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Affenpocken
14.07.2022

Was sind Affenpocken? Infos rund um Symptome, Impfung und Quarantäne

Die Affenpocken breiten sich in Großbritannien langsam aus. Das RKI mahnt zur Vorsicht.
Foto: Andrea Männel, dpa

Auch in Deutschland gibt es Affenpocken-Fälle. Hier finden Sie die wichtigsten Infos rund um Symptome, Impfung, Übertragung, Quarantäne und Behandlung.

Ein seltener Affenpocken-Fall in Großbritannien erregte Ende Mai Aufmerksamkeit. Mittlerweile sind auch Affenpocken-Fälle in Deutschland bestätigt: Die Nachweise stammen demnach bislang aus 14 Bundesländern, unter anderem aus Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) gibt es damit nun 1054 bestätigte Affenpocken-Fälle in allen 16 Bundesländern (Stand 2.7.). Mit weiteren Infektionen sei zu rechnen, heißt es aus dem Gesundheitsausschuss des Bundestages. Wer eine pockenähnliche Hautveränderung feststellt, sollte zum Arzt gehen. Auch dann, wenn er sich davor nicht in bestimmten Gebieten aufgehalten hat.

Affenpocken-Symptome: Welche Anzeichen gibt es?

Laut der UK Health Security Agency (UKHSA) verläuft die Erkrankung meist mild. Doch sie kann auch schwere Verläufe nach sich ziehen.

Folgende Symptome (ähnlich wie bei Pocken) können bei einer Infektion mit den Affenpocken auftauchen:

  • Fieber
  • Kopfschmerzen
  • geschwollene Lymphknoten
  • Halsschmerzen
  • Rückenschmerzen
  • Husten
  • Unwohlsein
  • Kraftlosigkeit

Hinzu kommt ein Ausschlag, der meist an den Schleimhäuten anfängt. Dieser breitet sich dann weiter am Körper aus. Der Ausschlag kann je nach Stadium unterschiedlich aussehen und an Windpocken oder Syphilis erinnern.

Video: ProSieben

Übertragung der Affenpocken

Laut dem RKI findet die Übertragung eigentlich hauptsächlich dort statt, wo Menschen in Kontakt mit infizierten Tieren (Eichhörnchen, Ratten und Primaten) kommen. Das kann durch einen Biss, den Umgang mit einem Haustier, Kontakt mit dem Blut oder durch andere Körperflüssigkeiten des Tiers passieren.

Video: SAT.1

Außerdem ist die Gefahr erhöht, wenn infiziertes Affenfleisch gegessen wird, sowie durch Tröpfcheninfektion zwischen Mensch und Tier.

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Die Übertragung von Mensch zu Mensch nimmt offenbar weiter zu. Grund dafür könnte sein, dass sich immer weniger Menschen gegen die Pocken impfen lassen. Auch bei Sexualkontakten kann das Virus weitergegeben werden.

Viele Übertragungen könnten derzeit noch unbemerkt vonstatten gehen. Ärztepräsident Klaus Reinhardt sagte in einem Interview mit dem SWR: "Es gibt eine relativ lange Inkubationszeit, die liegt bei etwa drei Wochen." Das bedeute: Es gebe jetzt schon eine ganze Reihe von Infizierten und vielleicht auch schon beginnend infektiösen Menschen, die das noch nicht wissen und es weiterverbreiten könnten.

Quarantäne bei Affenpocken: Müssen sich Infizierte isolieren?

Wer sich mit Affenpocken infiziert hat, soll sich mindestens 21 Tage isolieren. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sagte am Dienstag, den 24. Mai, am Rande des Deutschen Ärztetages in Bremen, diese Empfehlung sei zusammen mit dem Robert Koch-Institut entwickelt worden. Auch für Kontaktpersonen von Infizierten gelte die "dringende Empfehlung", sich für 21 Tage in Quarantäne zu begeben.

Damit folgen Lauterbach und RKI dem Vorbild anderer Länder: Seit 23. Mai empfiehlt bereits die britische Gesundheitsbehörde UKHSA für enge Kontaktpersonen von Affenpocken-Infizierten eine dreiwöchige Quarantäne. Das bedeutet für Personen, die im selben Haushalt mit einer erkrankten Person leben oder Geschlechtsverkehr mit ihr hatten. Diese Gruppe soll zusätzlich zur Quarantäne eine Pockenimpfung bekommen. Auch in Belgien gibt es nun eine Empfehlung: Hier sollen sich Infizierte für 21 Tage isolieren. Kontaktpersonen müssen nicht zwingend in Quarantäne, ihnen wird nur besondere Vorsicht geraten. Eine Übersicht zu Quarantäne- und Isolationsbestimmungen lesen Sie hier: In diesen Ländern herrscht Quarantänepflicht bei Affenpocken

Wie werden die Affenpocken behandelt?

Die Behandlung von Affenpocken zielt hauptsächlich auf die Linderung der Symptome ab. Zudem sollen weitere bakterielle Infektionen durch das geschwächte Immunsystem verhindert werden.

Video: SAT.1

Kann man sich gegen Affenpocken impfen lassen?

Gegen die Affenpocken wirkt die normale Pockenimpfung wirkt laut den britischen Gesundheitsbehörden zu 85 Prozent vorbeugend. Nach Angaben von Bildungsminister Nadhim Zahawi hat die britische Regierung bereits damit begonnen, Vorräte an Pocken-Impfstoff aufzukaufen. Eigentlich gelten die Pocken des Menschen seit 1980, nach einer großen weltweiten Impfkampagne, als ausgerottet. Das RKI berichtet jedoch, dass weite Teile der Weltbevölkerung keinen Pocken-Impfschutz mehr haben.

Deshalb kauft auch Deutschland einen Affenpocken-Impfstoff - beinahe eine Viertelmillion Dosen. Bundesgesundheitsminister Lauterbach sagte am 29. Mai in der ARD: "40.000 Einheiten sollen in den ersten beiden Juni-Wochen kommen, dann 200.000 Einheiten danach." Die Europäische Union (EU) sicherte sich derweil Mitte Juni 110.000 Impfdosen des deutsch-dänischen Herstellers Bavarian Nordic.

Das RKI empfiehlt Risikogruppen eine Affenpocken-Impfung. Dazu gehören Männer, die gleichgeschlechtliche sexuelle Kontakte haben.

Gibt es nun eine neue Pandemie?

Lauterbach betonte, es handele sich nicht um den Beginn einer neuen Pandemie. Es gebe "gute Chancen, diesen Erreger zu stoppen - nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa." Auch wenn immer mehr Fälle auftauchen - eine neue Pandemie ist nicht zu befürchten, da sind sich auch Wissenschaftler einig. So sagte der Virologe Gerd Sutter der Zeit: "Eine neue Pandemie haben wir nicht zu befürchten. Affenpockenviren sind seit Jahrzehnten bekannt, in Zentral- und Westafrika heimisch, dort werden regelmäßig Ausbrüche in Menschen beobachtet, aber die sind relativ klein."

Der Experte rechnet nur mit einem kurzen Ausbruch: "Da wir kaum mehr Immunität gegen die klassischen, seit über 40 Jahren in der Natur ausgerotteten Pockenviren haben, breiten sich aber auch die Affenpocken immer mal aus, aber lediglich punktuell. Das machen sie bei Weitem nicht so effizient wie die Grippe oder Sars-CoV-2."

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