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Brandenburg
19.06.2022

Hunderte Menschen vor Waldbränden in Sicherheit gebracht

Flammen sind im Waldstück bei einem Waldbrand zu sehen.
Foto: Thomas Schulz/TNN, dpa

An gleich zwei Stellen südwestlich von Berlin kämpfen Einsatzkräfte gegen Waldbrände. Die Flammen sind so dicht, dass Hunderte ihre Häuser verlassen müssen.

Dunkle Schwaden über dem Wald, beißender Rauch in der Luft, ein dramatischer Kampf gegen die Flammen: Hunderte Menschen haben sich am Wochenende vor Waldbränden in Brandenburg in Sicherheit bringen müssen. Bei Treuenbrietzen kämpften Feuerwehr und Bundeswehr schon seit Freitag am Boden und aus der Luft gegen ein Feuer, das sich durch wechselnde Winde ausbreitete. Am Sonntag dann eine neue Hiobsbotschaft: Etwa 20 Kilometer entfernt geriet bei Beelitz ein weiterer Waldbrand zeitweise außer Kontrolle. In beiden Fällen wurden Ortsteile evakuiert. 

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und Innenminister Michael Stübgen (CDU) informierten sich am Sonntagnachmittag vor Ort in Treuenbrietzen. Stübgen sagte am Abend im rbb-Fernsehen, es zeichne sich eine leichte Entspannung ab. Es sei zu hoffen, dass am Montagmorgen Gewitter und viel, viel Regen kämen.

Video: AFP

Tatsächlich fielen am frühen Montagmorgen die ersten Tropfen, brachten jedoch noch nicht den erhofften Effekt. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) handelte es sich zunächst nur um vereinzelte Schauer und kleinere Gewitter, die nicht allzu viel Regen brachten. Erst im Laufe des Vormittags werde es flächendeckende Niederschläge geben, die für Entspannung sorgen dürften, sagte ein Sprecher.

600 Menschen mussten wegen der Brände in Brandenburg ihre Häuser verlassen

Ministerpräsident Woidke hatte zuvor eine weitere Verschärfung der Lage nicht ausgeschlossen. Rund 600 Menschen hätten ihre Häuser verlassen müssen. "Es kann sein, dass es zu weiteren Evakuierungen kommt", sagte er. Auch das Johanniter-Krankenhaus in Treuenbrietzen bereitete sich vorsorglich auf eine Räumung vor.

"Wir haben derzeit 1400 Einsatzkräfte im Einsatz", sagte Woidke. Überwiegend seien es Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren aus Brandenburg, aber auch solche aus Sachsen-Anhalt seien da. Außerdem wird Hilfe aus Berlin erwartet. Dazu kommen nach Woidkes Angaben Bundeswehrsoldaten und Kräfte des Technischen Hilfswerkes und anderer Rettungsorganisationen. Die Lage dort war nach Einschätzung des Landkreises vom späten Sonntagabend stabil. In der Nacht zu Montag seien dann 435 Einsatzkräfte vor Ort gewesen.

Treuenbrietzen liegt etwa 80 Kilometer südwestlich von Berlin und 40 Kilometer von Potsdam entfernt. Der Brand war am Freitag in einem Kiefernwaldstück auf 60 Hektar ausgebrochen. Noch am Samstag schien sich die Lage zu stabilisieren: Die Flammen wurden bis auf 40 Hektar eingedämmt. Doch in der Nacht zum Sonntag war dann die Rede von rund 100 Hektar Brandfläche, am Sonntag waren es bereits 200 Hektar. Das entspricht etwa 280 Fußballfeldern. 2018 hatte es in der gleichen Gegend einen Waldbrand auf 400 Hektar gegeben. Woidke sagte, die Lage sei jetzt noch dramatischer als 2018.

Bereits 2018 war die Gegend von einem Waldbrand betroffen

Zu den geräumten Stadtteilen gehörten Frohnsdorf, Tiefenbrunnen und Klausdorf. Die Menschen verließen ihre Häuser zügig, mit Koffern und Taschen, mit Hunden und Katzen, wie die Sprecherin des Landkreises, Andrea Metzler, sagte. "Sie wissen ja wie es läuft, viele waren 2018 beim großen Waldbrand schon einmal in der Situation." Viele Menschen kamen bei Freunden oder Verwandten unter. 

Zudem diente die Stadthalle in Treuenbrietzen als Notunterkunft. Eine etwa 80-jährige Frau, die sich dort in Sicherheit gebracht hatte, wirkte am Sonntagnachmittag sichtlich mitgenommen. Das Schlimmste sei, wenn man sein Haus verlassen müsse, den Schlüssel umdrehe und nicht wisse, ob es morgen noch existiere, sagte sie im Gespräch mit einem dpa-Reporter.  

Treuenbrietzen mit insgesamt 7500 Einwohnern hat etwa ein Dutzend Ortsteile. Insgesamt breitet sich die Stadt über eine Fläche von mehr als 200 Quadratkilometer aus. Zum Vergleich: Berlin hat knapp 900 Quadratkilometer. 

Der Boden des Gebietes ist mit Munition belastet

Der Kampf gegen die Flammen ist in dem Gebiet besonders schwierig: Weil im Boden eines ehemaligen Spreng- und Übungsplatzes Munition und Kampfmittel liegen, kommen die Feuerwehrleute nicht direkt an den Brand heran. Geht das Feuer durch die Fläche, kann im Boden versteckte Munition hochgehen. Hubschrauber der Bundeswehr nahmen deshalb in Dutzenden Löschflügen Zehntausende Liter Wasser aus einem nahen Baggersee auf und löschten von oben. 

Der zweite Waldbrand im Landkreis Potsdam-Mittelmark wütete bei Beelitz. Nach Angaben von Bürgermeister Bernhard Knuth hatte er sich bis zum frühen Abend auch dort auf 200 Hektar ausgebreitet - dieselbe Größenordnung wie bei Treuenbrietzen und so groß wie etwa 280 Fußballfelder.

Einige Straßenzüge seien bereits evakuiert, sagte Knuth. Zudem seien Bewohner anderer Straßen aufgefordert worden, sich auf eine mögliche Evakuierung vorzubereiten. Ein Anwohner sagte dem RBB, das Feuer sei nur noch etwa 500 Meter vom Haus seiner Familie entfernt. "Wir hoffen, dass es nicht kommt, aber wir sind bereit", sagte er dem Sender. Die Einsatzkräfte seien dabei, Bäume zu fällen und Brandschneisen zu schaffen, um das Vorrücken der Flammen zu stoppen. Auch die ganze Nachbarschaft helfe mit. "Wir probieren einfach nur alles zu retten, was geht", sagte der Mann.

Dies Hoffnung hatte auch der Bürgermeister: "Wir hoffen, dass die Ausbreitung zum Stoppen kommt und wir letztlich erfolgreich das Feuer bekämpfen können", sagte Knuth, der keiner Partei angehört. Später ergänzte er, der Waldbrand sei unter Kontrolle. Bis in die Nacht müsse noch mit heftigen Windböen gerechnet werden, die das Feuer anfachen könnten. "Dann hoffen wir auf den erwarteten Regen", sagte Knuth. Die Stadt Beelitz hat rund 13.000 Einwohner und ist für Spargelanbau bekannt. (dpa)

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