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„Äußerst fatales Signal“: „Tatort“-Stars Gröschel und Brambach rechnen mit MDR ab

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk

„Äußerst fatales Signal“: „Tatort“-Stars rechnen mit MDR ab

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    Cornelia Gröschel und Martin Brambach, die im Dresdner „Tatort“ Kommissarin Leonie Winkler und Kommissariatsleiter Peter Michael Schnabel spielen, kritisieren den MDR scharf.
    Cornelia Gröschel und Martin Brambach, die im Dresdner „Tatort“ Kommissarin Leonie Winkler und Kommissariatsleiter Peter Michael Schnabel spielen, kritisieren den MDR scharf. Foto: Robert Michael/dpa

    Erst kürzlich hat die Rekord-Sommerpause bei den ARD-Sonntagskrimis begonnen. Bis zum 13. September wird es keine neuen Folgen von „Tatort“ und „Polizeiruf 110“ geben – auch aus Spargründen. Der Unmut unter TV-Zuschauern ist groß. Jetzt sorgt eine weitere Entscheidung für Verärgerung: bei den „Tatort“-Stars. Denn der MDR pausiert „Tatort-“ und „Polizeiruf“-Neuproduktionen für drei Jahre. Statt Erstausstrahlungen wolle man fertiggestellte und vertraglich fixierte Produktionen zeigen, die „vorrätig“ seien. Grund: die gestoppte Erhöhung des Rundfunkbeitrags.

    Cornelia Gröschel und Martin Brambach, die im Dresdner „Tatort“ Kommissarin Leonie Winkler und Kommissariatsleiter Peter Michael Schnabel spielen, kritisieren den MDR scharf. In einem gemeinsamen Beitrag auf Instagram sprechen sie von einem „äußerst fatalen politischen Signal“, dass in den quotenstärksten und beliebtesten TV-Reihen im deutschen Fernsehen der Osten Deutschlands einfach nicht mehr vorkomme. „Das kann und darf nicht passieren!!!“

    Cornelia Gröschel und Martin Brambach: „Traurige Entscheidung“ und „Katastrophe“

    Für die vielen treuen Zuschauerinnen und Zuschauer sei die Entscheidung traurig, für die vielen Menschen, die direkt oder indirekt von so einer Produktion lebten, jedoch „eine Katastrophe“. Wie für den gesamten Medienstandort Mitteldeutschland. Gröschel und Brambach zufolge könnten bis zu tausend Arbeitsplätze verloren gehen. Und auch sie als Schauspielerinnen und Schauspieler müssten ja Miete zahlen. Ob in drei Jahren genug Geld zum Weitermachen da sei, könne ihnen niemand versprechen. Gröschel und Brambach fürchten daher „das Ende des Tatorts Dresden und des Polizeirufs aus Magdeburg“.

    Die Stellungnahme der beiden populären Schauspieler ist nichts weniger als eine Abrechnung. Und sie lässt sich als Mahnung lesen – schließlich muss die gesamte ARD sparen. Das sieht der im vergangenen Dezember in Kraft getretene Reformstaatsvertrag vor, der ARD, ZDF und Deutschlandradio „digitaler, schlanker und moderner“ ausrichten will. Gestrichen werden TV-Spartenkanäle und alleine beim Bayerischen Rundfunk vier von zehn Hörfunkprogrammen.

    Ist der MDR nur der Vorreiter – und spart man künftig bei weiteren Vorzeige-Formaten?

    Der MDR könnte Vorreiter dabei sein, selbst derart prestigeträchtige Produktionen wie den „Tatort“ einzustellen. Bereits im Februar hatte der Sender den angeblich als „Trilogie“ angelegten „Polizeiruf 110“ aus Halle mit den Ermittlern Koitzsch (Peter Kurth) und Lehmann (Peter Schneider) nach eben nur drei Folgen auslaufen lassen. Für die beiden kam das überraschend, wie Schneider sagte: Er sei ursprünglich für eine Reihe, nicht für eine Trilogie angefragt worden.

