 62-Jährige sagte als erster Zeuge vor Gericht, es habe Streit mit dem Angeklagten gegeben. "Er hat den Schnaps meines Freundes gesehen und wollte partout nicht mehr gehen." Sie hätten aber mit dem 48-Jährigen nicht teilen wollen und ihn aufgefordert, sie in Ruhe zu lassen.

Der Angeklagte sei dann zu einer nahe gelegenen Tankstelle gelaufen und mit einem Kanister zurückgekehrt. "Erst wurde mein Freund übergossen, dann bekam ich den Rest ab", sagte der 62-Jährige. Sein Freund habe zuerst gebrannt - "lichterloh".

Zeugen hatten den Ermittlungen nach die brennende Bekleidung der Opfer gelöscht. Die beiden Männer seien ins Unfallkrankenhaus Berlin gebracht und stationär behandelt worden, heißt es weiter in der Anklage. Der 47-Jährige habe schwere Verbrennungen an 30 Prozent der Hautoberfläche erlitten. Er sei in ein künstliches Koma versetzt und mehrfach operiert worden. Der Mann starb im Herbst.

Brand-Attacke auf Obdachlose: 47-Jähriger stirbt

Der mutmaßliche Täter, der sich nach Streitereien mit seiner Ehefrau mehrfach am S-Bahnhof Berlin-Schöneweide aufgehalten und dort gezecht haben soll, wurde Ende Juli festgenommen. In früheren Vernehmungen soll er angegeben haben, die Opfer aus Versehen mit Benzin bespritzt zu haben. Durch eine zu Boden gefallene Zigarette sei es zum Brand gekommen.

Die Anklage lautete zunächst auf versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung. Nachdem der 47-Jährige gestorben war, kam der Vorwurf des Totschlags hinzu. Der Prozess geht am 1. Februar weiter. (dpa)

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