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Krieg in der Ukraine
05.07.2022

Nach Geheimdienst-Berichten: Gab es ein Attentat auf Putin?

Rund um Wladimir Putin gibt es Gerüchte, dass er Opfer eines Attentates werden sollte.
Foto: Mikhail Metzel, dpa (Archivbild)

Der ukrainische Geheimdienst verbreitet Gerüchte, wonach ein Attentat auf Wladimir Putin vereitelt wurde. Was ist an diesen Gerüchten dran und wie wahrscheinlich ist ein Attentat auf den russischen Präsidenten?

Der US-amerikanische Senator Lindsey Graham hatte für ordentlich Wirbel gesorgt, als er folgende Behauptung in den Raum warf: "Die einzige Art, wie dies endet, ist durch jemanden in Russland, der diesen Typen aus dem Spiel nimmt." Der Doktor der Juristerei, der jahrelang amerikanische Soldaten im Völkerrecht beriet, schickte auch noch zwei Fragen hinterher: "Gibt es einen Brutus in Russland? Gibt es einen erfolgreicheren Oberst Stauffenberg im russischen Militär?"

Brutus hatte den römischen Diktator Julius Caesar ermordet, Claus Schenk Graf von Stauffenberg hatte am 20. Juli 1944 vergeblich ein Attentat auf Adolf Hitler zu verüben versucht. Graham macht also eine interessante Reihe auf: Caesar, Hitler und Wladimir Putin. Die Nachricht ist klar: Ein Sturz von Putin – und damit auch ein Ende des Krieges in der Ukraine – ist nur durch ein Attentat auf Putin möglich. Doch wie wahrscheinlich ist ein solches und gab es vielleicht sogar schon eines?

Gerüchte über Attentat auf Putin

Laut Berichten des ukrainischen Geheimdienstes hat es tatsächlich jüngst einen Attentatsversuch auf Putin gegeben. Dieser soll sich vor knapp zwei Monaten ereignet haben, rund einen Monat nach dem Beginn des Krieges in der Ukraine. Das berichtete Kyrylo Budanow der ukrainischen Zeitung Pravda. "Es gab einen Attentatsversuch auf Putin", erklärte der Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes: "Es war ein absolut erfolgloser Versuch, aber es ist wirklich passiert."

Video: dpa Exklusiv

Budanow behauptet, dass der Versuch in Geheimdienstkreisen schnell bekannt war, aber nicht an die Öffentlichkeit gelangte. Es soll sich bei dem Attentäter um einen Vertreter des Kaukasus gehandelt haben. Das ist eine reichlich ungenaue Angabe, denn zum Kaukasus werden die Länder Georgien, Iran, Aserbaidschan, Armenien und auch Russland gezählt.

Was ist an den Attentat-Gerüchten dran?

Klar ist, dass man die Berichte von Budanow mit Vorsicht genießen muss. Er befindet sich mit seinem Land seit der Invasion von Russland im Krieg – Propaganda und gezielt gestreute Gerüchte gehören dazu. "Es gibt keine Hinweise darauf, dass dieses Attentat hätte stattfinden können", schätzt Gerhard Mangott, Russland-Experte und Professor für internationale Beziehungen an der Universität Innsbruck die Lage ein. Er verweist auf den Informationskrieg: "Mit einem Gerücht über ein angebliches Attentat könnte der Westen zeigen wollen, dass es in Russland ernsten und gewaltbereiten Widerstand gegen Wladimir Putin gebe." Es könnte sich also um Gerüchte wie die um die Frage handeln, ob Putin krank ist. Auch bei diesen ist der Wahrheitsgehalt ungewiss.

Auf der anderen Seite haben sich Informationen, die vom ukrainischen Geheimdienst gestreut wurden, in den letzten Wochen auch immer wieder als wahr herausgestellt. Offensichtlich ist zumindest, dass Putin die Öffentlichkeit derzeit scheut und die Bewachung seiner Person hochgefahren hat.

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Berichte um versuchtes Putin-Attentat im Juni

Am 17. Juni soll es ebenfalls zu einem geplanten Attentat auf den Kreml-Machthaber gekommen sein. Bei diesem handelte es sich laut dem Kreml-Insider Igor Sushko allerdings nicht um einen Versuch, Putin umzubringen. Vielmehr sollte ein Attentat inszeniert werden, das dann dem engsten Kreis des russischen Präsidenten in die Schuhe geschoben werden sollte. Vor allem Kremlsprecher Dmitry Peskow sollte beschuldigt werden.

Der russische Geheimdienst soll allerdings Wind von dem Plan bekommen haben und Putin und Peskow gewarnt haben. In der Folge verzögerte sich der Auftritt Putins bei dem Sankt Petersburger Wirtschaftsforum um etwa eine Stunde. Laut Slushko sollen die ersten Worte des 69-Jährigen auf der Bühne gewesen sein: "Viele haben erwartet, dass ich sterbe, doch ich bin am Leben."

Wie wahrscheinlich ist ein Attentat auf Putin?

Diese Frage ist kaum zu beantworten. Fakt ist, dass sich der russische Präsident einige Feinde gemacht hat. Zu nennen sind dabei natürlich die Ukrainer. Auch die Invasion in Georgien im Jahr 2008 hat viele Gegner des Kreml-Machthabers zurückgelassen. Es kämpfen georgische Soldaten auf der Seite der Ukrainer, doch auch der russischen Seite haben sich Soldaten aus abtrünnigen Gebieten von Georgien, Abchasien und Südossetien angeschlossen.

Eine weitere Option eines Attentats wäre, dass dieses von Oppositionellen in Russland ausgeht. Diese werden seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine verstärkt verfolgt. Der russische Oligarch Alexander Konanykhin hat unterdessen eine Art Kopfgeld auf Putin ausgesetzt. "Ich verspreche, eine Million Dollar dem oder den Polizisten zu zahlen, der, entsprechend der verfassungsgemäßen Pflicht, Putin als einen Kriegsverbrecher unter russischem und internationalem Recht festnimmt", hatte Konanykhin öffentlichkeitswirksam dargestellt – mit dem Zusatz: "Dead or Alive."

Eine andere Möglichkeit wäre ein Attentat aus dem russischen Geheimdienst FSB heraus, bei welchem Putin früher selbst arbeitete. Zuletzt hat er einige hochrangige Beamte des FSB entlassen und teilweise sogar einsperren lassen. Hierbei könnte es sich daher um die wahrscheinlichste Option handeln. Einfach wird es Putin potentiellen Attentätern aber nicht machen. Er hat mittlerweile deutlich mehr Leibwächter und sogar Scharfschützen, welche bei öffentlichen Einsätzen zu seinem Schutz vor Ort sind. Außerdem gibt es Berichte, wonach Putin sein Essen von Vorkostern probieren lässt.

Video: dpa

Auch über Selenskyj gibt es Attentat-Gerüchte

Derzeit wird nicht nur über potentielle Attentate auf Putin, sondern auch auf den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj spekuliert. Ukrainische Sicherheitsbehörden berichteten, dass es seit Kriegsbeginn mehrfach Attentatsversuche auf Selenskyj gegeben habe. Die Rede ist beispielsweise von Kommandos von tschetschenischen Elitesoldaten, deren Anschlagsversuche bislang aber allesamt vereitelt worden sein sollen.

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