    Die Schauspieler Peter Kurth (links) und Peter Schneider durften nur dreimal in Halle für den „Polizeiruf 110“ ermitteln.
    Die Schauspieler Peter Kurth (links) und Peter Schneider durften nur dreimal in Halle für den „Polizeiruf 110“ ermitteln. Foto: Mitteldeutscher Rundfunk

    Auch sie übten scharfe Kritik am MDR und beklagten den Verlust einer speziellen ostdeutschen Perspektive und Repräsentation. Bei der Linken im Dresdner Stadtrat ist nun von einer „eklatanten Fehlentscheidung“ die Rede. Der Osten werde einmal mehr „als Landstrich zweiter Klasse behandelt“. Der Stadtrat solle den MDR auffordern, die Entscheidung „unverzüglich zu korrigieren“, da der „Tatort“ den Tourismus in Dresden und der Region stärke.

    Grünen-Politikerin Sanne Kurz warnt vor AfD-Plänen für einen „Grundfunk“

    Es ist ein Politikum, erst recht in diesem Jahr, in dem die AfD die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gewinnen könnte. Neben den identitätspolitischen Themen, mit denen sie Stimmung macht, kündigte sie an, die Rundfunkstaatsverträge aufzukündigen. In der Folge könnte das Bundesland Sachsen-Anhalt keine eigene öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt mehr haben.

    Im AfD-Regierungsprogramm steht: „Wir werden uns dafür einsetzen, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in ein verfassungskonformes Grundangebot zu überführen.“ Möglich seien hierfür zubuchbare und freiwillige Abonnement-Optionen. „Eine Finanzierung durch Haushaltsmittel oder Werbung soll hierfür geprüft werden.“

    Sanne Kurz, medienpolitische Sprecherin der Landtags-Grünen und BR-Rundfunkrätin, sagte unserer Redaktion über die MDR-Entscheidungen: „Die Sparmaßnahmen sind erst der Anfang hin zum ,Grundfunk‘, der von Rechtsaußen präferiert und mit tendenziösen Framings massiv befeuert wird.“ Kurz fürchtet um den gesellschaftlichen Zusammenhalt und gibt zu bedenken: „Wie erreichen wir die massiv gewachsene Zahl derer, die keine Information und keine Nachrichten wollen, die aber durch ,Tatort‘, ,Lindenstraße‘ und Co an aktuellen Debatten teilhaben konnten? Und diese hernach auf der Arbeit oder in der Nachbarschaft diskutierten?“

    MDR klagt über ausgebliebene Erhöhung des Rundfunkbeitrags

    Der MDR hatte schon bei der Einstellung des „Polizeirufs“ aus Halle die Notwendigkeit von Einsparungen betont, die „alle Bereiche“ träfen – mit „Auswirkungen auf publizistische Entscheidungen“. Einen Überblick über das Ausmaß gab der Sender der Öffentlichkeit vor wenigen Tagen: So will er das „ARD-Mittagsmagazin“ nächstes Jahr an eine andere Anstalt abtreten und strahlt sein Jugendradio MDR Sputnik nicht länger über UKW aus.

    MDR-Intendant Ralf Ludwig begründete die Sparmaßnahmen mit der ausgebliebenen Erhöhung des Rundfunkbeitrags um 58 Cent auf 18,94 Euro pro Monat und Haushalt. Die Länderchefs, besonders Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, hatten dieser nicht zugestimmt. Laut Ludwig könne man die seit dem 1. Januar 2025 fehlenden Einnahmen als MDR nicht kompensieren. Sie erzeugten „eine erhebliche Finanzlücke“.

    Nach ARD-Angaben von vor zwei Jahren beträgt der durchschnittliche Minutenpreis für die 90-minütigen Sonntagskrimi-Folgen 21.500 Euro brutto, also um die 1,9 Millionen Euro je Folge. Mit einem gewissen Stolz verweist man darauf, dass es „kaum ein anderes fiktionales Unterhaltungsformat im deutschen Fernsehen“ gebe, „in dem sich die regionalen Besonderheiten Deutschlands so widerspiegeln“ wie in „Tatort“ und „Polizeiruf 110“. Der MDR kam nach den noch aktuellen Zahlen im Jahr 2024 auf Erträge von rund 774 Millionen Euro, 616 Millionen Euro davon aus dem Rundfunkbeitrag.

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